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Zwei Jahre „Mensch inklusive“ in Stadt und Landkreis

14.07.2017

Klassische Win-win-Situation“: Beteiligte ziehen positive Zwischenbilanz


Am Donnerstag hat Landrat Florian Töpper (Landkreis Schweinfurt) Katharina Moser an ihrem Arbeitsplatz besucht. Weit gehen musste er dafür nicht. Die 29-jährige Rollstuhlfahrerin arbeitet bei ihm im Haus. Nicht nur deshalb scheint die Behörde ein Ort der kurzen Wege zu sein. Gemeinsam mit der Stadt Schweinfurt hatte das Landratsamt im April 2015 eine Kooperationsvereinbarung mit der Lebenshilfe Schweinfurt unterzeichnet. Das Ziel davon: In der Region sollten mehr Menschen mit Behinderung Beschäftigungsmöglichkeiten in Betrieben des ersten Arbeitsmark-tes erhalten. Rund zwei Monate später hatte Moser eine Stelle im Ordnungsamt. Zwei Jahre ist das nun her. Und die Arbeit gefällt ihr immer noch. Derzeit erfasst Moser im Ordnungsamt Daten von in den Landkreis zugezogenen EU-Bürgern. „Ich fühle mich sehr wohl“, bestätigte sie gegenüber Töpper.

 

Moser ist im Rahmen von „Mensch inklusive“ beim Landratsamt Schweinfurt ange-stellt. Die Initiative der Lebenshilfe Schweinfurt vermittelt Menschen mit Behinde-rung Arbeitsplätze in Betrieben des ersten Arbeitsmarkts. Hierfür gleicht „Mensch inklusive“ die Fähigkeiten und Wünsche eines Menschen mit Behinderung mit den Erwartungen eines potenziellen Arbeitgebers ab. Dann bringt die Initiative die passenden Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen. Zudem begleiten Mitarbeiter von „Mensch inklusive“ die beiden Parteien vom ersten Kennenlernen über die Einarbeitung bis hin zum Arbeitseinsatz kontinuierlich. „Vielen Dank, dass Sie im Landratsamt so schnell einen Arbeitsplatz für uns geschaffen hat“, sagte Martin Groove, Geschäftsführer der Lebenshilfe Schweinfurt, in diesem Zusammenhang an Töpper gewandt. Derzeit sind in den Landkreisen Schweinfurt, Haßberge, Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld 44 Menschen mit Behinderung im Rahmen von „Mensch inklusive“ beschäftigt. 13 davon entfallen auf die Stadt Schweinfurt, 5 auf die Region.

 

„Sie bereichern das Haus in vielerlei Hinsicht“, sagte Töpper zu Moser und bedankte sich für ihren täglichen Einsatz. Mosers direkter Vorgesetzter Jürgen Niesner, stellvertretender Sachgebietsleiter für Kommunales und Ordnungsaufgaben, sprach von einer „klassischen Win-win-Situation“: Mit der jungen Frau habe das Ordnungsamt eine wertvolle Mitarbeiterin gewonnen und diese eine Arbeitsstelle, die ihr Spaß mache.

 

Auch Jürgen Montag, Sozialreferent der Stadt Schweinfurt, sah bei der Zusammenarbeit mit „Mensch inklusive“ eine Win-win-Situation gegeben. Am Donnerstag besuchte er zusammen mit Lebenshilfe-Geschäftsführer Groove und Vertretern von „Mensch inklusive“ Lukas Bohn an seinem Arbeitsplatz im Phönix-Seniorenzentrum Gartenstadt. Bohn ist dort seit beinahe zwei Jahren beschäftigt. In der Küche hilft der 23-Jährige beim Zubereiten der Mahlzeiten für die 132 Hausbewohner und bei der Essensausgabe. Der Job macht ihm merklich Freude. Wenn er einmal Urlaub hat, vermissen ihn seine Arbeitskollegen. „Das kann sicher nicht jeder von sich behaupten“, scherzte Montag. Bemerkenswert sei immer wieder, so der Sozialreferent, wie es „Mensch inklusive“ gelinge, Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammenzubringen, die sehr gut zueinanderpassten.

 

Eine Einschätzung, die Hardy-Michael Schröder, Leiter des Phönix-Seniorenzentrums, bestätigte: „Lukas ist Teil des Hauses und des Teams. Wir können es uns gar nicht mehr vorstellen, dass er nicht da ist.“ Nachdem Schröder vor zwei Jahren zum ersten Mal von „Mensch inklusive“ erfahren hatte, hatte er sofort den Kontakt zu der Lebenshilfe-Initiative gesucht. Er war der erste Arbeitgeber im Raum Schweinfurt, der dort aktiv einen Mitarbeiter anfragte. Bereut scheint er es bislang nicht zu haben.

Zwei Jahre Mensch inklusive in Stadt und Landkreis_1: Kurz entschlossen und nach zwei Jahren noch immer zufrieden: Im April 2015 unter-zeichnete Landrat Florian Töpper (Landkreis Schweinfurt) eine Kooperationsvereinbarung mit der Lebenshilfe Schweinfurt, um mehr Menschen mit Behinderung in Betrieben des ersten Arbeitsmarktes zu beschäftigen. Im Juli 2015 trat Katharina Moser eine Stelle im Ordnungsamt an.___Zwei Jahre Mensch inklusive in Stadt und Landkreis_2: „Teil des Hauses und des Teams“: Hardy-Michael Schröder (links), Leiter des Phönix-Seniorenzentrums Gartenstadt, hat mithilfe der Lebenshilfe-Initiative „Mensch inklusive“ in Lukas Bohn (rechts) einen tüchtigen Mitarbeiter gefunden. Gerne zeigt der Jürgen Montag (2. v. r.), Sozialreferent der Stadt Schweinfurt, und Lebenshilfe-Geschäftsführer Martin Groove seinen Arbeitsplatz in der Küche. (Fotos: Reto Glemser)

Von: SIGGI/RG