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Willi Dürrnagel berichtet: Pater Dr. Christoph Becker vor 80 Jahren gestorben

17.03.2017

Würzburg: Am 16. März 2017 führt(e) der "Weg der Versöhnung" mit dem Nagelkreuz von Coventry und die Versöhnungsstatue von der Gedenkstätte zum 16. März 1945 vor dem Hauptfriedhof zur Missionsärztlichen Klinik bzw. zum Missionsärztlichen Institut und zum Kloster der Mariannhiller Missionare.

 

Heute möchte ich an den Gründer des Missionsärztlichen Instituts vom 3. Dezember 1922 Pater Dr. Christoph Becker, erinnern, der vor genau 80 Jahren, am 30. März 1937, gestorben ist. Vor 90 Jahren, 1927, wurde mit dem Bau des Institutsgebäudes begonnen. Am 22. Oktober 1875 wurde Pater Christoph Edmund Becker in Elsoff bei Frankfurt am Main geboren. Er begeisterte sich schon früh für die Mission. Er trat im September 1889 in Rom in die Gesellschaft der Salvatorianer ein. Dort schloss er auch an der Gregoriana seine philosophischen und theologischen Studien mit dem Doktorat in beiden Disziplinen ab. Am 17. April 1898 wurde er in Rom zum Priester geweiht und wirkte als Lektor der Philosophie und als Superior in Meran. 

 

1905/1906 wurde Salvatorianerpater Dr. Christoph Edmund Becker "Apostolischer Präfekt" von Assam in Indien. Dort hat er in wenigen Jahren Großartiges für den Aufbau der Mission geleistet. Becker und andere Missionare gerieten im Juli 1915 in englische Kriegsgefangenschaft, die nach einem Jahr beendet wurde. Der Erste Weltkrieg und Gesundheitsprobleme, die sich an Aufenthalte in Kriegsgefangenlagern in Indien und England anschlossen, setzten seinem segensreichen Wirken vorerst ein Ende.Vom Herbst 1915 bis Ende des Weltkrieges war er Feldgeistlicher. In München benutzte er die Jahre nach dem Kriege neben anderer Arbeit und vielem Kranksein zur Herausgabe mehrerer Bücher, welche eine hohe wissenschaftliche Befähigung erwiesen. Da eine Rückkehr der deutschen Salvatorianer nach Assam nicht mehr möglich war, legte Becker 1921 sein Amt als Apostolischer Präfekt nieder. Die Ausfahrt zur Begründung einer neuen Mission in China verhinderte eine schwere Krankheit.

 

Zurückgekehrt nach Deutschland, griff der energiegeladene Mann, der nun von seiner Heimat aus für die Mission tätig werden wollte, die Idee des "Akademischen Missionsvereins in München" auf, eine katholische missionsärztliche Organisation zur Unterstützung der Missionsorden zu gründen. Impulse dazu waren aus der protestantischen Mission gekommen. Seit 1909 existierte in Tübingen das "Deutsche Institut für Ärztliche Mission", eine Einrichtung, mit der das Missionsärztliche Institut heute eng zusammenarbeitet.

 

Nach vier Jahren Vorbereitung und vielen Rückschlägen war es endlich soweit. Am 3. Dezember 1922 wurde das Missionsärztliche Institut aus der Taufe gehoben. Dieser Tag ist auch der Festtag des hl. Franz-Xaver. Der Standort Würzburg war nicht zufällig gewählt worden. Zwei Jahre zuvor hatte in der unterfränkischen Domstadt eine Tagung katholischer Organisationen stattgefunden, die sich hier anstelle eines Katholikentages trafen. Dass das Juliusspital für die Anfangszeit Räume und Ausbildungsmöglichkeiten zur Verfügung stellte, tat sein übriges.

 

Mit dem Bau wurde Architekt Professor Albert Boßlet beauftragt, der bereits die Kirche Marianhill und das anschließende Piusseminar gebaut hatte. Sechs Jahre nach der Gründung, im Herbst 1928, war auch das eigene Gebäude an der Salvatorstraße fertig gestellt. Heute beherbergt es neben dem Institut auch den Kernbereich der 1952 gegründeten Missionsärztlichen Klinik.

 

Pater Dr. Christoph Becker war Gründer und seit 1928 Direktor des Missionsärztlichen Instituts Würzburg und der einzige Honorarprofessor für Missionswissenschaft der theologischen Fakultät der Universität. Pater Becker leitete das Institut, bundesweit die einzige medizinische Fachstelle der katholischen Kirche, trotz großer Gesundheitsprobleme bis zu seinem Tod. Seit Herbst 1935 verschlimmerte sich der Gesundheitszustand Pater Beckers ständig. Es folgte ein hartes Leidensjahr, bis ihn der Tod am Osterdienstag, dem 30. März 1937, erlöste.

 

In seinem Testament, das er auf dem Krankenbette am 19. März 1934 verfasste, schreib er: "Als Ausdruck meines letzten Willens möge es gelten, dass alles, was ich besitze, dem Missionsärztlichen Institut in Würzburg gehört und diesem nach meinem Ableben verbleiben soll. Die Mitglieder des Missionsärztlichen Instituts werden die Hoffnungen, die man katholischerseits auf dieses große Unternehmen setzt, nur erfüllen, wenn sie im Geiste des Instituts und nach dessen Statuten fest und einig als wahre Laienapostel zusammenhalten. Mögen sie auch meiner im Gebete eingedenk sein, wie ich nur für sie zu leben und ihrem Leben einen großen und vollen Inhalt zu geben suchte."

 

Ohne seinen unermüdlichen Einsatz wäre es nie zum Leben erweckt worden. Viele Hunderte medizinische und pflegerische Fachkräfte wurden seitdem in die ganze Welt entsandt, viele Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen in den Ländern des Südens gehen auf Gründung oder Mitwirkung des Missionsärztlichen Instituts zurück bzw. wurden jahrzehntelang mit Personal und Fachwissen aus Würzburg unterstützt.

 

Das Institut war in keinen Orden integriert, sondern bildete unabhängig medizinisches Fachpersonal für die Arbeit in den Missionen in Asien und Afrika aus und vermittelte Missionare medizinische Grundkenntnisse. Damals mussten sich Ärzte, Ärztinnen und Krankenschwestern per Eid zu zehnjährigem Einsatz und zur "evangelischen Armut" verpflichten, was nach dem zweiten Weltkrieg, in dem zehn Ärzte interniert wurden, aufgehoben wurde.

 

Kaum war 1939 der Krieg ausgebrochen, als das Institutsgebäude für ein Lazarett geräumt werden musste. Nach dem Zusammenbruch wurde die chirurgische Abteilung des völlig ausgebombten Juliusspitals dort untergebracht. Daraus entwickelte sich die Missionsärztliche Klinik, nachdem 1952 das Juliusspital in sein Gebäude zurückkehren konnte. Die 1994 in eine gemeinnützige Gesellschaft mbH überführte Klinik umfasst Gynäkologie/Geburtshilfe, Innere Medizin, Radiologie, Urologie, die Kinderklinik am Mönchberg und Tropenmedizin. Das "Missio" ist inzwischen Akademisches Lehrkrankenhaus der Julius-Maximilians-Universität Würzburg geworden.

 

Seit dem 1. Januar 2017 ist die Missionsklinik und das Krankenhaus Juliusspital unter dem Dach des Klinikums Würzburg Mitte gGmbH vereint.

 

Fotos: Willi Dürrnagel


Von: PM/WD