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Oh Tannenbaum – wie grün sind deine Blätter?

12.12.2017

Weihnachtsbaum mit gutem Gewissen


In vielen Kulturen gibt es den Brauch, das Zuhause mit immergrünen Pflanzen als Zeichen für Lebenskraft zu schmücken. Da Tannenbäume in Mitteleuropa jedoch eher Seltenheit waren, blieben sie erst nur den wohlhabenden Schichten vorbehalten. Erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angelegte Tannen- und Fichtenwälder deckten den Bedarf, damit der Christbaum seinen Siegeszug antreten konnte. Im Jahr 2015 wurden in Deutschland 29,3 Millionen Exemplare verkauft – mit steigender Tendenz. Dabei wächst auch das Interesse am „Zweitbaum“ für Balkon, Terrasse, Garten und besonders an kleineren Bäumen von 1,50 bis 1,75 Meter z.B. fürs Kinderzimmer.

 

Vom Symbol für Lebenskraft zum Wegwerf-Objekt

Während der Baum noch in den 50er Jahren „von drauß` vom Walde“ kam, wächst er heutzutage in der Regel auf Plantagen. Er wird aufwändig gepflegt und gehegt, um dem hohen Anspruch nach makelloser Optik zu genügen. Am beliebtesten ist mit ca. 75 Prozent Marktanteil die Nordmanntanne. Allerdings ist sie in unseren Gefilden gar nicht heimisch und damit den hiesigen Bedingungen schlechter angepasst als z.B. die Blaufichte. Diese rangiert immerhin auf Platz zwei der Beliebtheitsskala. Ihre stachligen Nadeln machen das Schmücken zwar etwas knifflig, dafür sorgt ihr waldiger Duft für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Die meisten Bäume treten nach ihrem glanzvollen Auftritt schon nach kurzen zwei Wochen die letzte Reise zum Wertstoffhof an.

 

Vom kaukasischen Zapfen in heimische Wohnstuben

Die Nachfrage nach regional gewachsenen Bäumen wächst. Aus Umweltsicht ist das positiv. Schließlich zieht der weite Transport importierter Bäume aus Nachbarländern wie Dänemark, Ungarn, Österreich, Polen oder Tschechien einen hohen CO2-Ausstoß nach sich. 90 Prozent der verkauften Weihnachtsbäume gedeihen inzwischen in Deutschland – zumindest den größten Teil ihrer Wachstumszeit. Das Saatgut für die Nordmanntanne nämlich stammt aus Georgien, wo die Zapfen in einer Höhe von bis zu 60 Meter von Hand geerntet werden.

 

Anschließend wird der Großteil der im Bundesgebiet verwendeten Jungpflanzen in Baumschulen in Dänemark und Norddeutschland gezogen. Das milde, ausgeglichene Klima sowie die vorherrschenden sandigen, steinlosen Böden sind besonders für die Jungpflanzenaufzucht geeignet. Danach wachsen sie für weitere acht bis zwölf Jahre im endgültigen Weihnachtsbaumquartier. Diese Anbauflächen beanspruchen in Deutschland etwa zwischen 30.000 und 50.000 Hektar (je nach Angabe). Immerhin ist der Transport der Jungpflanzen deutlich ressourcensparender als der von ausgewachsenen Bäumen. Jedoch geht ein zunehmender Flächenverbrauch in der Bundesrepublik damit einher. In Nordrhein-Westfalen, als Bundesland mit dem größten Anteil an der Jahresproduktion, sind neue Kulturen mit mehr als zwei Hektar Fläche genehmigungspflichtig. Die Ausbreitung von Plantagen soll damit eingedämmt werden.

 

Wie viel Natur steckt noch im „echten“ Weihnachtsbaum?

Da Weihnachtsbaum-Monokulturen anfällig für Schädlinge sind, werden in der Regel chemische Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Diese vernichten jedoch auch sämtliche Nützlinge. Um eine möglichst perfekte Wuchsform zu erzielen, wird der natürliche Bewuchs aus Stauden, Gräsern und Kräutern unter den Nadelbäumen mit Herbiziden beseitigt. Lebensraum für die heimische Flora und Fauna bieten diese Flächen kaum mehr. Spezielle Düngezusätze sorgen für möglichst kräftig blaugrüne Nadeln. Diese Chemiecocktails sind nicht nur Gift für die Umwelt, sondern können auch für Allergiker oder Asthmatiker die Freude am Fest dämpfen. Selbst Unempfindliche reagieren teilweise mit Reizungen von Augen, Haut, Schleimhäuten und Atemwegen.

