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"Grüne Zimmer in der Natur": Der Stadtverband der Schweinfurter Kleingärtner übergab die 1000. Parzelle

18.06.2011

Schweinfurt - Exakt auf 1000 Kleingartenanlagen kann der Stadtverbandes der Kleingärtner nun stolz sein. Die 1000. Parzelle gehört der Familie Stache in der Anlage Schweinfurter Kreuz. Dort erweiterte die Stadt die bisherigen 167 Kleingärten um 24 neue, weil sie zusätzliches Areal in Richtung Baggersee von einer Erbengemeinschaft erwerben konnte. Das war notwendig, weil die Nachfragen nach solchen "grünen Zimmern in der Natur" die letzte Zeit gewachsen ist. Fast 100 Interessenten standen auf der Warteliste, so dass die neuen Gärten auch schon wieder vergeben sind.


Roland Bauer, der seit 1989 amtierende erste Vorsitzende des Stadtverbandes, versuchte schon seit 20 Jahren, die Zahl auf wieder 1000 empor zu bringen. 1951 waren es noch um die 1400 Kleingärten in Schweinfurt, danach reduzierte sich die Zahl auf knapp 800. Das deshalb, weil die Anlagen in der Steinstraße, in Oberndorf beim jetzigen Klärwerk oder die Sachskolonie weichen mussten. 1959 kam die Anlage am Baggersee hinzu. Die Erweiterungen in Oberndorf an der jetzigen A70 oder der neue Verein Sonnenblick sorgten für Zusatz. Biotope oder Hochwasserschutzgebiete verhinderten bisher aber den Anwuchs ins Vierstellige. Obwohl sich "immer mehr Familien mit Kindern bewerben, weil die Vereine stets Kindergärten einladen", so Bauer.

Das wecke das Interesse, auch der ausländischen Mitbürger. Erholungsanlagen und Nutzgärten für den Obst- oder Gemüseanbau seien solche Kleingärten, weiß Otto Wirth. Die "Integration von Menschen, die woanders her kommen, die Einbürgerung" sei laut Schweinfurts Bürgermeister, selbst seit 40 Jahren Kleingärtner in Oberndorf, aber auch gerade durch ein Miteinander Zaun an Zaun möglich.

Rita und Lars Stache mit ihren Kindern Paul, Leonard und Marlon sind die Pächter des offiziell 1000. Kleingartens, der sich optisch schon deutlich von den noch nicht bezogenen nebenan abhebt, der aber ebenso noch kein Häuschen hat. Alle Flächen befinden sich auf einem Gebiet, in dem zuletzt noch Fledermäuse lebten. Über Leitungswasser und Arbeitsstrom verfügen alle Parzellen, für Licht und das Notwendige zum Kochen aber müssen die Pächter durch eigene Gasflaschen sorgen. Toiletten haben die Gärten nicht. Dafür kosten sie auch nur 17 Cent pro Quadratmeter (exklusive Wasser und Strom). Pauschal 30 Euro mehr muss ein Nicht-Schweinfurter zahlen.

Mit der erweiterten Anlage will sich der Schweinfurter Stadtverband demnächst für einen Landeswettbewerb bewerben. Die Anlagen Alte Warte und Sonnenblick gewannen bereits Preise. Die Alte Warte hat mit 424 Gärten die meisten im Stadtgebiet. Neben Oberndorf und Sonnenblick (gleich neben der Alten Warte) gibt es noch die Kleingartenanlage Berglblick (mit 26 Gärten an der Geldersheimer Straße die kleinste) und die Zellerau (Heckenweg und Dittelbrunner Straße). Zu der Kleingartenvereinigung am Schweinfurter Kreuz gehören auch noch die 32 Gärten am Hutrasen.

"Je mehr Schweiß beim Anlegen fleißt, desto größer ist die Verbundenheit mit dem Garten", weiß Roland Bauer. Die nächsten Wochen wird sicherlich fleißig gewerkelt in den neuen Parzellen, was nicht allen Anliegern in den angrenzenden Gärten gefällt. Einer der Neulinge stellte zuerst ein Partyzelt und ein Trampolin auf, kümmerte sich um weitere Maßnahmen noch nicht. Auch der "Durchstoß" zum Ufergebeit am Baggersee gefällt nicht einem jeden der eingesessenen Kleingärtner. Sogar die Polizei wurde jüngst gerufen, "weil oft Gruppen da sind, die sich nicht so artgerecht verhalten", drückt Bauer es aus. Dieses Wochenende aber durfte gefeiert werden, standen doch am Vereinsheim ein großes Fest mit Sonnwendfeuer an.


Von: Michael Horling