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Auch in Würzburg gibt es deutlich mehr überschuldete Menschen

19.10.2017

Den Beratungsstellen fehlt es jedoch an einer ausreichenden Finanzierung - SPD-Landtagsfraktion fordert Reform der Schuldner- und Insolvenzberatung


In allen Teilen Bayerns ist die Zahl der überschuldeten Personen zum Teil zweistellig angestiegen. In 18 bayerischen Landkreisen und der kreisfreien Stadt Schweinfurt finden überschuldete Menschen derzeit jedoch keine Anlaufstelle für Schuldner- und Insolvenzberatung. Doch auch um die Würzburger Schuldnerberatung steht es nicht zum besten. „Die Finanzierung ist fragil und entsprechend ist die Personalausstattung knapp“, wissen der Landtagsabgeordnete Georg Rosenthal und sein Kollege Volkmar Halbleib aus vielen Gesprächen. Das Ergebnis: lange Wartezeiten. Oft zu lang für die Betroffenen, die dringend Hilfe brauchen. „Das können die überschuldeten Familien am wenigsten gebrauchen.“

 

Würzburg ist besonders stark betroffen

Auch in Würzburg hat die Schuldnerquote von 2012 bis 2016 deutlich zugenommen, wie aus der Antwort des Sozialministeriums auf eine parlamentarische Anfrage (PDF, 1,35 MB) von SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher hervorgeht: Sie ist von 6,67 Prozent 2012 auf 7,55 Prozent 2016 deutlich angestiegen und liegt heute über dem bayerischen Durchschnitt, der noch 2012 nur 7,0 Prozent und 2016 7,4 Prozent beträgt. Auffallend ist der deutliche Anstieg von 2015 auf 2016. Im Landkreis Würzburg ist die Situation besser. Doch auch hier ist die Schuldnerquote von 5,07 auf nun 5,38 Prozent spürbar angestiegen. Ähnlich ist die Entwicklung in Main-Spessart, wo die Schuldnerquote von 5,38 auf 5,52 Prozent vergleichsweise leicht angestiegen ist.

 

„Wir brauchen endlich flächendeckend eine zuverlässige Beratung für überschuldete Personen“, folgert Rinderspacher. „Die Zahlen zeigen auf: trotz Wirtschaftsboom bestreiten in Bayern mitnichten alle Menschen ihre Existenz auf der Vorstufe zum Paradies", stellt der Sozialdemokrat fest. Er fordert daher eine Zusammenlegung der Schuldner- und Insolvenzberatung im Freistaat. Bis heute liegen diese anders als in fast allen anderen Bundesländern in den unterschiedlichen Zuständigkeiten von Kommunen (Schuldnerberatung) und Freistaat (Insolvenzberatung). 2016 wurden in Bayern 109 Insolvenzberatungsstellen in Höhe von 4,2 Millionen Euro staatlich gefördert. Die Förderung ist seit 2009 trotz steigender Fallzahlen und höherer Anforderungen an die Beratung seit der Insolvenzrechtsreform 2014 nicht gestiegen.

 

Rosenthal, der in seinem Stimmkreis schon vermehrt auf dieses Problem angesprochen wurde, und Halbleib, der sich als stellvertretender Vorsitzender des Haushaltsausschusses intensiv für eine finanziell besser ausgestattete Zusammenführung von Insolvenz- und Schulderberatung eingesetzt hatte, versichern gemeinsam: „Wir werden da nicht locker lassen!“

 

Hinter den nackten Zahlen verbergen sich Schicksale

Wie aus der Antwort hervorgeht, waren im Jahr 2016 in Bayern 789145 Personen überschuldet - 7,9 Prozent mehr als noch vier Jahre zuvor. Hinter den nackten Zahlen verbergen sich Schicksale: Für die Stadt Würzburg kommt die Creditreform AG Wirtschaftsforschung auf 8272 überschuldete Personen, für den Landkreis auf 7199 und den Landkreis Main-Spessart auf 5881. In Zeiten einer boomenden Wirtschaft und niedriger Arbeitslosigkeit haben als Auslöser tragische Ereignisse im Leben an Gewicht gewonnen: Trennung, Scheidung oder der Tod des Partners, aber auch eine Erkrankung, Sucht oder ein Unfall haben an Gewicht gewonnen.

 

Besonders Besorgnis erregend ist die hohe Zahl junger Menschen unter 30 Jahre. Laut dem „SchuldnerAtlas 2016“ der Creditreformbetrug beträgt die Zahl junger Überschuldungsfälle rund 1,66 Millionen Fälle im gesamten Bundesgebiet. Die Dunkelziffer dürfte jedoch sehr hoch sein.


Von: SIGGI/BD