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Kleine Geheimnisse und staunende Gesichter bei Deusterkeller-Führung

31.07.2017

Enge Fluchttunnel aus dem 30-jährigen Krieg


Kitzingen. Die 80 Gäste, die am Montagabend an der Besichtigung der Deusterkeller in Kitzingen teilnahmen, hatten ihr Kommen wahrlich nicht bereut. Eingeladen hatte der BDS-Ortsverband Kitzingen (Bund der Selbstständigen) unter Leitung des 1. Vorsitzenden Wolfgang Weinfurter. Dabei verriet Ralph Bartholomäus, Vorsitzender des Vereins Deusterkeller e.V., bei der knapp einstündigen Führung durch das 2000 Quadratmeter große Areal kleine und größere Geheimnisse der Kitzinger Geschichte.

 

So manches Detail sorgte für staunende Minen bei den Besuchern: Wer wusste schon, dass der Kitzinger Unternehmer Thomas Ehemann bereits 1838 begann, Bier in industriellem Maßstab zu produzieren? Und dass sein „Kitzinger Exportbier“ Mitte des 19. Jahrhunderts bis nach Amerika, Australien und Neuseeland geliefert wurde? Der Kaufmann galt zu seiner Zeit als Tüftler und Geheimniskrämer – und hatte nachhaltigen Erfolg mit seiner Idee. Ehemann fand eine Methode, den Gerstensaft ungekühlt lange Zeit haltbar zu machen. „Das Bier aus Kitzingen war damals bekannt dafür, dass es über weite Strecken transportiert werden konnte, ohne dass es verdarb“, schilderte Ralph Bartholomäus am Montag den Gästen. Dass noch heute die Bierkeller das ganze Jahr über eine nahezu gleich bleibende Temperatur von 12 Grad haben und auch hohen Temperaturschwankungen im Jahr trotzen, war für viele Gäste deutlich spürbar.

 

Um solch nachhaltige Kühlung zu erzeugen und das einst in den Deusterkellern gelagerte Bier das ganze Jahr über zu kühlen, transportierten die Kitzinger Brauereien in den Wintern des 19. Jahrhunderts Eis vom Main zu den Deusterkellern. Dort beförderte man das Eis über einen Schacht mehrere Meter in die Eiskeller. All das gehört zum Insiderwissen, das Ralph Bartholomäus am Montagabend bei der BDS-Veranstaltung preisgab. Dazu zählt auch die Tatsache, dass noch heute Besucher die engen Fluchttunnel aus dem 30-jährigen Krieg bestaunen können.

 

Nächste Deusterkeller-Führung am 10. September

Was aber macht die Deusterkeller für den Vereinsvorsitzenden so außergewöhnlich? „Es ist die Kombination aus einer sehr großen Gewölbefläche auf zwei Etagen und der Tatsache, dass ab 1830, also im vorindustriellen Zeitalter, Bier nach industriellen Maßstäben gebraut wurde.“. Um 1860 lag die Jahresproduktion laut Bartholomäus bei über 50.000 Hektoliter Gerstensaft.

 

Wer Interesse hat an einer Führung durch einen der ältesten Bierkeller in Kitzingen, hat dazu am 10. September die nächste Gelegenheit. Am Tag des offenen Denkmals gibt es zwischen 13 und 17 Uhr alle 30 Minuten Führungen des Vereins. Aus dem mittelfristigen Vorhaben macht Ralph Bartholomäus kein Geheimnis: „Wir möchten die Keller so herrichten, dass in einigen Jahren eine touristische Nutzung problemlos möglich ist. Wir stehen in den Startlöchern und brauchen nur noch die passende Förderung und Unterstützung“, so der Vereinsvorsitzende. Sein Credo: Was für die BDS-Mitglieder und Angehörige interessant ist, weckt auch Interesse bei den Gästen der Stadt. Dazu gehören jedes Jahr einige Hundert Besucher am Tag des offenen Denkmals.

 

Guntram Zielonka, 59 Jahre alt, lebt seit 1965 in Kitzingen und zog für sich folgendes Resumee am Abend. „Ich bin begeistert von der Veranstaltung, vom Umfeld, vom urigen Essen und beeindruckt von der Kellerführung. Diese Deusterkeller sind es wirklich wert, dass man sie erhält“, sagte dieser. Apropos Essen: Spanferkel, leckere Salate, dazu Käse- und Wursthäppchen bot der BDS-Ortsverband nach der Kellerführung seinen Gästen. Nach einer solchen Führung wundert es nicht, dass die Deusterkeller Appetit auf Kulinarisches machen – und auf die nächste Besichtigung am 10. September.

Etwa 80 Gäste genossen die Führung durch die Deuster-Keller und danach die leckeren Speisen. Alle Fotos: BDS Ortsverband Kitzingen

Von: SIGGI/SB