 

Der Bio-Baum als Alternative?

Betroffene greifen deshalb verstärkt zu Bäumen aus ökologischem Anbau. Pestizide zur Schädlingsbekämpfung sind hier verboten. Ebenso sind Kunstdünger, Kahlschlag und Entwässerungsmaßnahmen tabu. Die Anbauflächen innerhalb von Wäldern auf besonderen Arealen wie Schneisen oder Trassen unter Hochspannungsleitungen reduzieren den Flächenverbrauch. Schonende Methoden wie die Beweidung mit Schafen oder mechanisches Ausmähen werden eingesetzt, um die Bäume frei zu halten.

 

Für den Verbraucher sind die Bäume am Bio-Siegel der europäischen Union oder am Siegel eines der Bio-Anbauverbände Biokreis, Bioland, Naturland und Demeter zu erkennen. Als Mindeststandard für eine umweltgerechte, sozial verträgliche und wirtschaftlich nachhaltige Forstwirtschaft wird von Umweltorganisationen der FSC-Standard (Forest Stewardship Council) angesehen. Auf Pestizide und Mineraldünger muss hier ebenfalls verzichtet werden. Sie werden von zertifizierten Händlern in der Regel als Weihnachtsbäume aus einem „FSC-zertifiziertem Forstbetrieb“ beworben.

 

Das von Waldbesitzerorganisationen und der Forstindustrie entwickelte „PEFC“-Label (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) soll ebenso eine naturnahe Forstbewirtschaftung bescheinigen. Allerdings sind die Kriterien weniger streng und ihre Einhaltung wird nur unzureichend überprüft. Der Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger ist nach wie vor möglich. Für Umweltbewusste ist es deshalb keine verlässliche Alternative. Ebenso wird das von sauerländischen Weihnachtsbaum-Produzenten ausgedachte Label „Fair Forest“ wegen schwacher Kriterien von Umweltschutzorganisationen als irreführend kritisiert.

 

Bäume aus FSC-zertifizierter Waldwirtschaft und aus anerkannt ökologischen Weihnachtsbaumkulturen sind nicht überall leicht zu finden. Hilfreich ist die Liste mit bundesweiten Verkaufsstellen, die von der Umweltorganisation Robin Wood jährlich erstellt wird: https://www.robinwood.de/sites/default/files/oeko-weihnachtsbaeume-robin-wood.pdf

 

Natürliche Schönheit aus dem Wald

Wer keinen Wert darauf legt, dass sein Baum dem gängigen Schönheitsideal entspricht und lieber ein natürlich gewachsenes Exemplar sein Eigen nennt, sollte sich an Förster oder private Waldbesitzern in der Nähe wenden. Mit etwas Glück kommt man hier an eine taugliche Tanne, Fichte oder Kiefer, die im Rahmen der Waldpflege ohnehin entnommen wird.

 

Einen Baum aus der Region finden Sie auch über den Verein „Bayerischer Christbaumanbauer e.V.“. Er setzt sich für die Vermarktung frischer Weihnachtsbäume aus Bayern ein. Die Bäume sind am Herkunftszeichen „Bayerischer Christbaum“ zu erkennen. Anbieter sind unter bayerische-christbaumanbauer.de/anbieter/ gelistet. Wer den Baum direkt vom Erzeuger kauft, hat auch die Chance sich selbst ein Bild von der Anbaufläche zu machen oder darf seinen Baum vielleicht sogar selber schlagen.

 

So bleibt der Christbaum lange grün

Der Baum sollte nach dem Kauf im Netz an einem sonnen- und windgeschützten Ort im Freien oder einem kühlen Ort in einem Eimer Wasser gestellt werden. Sägen Sie den Baum vor dem Aufstellen nochmal zwei bis drei Zentimeter ab. Am besten wird er schon einen Tag vor dem Schmücken in einen Baumständer mit Wasserbehälter gesetzt und das Netz anschließend von unten nach oben aufgeschnitten. Damit er lange hält, sollten Sie ihn möglichst weit weg von der Heizung platzieren und ihn täglich gießen. Bei einer Höhe von 2 Meter benötigt er bis zu 2 Liter Wasser am Tag.

 

Im Topf oder selbstgebastelt – wie wär`s mit einem „Mehrweg“-Baum?

