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Rapid Wien ist längst Vergangenheit: Wieso sich nach dem insolventen VfR 07 Schweinfurt nun auch die FSG vom Spielbetrieb abmeldete

18.08.2011

Schweinfurt - Vergangenen Sonntag hätten sie eigentlich beim FC Schweinfurt 05 antreten sollen, kommendes Wochenende zuhause gegen den TSV Mühlhausen. Beide Gegner aber, jeweils Absteiger aus der Fußball-Bezirksliga, dürfen bzw. mussten aussetzen. Denn die Kicker der FSG Schweinfurt treten heuer nicht an. Am Tag vor dem Saisonstart meldete das Fusionsteam, der 2010 erst aus VfR 07 und SC 1900 Schweinfurt enstand, nach den Senioren und der zweiten auch die erste Mannschaft vom Spielbetrieb der Kreisliga ab.


1907 war es, als der VfR gegründet wurde. Zunächst als 1. FV Viktoria 1907 Schweinfurt. Nach einer Fusion 1926 mit dem FC Union 1909 Schweinfurt entstand der neue Name. 1928 bekam der VfR 07 sein bis heute schmuckes Stadion am Hutrasen unweit der Schweinfurter Wehranlagen. Mehrere tausend Zuschauer finden dort einen Platz. 1939 spielte der Verein in der Gauliga Bayern, der damals höchsten Klasse. 1940 zog der VfR 07 in die zweite Runde des Tschammer-Pokals ein, Vorgänger des heutigen DfB-Pokals. Rapid Wien (!) warf die Schweinfurter mit einem 7:1 damals aus dem Wettbewerb. Heute würde es für das Erreichen der zweiten Runde alleine schon über 200.000 Euro an Fernsehgeldern geben.

Und damit hätte es der später viertklassige Landesligist VfR 07 wohl finanziell geschafft. Nämlich die Insolvenz zu vermeiden. Im März 2011 wurde das Verfahren eröffnet, Das war eine Folge des lange anhaltenden Mitgliederschwundes von einst 500 auf zuletzt nur noch unter 100. Mit der Fusion zur FSG versuchte der VfR 07 zumindest den Fußballsport aufrecht zu erhalten. Was im Nachwuchsbereich noch gelingt. Die U 19 kickt zusammen mit dem TSV Gochsheim als Spielgemeinschaft. Doch eine erste Mannschaft gibt es nun nicht mehr. Und das keine 80 Jahre nachdem mit Robert Bernard ein VfR´ler zwei Einsaätze in der Deutschen Nationalmannschaft feierte. Der Vater des späteren Nationaltorwarts Günter Bernard wechselte später zum 1. FC Schweinfurt 05. In der ersten Pokalrunde war er beim Sieg über den Mühlheimer SV 06 der Matchwinner.

Und heute? Das Griechische Restaurant im Vereinsheim des VfR 07 zog längst weiter ins Bergl zum ESV, wo heute mit Bundesliga-Kugeln gekegelt wird. Ein Grieche wäre auch nicht so recht passend, ist das dringend sanierungsbedürftige Gelände nun doch an Hilalspor Schweinfurt vermietet. Am 4. September gegen Traustadt haben die Türken ihr erstes Heimspiel der Schweinfurter A-Klasse 3 am Hutrasen. Die FSG, die laut Satzung als erster Absteiger in die Kreisklasse  feststeht, hätte ihre Heimpartien wohl bei der DJK Schweinfurt austragen müssen. Diese Heimatlosigkeit beschleusingte gewiss den Niedergang. Abmelden musste die Spielgemeinschaft aber deshalb, weil kurzfristig neben zahlreichen Abgängen wie Stefan Krieger (Forst) oder den drei Knappkes Bastian, Benny und Marco (nach Bad Kissingen bzw. Maßbach) auch noch Dirk Hoffmann, Rene Seith, Ali Ak, Sven Landgraf, Roland Dietz und Michael Orth ihre Bereitschaft zum Kicken zurückzogen. "Weil auch noch drei andere Spieler krank oder im Urlaub waren, hätten wir gegen Schweinfurt 05 II mit lediglich neun Spielern antreten können", erklärt der FSG-Vorsitzende Jürgen Pittrof. Darunter wären schon vier U 19-Akteure gestanden.

Hoffmann, Ak und Seith wechselten kurzfristig zum FC Haßfurt in die Bezirksliga. Justin Ward und Robert Eubank sind im Gespräch beim FC Schweinfurt 05 II, wo die Spielernot auch schon wieder groß zu sein scheint vor dem Kreisliga-Auftakt am Sonntag bei Türk Gücü Schweinfurt. Werner Landgraf, bisheriger Trainer der FSG und einst langjähriger Spieler beim FC 05, könnte sich gut vorstellen, dass ein Großteil der noch verbliebenen Spieler, die momentan ale frei und begehrt sind, den Schnüdeln helfen. Ein Problem aber ist sein eher angespanntes Verhähltnis zu Rüdiger Mauder, dem momentanen U 23-Coach der Schnüdel, einst verantwortlicher Mann der Ersten, als Landgraf die U 23 trainierte.

"Seit letzten Samstag habe ich nicht mehr gehört, warte nun aber ein Gespräch mit unserer FSG-Vorstandschaft ab und bin gespannt auf deren neues Konzept",sagt Werner Landgraf, für den es eine völlig neue Situation ist, zum Saisonstart ohne Posten dazustehen. "Denn die FSG Schweinfurt braucht ja keinen Trainer mehr!" Betroffen ist natürlich auch sein Co, Spielercoach Marcel Gerber, einst beim FC 05 in der Regionalliga aktiv und natürlich ebenso heiß, künftig weiterzuspielen.


Von: Michael Horling