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Mikroklimatisches Gutachten zur Neugestaltung des Kardinal-Faulhaber-Platzes liegt vor:

14.06.2017

Kaum Unterschiede zwischen Bürgerentscheid 1 und Bürgerentscheid 2 - beide brächten Verbesserungen


Bei vielen Diskussionen um die Ausgestaltung des Kardinal-Faulhaber-Platzes spielen das Mikroklima sowie die damit zusammenhängenden Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden zur Abstimmung stehenden Vorschläge eine wichtige Rolle. Auf Grundlage eines interfraktionellen Antrages hat der Umwelt- und Planungsausschuss im Mai 2017 die Erstellung eines Gutachtens beauftragt, um der Stadtgesellschaft vor dem Abstimmungstermin am 2. Juli Vergleichsdaten im Hinblick auf die mikroklimatische Situation des Platzes zur Verfügung zu stellen. Die Ergebnisse der Analyse liegen nun vor und werden durch den beauftragten Gutachter Dr. René Burghardt (Burghardt und Partner, Ingenieure Kassel) am 20. Juni dem Ausschuss vorgestellt.

 

Abrufbar ist das gesamte mikroklimatische Gutachten ab Mittwoch, 14. Juni 2017, unter www.wuerzburg.sitzung-online.de/BI/si010_e.asp unter den Unterlagen der 32. Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses (Dienstag, 20. Juni 2017).

 

Maßgeblich: Durchlüftung, Aufheizung und thermischer Komfort

In einem sich zunehmend erwärmenden Klima müssen städtische Freiräume zentrale Orte der Erholung für die Besucher und Bewohner unserer Stadt werden, vor allem auch für empfindlichere Bevölkerungsgruppen wie ältere Menschen und Kinder. Daher ist es wichtig, die Entstehung von Temperaturextremen zu vermeiden und zahlreiche, verteilte Orte zu schaffen, die vielfältigen Raum für klimatische Erholung bieten.

 

Für einen Ort wie den Kardinal-Faulhaber-Platz bedeutet dies: Eine ausreichende Durchlüftung muss erhalten bleiben, um für Kühlung zu sorgen und die Anreicherung von Luftschadstoffen zu vermeiden. Zudem gilt es der Aufheizung des Platzes effektiv entgegenzuwirken sowie auf dem Platz ein behagliches Klima zu schaffen.

 

Diese drei wesentlichen klimatischen Einflussfaktoren – Durchlüftung, Aufheizung und thermischer Komfort – wurden im nun abgeschlossenen Gutachten für einen typischen, heißen Sommertag berechnet, um eine erste Einschätzung und Planungsempfehlungen zu liefern. Betrachtet wurden vier Varianten: der Ist-Zustand, die beiden zur Abstimmung stehenden Varianten in Bürgerentscheid 1 und Bürgerentscheid 2 sowie die Gestaltung mit einer ausladenden Bebauung („Variante 8“), die ursprünglich Grundlage eines städtebaulichen Wettbewerbs werden sollte. In seiner letzten Sitzung hat der Stadtrat bereits anders entschieden und sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, den Kardinal-Faulhaber-Platz weitgehend zu begrünen, mit mindestens 26 Großbäumen zu bepflanzen, an die Fußgängerzone Eichhornstraße anzuschließen und eine Wasserfläche zu schaffen.

 

Beide Bürgerentscheide bringen eine deutliche Verbesserung

Zusammenfassend zeigen die Analysen, dass die beiden zur Abstimmung anstehenden Varianten im Vergleich zum Ist-Zustand mikroklimatisch eine deutliche Verbesserung darstellen. Die Unterschiede zwischen der Variante des Bürgerentscheids 1 und der Variante des Bürgerentscheids 2 sind in der kleinklimatischen Bewertung jedoch gering. Beide gelten im Gutachten als "aus klimatischer Sicht nachhaltig konzipiert" mit "Potenzial zur Schaffung eines klimatischen lokalen Ausgleichsbereichs".

 

Im Mittel wäre bei Umsetzung des Vorschlags des Aktionsbündnisses „Grüner Platz am Theater“ eine noch etwas effektivere Abkühlung zu erwarten: "Der hohe Vegetationsanteil fördert die Verdunstungskühle insbesondere direkt unter den Baumkronen." Die Wasserfläche im Vorschlag des Aktionsbündnisses habe jedoch "aufgrund ihrer geringen Größe kaum positive wie negative klimatisch relevante Auswirkungen."

 

Hingegen werden beim Vorschlag des Ratsbegehrens die vielfältigeren Nutzungsangebote und die aktiv nutzbare, wesentlich größere Wasserfläche als mikroklimatische Pluspunkte gesehen. Zudem wirke gerade die Verschattung durch das Gebäude, sowie Schattenwurf und Verdunstung der 26 Bäume der Überwärmung effektiv entgegen.