Wer auf Wegwerfware verzichten möchte, für den gibt es langlebigere Varianten. Neben der altbekannten Plastiktanne, bekommt man inzwischen auch echte Bäume im Pflanztopf. Sie können nach dem Fest wieder eingepflanzt werden und weiterwachsen. Werden einige Dinge beachtet, kann das eine nachhaltige Alternative sein. Wählen Sie einen Baum, der schon im Topf gezogen wurden, statt einem, der aus dem Boden ausgestochen wurden. Bevorzugen Sie flachwurzelnde Arten wie z.B. Blaufichten. Tiefwurzler wie die Nordmanntanne haben schlechte Chancen nach dem Einpflanzen wieder richtig anzuwachsen. Achten Sie auch darauf, dass der Baum aus der Region stammt und nicht mit Pestiziden belastet ist. Außerdem sollte er nur wenige Tage im beheizten Raum stehen und langsam an die Temperaturveränderungen gewöhnt werden.

 

Wer mutig ist, kann sich auch Anregungen für „do-it-yourself“-Weihnachtsbäume im Internet holen. Hier finden sich z.B. Anleitungen für Bäume mit Holzscheiten oder Ästen. Der „Baum“ kann individuell geschmückt werden und jährlich wieder verwendet werden. Im Gegensatz zur Kunststofftanne besteht er aus natürlichem Material und erhebt gar nicht erst den Anspruch „wie ein Echter“ auszusehen. Außerdem zieht er bei Ihren Gästen mit Sicherheit alle Blicke auf sich.

 

Links und Quellen:

https://www.robinwood.de/schwerpunkte/okologische-weihnachtsbaume

• https://www.bioweihnachtsbaum.info/

• https://www.umweltbundesamt.de/themen/umweltfreundliche-weihnachtsbaeume

www.br.de/radio/bayern1/inhalt/experten-tipps/umweltkommissar/christbaum-weihnachtsbaum-bio-100.html

• https://utopia.de/ratgeber/weihnachtsbaum-alternativen-bio-oeko-regional/

www.sdw.de/waldwissen/weihnachtsbaum

www.bvwe.de

• https://www.handelsdaten.de/deutschsprachiger-einzelhandel/zahl-der-verkauften-weihnachtsbaeume-deutschland-zeitreihe

•https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachtsbaumhttp://www.sdw.de/waldwissen/weihnachtsbaum

 

 

 

Tipps für den Einkauf

Alle Jahre wieder findet der Tannenbaum in der Weihnachtszeit seinen Weg in deutsche Wohnzimmer. Nach wie vor ist der echte Baum bei den Deutschen sehr beliebt: 29,3 Millionen Exemplare wurden 2015 verkauft. Viele Familien gönnen sich inzwischen auch einen „Zweitbaum“ für Balkon, Terrasse oder Kinderzimmer. Der Anspruch an die Optik wächst: Der ideale Baum soll gerade gewachsen und nach allen Seiten ebenmäßig geformt sein.

 

Der Anbau der Bäume ist aufwändig und dauert viele Jahre. Die Samen der beliebten Nordmanntanne – die in Deutschland gar nicht heimisch ist – werden aus Georgien importiert und ein Großteil der Jungpflanzen in Dänemark oder Norddeutschland gezogen. Danach verbringen 90 Prozent der verkauften Bäume die weitere Wachstumszeit hierzulande.

 

Ein Großteil wird in Plantagen angebaut, die als Monokulturen anfällig für Schädlinge sind. Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger werden eingesetzt. „Lebensraum für die heimische Flora und Fauna bieten die klassischen Christbaumplantagen kaum mehr“ sagt Katrin Falkner, Umweltreferentin beim VerbraucherService Bayern im KDFB e.V. (VSB). Manche Menschen reagieren darüber hinaus sogar mit Allergien oder Hautreizungen beim Schmücken des Baumes. Eine umweltbewusste Alternative sind Bäume aus ökologisch bewirtschafteter Kultur mit Bio-Siegel oder aus FSC-zertifizierter Waldwirtschaft. Mit einem Baum aus der Region lassen sich weite Transporte vermeiden. „Fragen Sie beim Förster oder privaten Waldbesitzern in der Nähe nach. Mit etwas Glück bekommt man hier einen heimischen und naturbelassenen Baum, der bei der Waldpflege ohnehin entnommen worden wäre“ gibt Falkner als weiteren Tipp.

 

Nähere Auskunft gibt es in den Beratungsstellen des VSB sowie unter www.verbraucherservice-bayern.de


Von: SIGGI/TE