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BURGHARD TOELKE: 100 TAGE IM AMT

10.06.2018

Der Leiter des Kurorchesters Bad Kissingen im Interview Burghard Toelke ist seit dem 1. März 2018 musikalischer Leiter des Kurorchesters der Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH.


Am 8. Juni sind nun 100 Tage vergangen und Burghard Toelke spricht über seine Eindrücke und Zukunftspläne.

Herr Toelke, wie geht es Ihnen nach 100 Tagen als Leiter des Kurorchesters Bad Kissingen?

Ich fühle mich sehr wohl in meiner Rolle als Orchesterleiter und habe hier viel Spaß. Ich habe mir in den letzten 100 Tagen einen guten Überblick über meine Aufgaben und über die Belange und Wünsche des Publikums, der Musiker und der Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH machen können.

 

Was hat sich seit dem Beginn hier in Bad Kissingen für Sie geändert?

Erstmal habe ich ein ganz anders Leben als zuvor in Wien. Alles ist viel zentraler, viel näher und lebenswerter. Meine Aufgabenbereiche sind vielfältiger als ich im Vorfeld angenommen habe. Es gibt viele Sachen, die für mich und für die Musiker neu sind, die ich jetzt angehen möchte. Dafür habe ich einen langfristigen Plan vor Augen, um zum Beispiel eine Veränderung in der Musik zu bewirken.

 

Wie sieht diese Veränderung denn aus? Was kann man sich darunter vorstellen?

Beispielsweise möchte ich die Vielseitigkeit in den Kompositionen verstärken und dadurch den Fokus der Musik anders setzen, um eine internationale Konkurrenzfähigkeit des Salonorchesters anzustreben. Dafür müssen wir unter anderem unser Repertoire erweitern. Dankenswerterweise haben wir ja erst vor Kurzem 200 neue Stücke vom Förderverein des Kurorchesters erhalten, die hierfür sehr hilfreich sind. Zudem müssen wir uns weiter professionalisieren. Insbesondere der körperliche Einsatz bei bis zu 14 Konzerten pro Woche ist enorm. Im Vergleich dazu spielt ein großes Symphonieorchester nur ein Konzert am Tag. Wir leisten mit unseren Konzerten sehr viel.

 

Sie sagen, Sie haben einen langfristigen Plan vor Augen. Welche konkreten Projekte nehmen Sie denn als nächstes in Angriff?

Das nächste Projekt ist unser Sonderkonzert zum Tag der Deutschen Einheit. Hier werden wir Kompositionen großer deutscher Komponisten spielen. Die Stücke werden durch eine Moderation verbunden. Es wird ein Konzert, bei dem nicht ‚einfach‘ nur Stücke gespielt werden, die thematisch zum Tag der Deutschen Einheit passen. Durch die Verbindung von Musik und Moderation sollen die Werte der Demokratie vermittelt werden, auf die man sich an einem solchen Tag besinnt: Die Werte des Humanismus. Beispielsweise finden sich in Goethes Werken und in den Kompositionen der damaligen Zeit die gleichen Werte. Dies wollen wir bei unserem Konzert verbinden.

Ein weiteres Projekt wird die Weihnachtsmatinée im Kissinger Winterzauber sein. Hier werden wir ein reines Barockprogramm spielen und somit unsere Stile erweitern. Es ist ja untypisch, dass ein Salonorchester wirklich Barock spielt. Wir erweitern also unser Spektrum, aber perfektionieren auch gleichzeitig den Kernbereich Salonorchester mit unserem Kernrepertoire. Hier haben wir Entwicklungspotenzial. Und wir werden unseren „Combo“-Bereich geringfügig verringern, die sozusagen falsch titulierte Tanzmusik.

Nächstes Jahr wollen wir eine Operette konzertant aufführen. Das heißt, die Sänger stehen auf der Bühne ohne szenische Darstellung. Das wird spannend.

 

Was ist für Sie das Besondere in Bad Kissingen?

Ich habe hier unbegrenzte Möglichkeiten, die man sonst als Musiker nirgends geboten bekommt. Ich bin Dirigent, Intendant und Konzertmeister in einem. Diese Konstellation ist einzigartig und in dieser Form nicht vorhanden. Das Verhältnis zwischen dem Förderverein Kurorchester Bad Kissingen e.V. und den Musikern ist besonders intensiv. Ich freue mich über diese gute Zusammenarbeit und das Engagement von Prof. Dr. Kurt Rieder und Klaus Stebani und natürlich allen Mitgliedern. Gerne möchte ich diese gute Zusammenarbeit beibehalten und intensivieren.

 

Ich möchte mich bei der Geschäftsführung bedanken. Ich habe von Anfang an ein gutes Gefühl gehabt und bei meinen Ideen Unterstützung erhalten. Ich möchte mich auch bei Roman Riedel bedanken, der mich in meiner Arbeit sehr unterstützt und viele Ideen einbringt.

Ergänzung von Roman Riedel: Ich bin schon stolz darauf, dass Burghard Toelke sich für Bad Kissingen entschieden hat. Von Anfang an habe ich gemerkt, dass er musikalisch und menschlich gut in unser Orchester passt.

 

Was wünschen Sie sich für die kommende Zeit?

Ich wünsche mir Kontinuität im Fortschritt. Dafür werden strukturelle Abläufe aufgebaut. Und jeder Musiker soll seine eigene Rolle im Orchester erhalten und sich damit identifizieren können. Somit soll eine konzentrierte Wohlfühlatmosphäre entstehen.

Im weiteren Schritt sollen viele Musikstudenten im Rahmen von Praktika die Arbeitsweise unseres einzigartigen Orchesters kennenlernen.

Wir müssen uns als Orchester weiter modernisieren und über die Musik national und international als Werbebotschafter für Bad Kissingen bekannt werden. Als Konkurrenten sehe ich zum Beispiel Hamburger, Berliner aber auch Wiener Ensembles. Diese sind im Vergleich zu uns nicht festangestellt. Wir haben die Möglichkeit, ein ganz anderes Repertoire zu spielen als zum Beispiel die Wiener, die vornehmlich Strauss spielen. Wir können uns auf deutsche Werke spezialisieren, wie von Gerhard Winkler, Paul Lincke und viele weitere Schätze, die auf dem nationalen und internationalen Markt noch nicht so bekannt sind. Damit können wir uns noch weiter exponieren und ein weiteres Alleinstellungsmerkmal aufbauen. So können wir uns internationale Klasse erarbeiten.

 

Das klingt nach spannenden Projekten, die Sie vorhaben.

Ja, ich bin auch sehr gespannt und freue mich auf die weitere Zeit.

 

Vielen Dank für das Interview , Herr Toelke und alles Gute für die Zukunft!

Das Interview führte Ines Hartmann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH.

Burghard Toelke, Leiter des Kurorchesters der Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH (c) Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH Foto Ines Hartmann

Von: S.Thiomas/I.Hartmann