 

Das Gutachten stellt fest: „Durch die Schaffung kleinklimatisch heterogener Strukturen haben die Nutzer die Möglichkeit, ihren Vorlieben und Bedürfnissen entsprechend, thermisch angenehme Bereiche ohne größeren Aufwand aufzusuchen.“ Die Plätze können in beiden Ausführungen „als mikroklimatische und lokale Ausgleichsflächen genutzt werden, und fördern in ihrer aktuellen planerischen Ausgestaltung die klimatisch wirksame Grünvernetzung." Weiter heißt es im Gutachten aber auch: "Trotz der Einbringung von Vegetation ist der klimatisch ausgleichende Effekt 'nur' kleinräumig zu erwarten. Die Gesamtfläche von 0,48 Hektar ist für eine weiträumigere Wirkung (setzt erst ab 1-2 ha ein) zu klein."

 

Oberbürgermeister Christian Schuchardt stellt fest: „Das Gutachten zeigt: Bezogen auf das Mikroklima sind die Unterschiede zwischen beiden Vorschlägen marginal. Die Neugestaltung ist aber gerade im Vergleich zum Ist-Zustand ein gewichtiger und beispielgebender Schritt zur Anpassung unserer Stadt an die Folgen des Klimawandels “.

 

Kurzfassung der Ergebnisse:

• Ist-Zustand: Der Ist-Zustand ist durch die hohe Versiegelung und den geringen Anteil verschattender Bäume geprägt. Daher wird die Luftzirkulation zwar kaum beeinflusst, der Platz heizt sich allerdings an heißen Tagen sehr stark auf und der thermische Komfort ist gering („thermischer Stress“).

• Vorschlag Aktionsbündnis „Grüner Platz am Theater“ (basiert auf Visualisierung unter www.gruener-theaterplatz.de): Durch die Kombination verschiedener Baumformen und deren relativ lockerer Platzierung wird die Luftzirkulation kaum beeinflusst. Zudem wirken die Bäume durch Schattenwurf und Verdunstung der Überwärmung effektiv entgegen. Es steht ein großer, klimatisch angenehmer und variabler Freiraum zur Verfügung. Die Wasserfläche hat durch ihre geringe Größe keine klimarelevanten Auswirkungen.

• Vorschlag Ratsbegehren „Grüner Platz: Innenstadt für alle“ (basiert auf Visualisierung www.wuerzburg.de/de/buergerentscheid-kardinal-faulhaberplatz/gruener-platz-innenstadt-fuer-alle/index.html): Das zurückhaltende Gebäude hat auf die Luftzirkulation keinen maßgeblichen Einfluss, die Durchlüftung bleibt daher auch in dieser Variante gewährleistet. Verschattung durch das Gebäude, sowie Schattenwurf und Verdunstung der 26 Bäume wirken der Überwärmung effektiv entgegen. Es steht ein großer, klimatisch angenehmer und variabler Freiraum zur Verfügung. Die Auswirkung der Wasserfläche hängt von ihrer Ausgestaltung und Nutzung ab: Ist eine umfangreiche Nutzbarkeit sowie eine aktive Verdunstung (bspw. durch Wasserspiele oder Zerstäubung) gegeben, kann die Wasserfläche zu einer weiteren mikroklimatischen Verbesserung beitragen.

• „Variante 8“ (2016 präferierte Variante mit einer deutlich größeren Teilbebauung): Das ausladende Gebäude beeinflusst die Durchlüftung des Platzes negativ und kann auch die weiträumigere Zirkulation teilweise verschlechtern. Trotz des hohen Versiegelungsgrads gibt es zwar durch die geringe Anzahl verschattender Bäume eine Verbesserung im Vergleich zum Ist-Zustand, diese fällt aber deutlich geringer aus als bei den beiden anderen Varianten. Zudem ist der zugängliche Freiraum deutlich reduziert. Bei Weiterverfolgung dieser Variante, sollten Durchlüftung (z.B. Gebäudedurchlass) und kühlende Wirkung (mehr verschattende Elemente, größere unversiegelte Flächen) verbessert werden.

 

Es ist zu beachten, dass die im Gutachten bewerten Varianten – auf Grundlage der vorliegenden Visualisierungen - einen Zustand nach mehrjährigem Wachstum der Bäume darstellen.

 

Deutliche, klimatisch relevante Auswirkungen über die eigentliche Fläche hinaus (Mesoklima) sind bei keiner der betrachteten Varianten zu erwarten.


Von: SIGGI/CL