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Bringen viel Farbe ins Estenfelder Rathaus: Gemälde von Menschen mit Sehbehinderung

27.02.2019

Noch bis 6. Juni 2019 sind die Bilder von Menschen mit Seh- und Mehrfachbeeinträchtigung vom Blindeninstitut im Estenfelder Rathaus zu sehen.


Estenfeld: Lebhaft fröhliche und ausdrucksstarke Gemälde sind zurzeit im Rathaus der Gemeinde Estenfeld zu sehen. Das Besondere daran: Gemalt haben sie junge Bewohnerinnen und Bewohner vom Blindeninstitut Würzburg, die blind oder sehbehindert sind und weitere Beeinträchtigungen haben. Mit einer Vernissage wurde die Ausstellung unter dem Titel "Kunst von Menschen, die anders sehen" am Mittwoch (20.02.19) offiziell eröffnet. Noch bis 6. Juni 2019 können die Acryl-Strukturbilder auf Leinwand im Rathaus Estenfeld während der Geschäftszeiten besichtigt werden. "Die Bilder bringen nicht nur Farbe, sondern auch viel Lebensfreude ins Rathaus", sagte die Bürgermeisterin von Estenfeld Rosalinde Schraud bei der Begrüßung zur Vernissage. Sie freue sich, dass die Ausstellung nicht nur ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Lächeln ins Gesicht zaubern, sondern bestimmt auch viele Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste, die ins Rathaus kommen, begeistern werden.

 

Der frühere Direktor der Blindeninstitutsstiftung Hans Neugebauer dankte Rosalinde Schraud und dem Ausstellungsinitiator Jürgen Baur dafür, dass sie die Bilder aus der Förderstätte des Blindeninstituts in Estenfeld einem großen Publikum zugänglich machen. Er gab in seinem Grußwort einen Rückblick auf die Entwicklung der Stiftung von einer unterfränkischen Schule für zunächst sechs blinde Kinder im Jahr 1853 zur Trägerin von Angeboten für mittlerweile rund 4.000 blinden, seh- und mehrfachbehinderten Menschen in Bayern und Thüringen.

 

Wie die großformatigen Gemälde innerhalb der letzten Wochen und Monate in der Förderstätte am Blindeninstitut Würzburg entstanden sind, erläuterte die kunstpädagogische Leiterin Andrea Seifert. Die jungen Bewohnerinnen und Bewohner mit Seh- und Mehrfachbeeinträchtigung gestalteten die Bilder entsprechend ihrer individuellen Fähigkeiten in vier Schritten. Unterstützt wurden sie dabei von Seifert und ihren Kolleginnen. "Den allergrößten Anteil haben unsere Förderstätten-Besucher - wir helfen nur dabei, den Bildern den letzten Schliff zu geben", erklärte die kunstpädagogische Leiterin. Entstanden sind so 22 ausdrucksstarke und farbintensive Acryl-Strukturbilder. Den Malerinnen und Malern aus der Förderstätte war bei der Vernissage anzusehen, dass sie stolz sind auf ihre Werke. Dass schon während der ersten Ausstellungstage einige Ausstellungsbesucher großes Interesse bekundeten, sich eines der Bilder nach der Ausstellung für die eigenen vier Wände zu sichern, zeigt, dass sie allen Grund dazu haben.

 

Die Förderstätte

Die Förderstätte im Blindeninstitut Würzburg bietet Lebensperspektiven für erwachsene blinde oder sehbehinderte Menschen mit weiteren schweren Behinderungen. Eingebettet in tagesstrukturierende Maßnahmen können die betreuten Menschen hier wohnen, arbeiten und ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen. Da sie aufgrund ihrer komplexen Behinderung nicht in der Bentheim Werkstatt arbeiten können, besuchen die Erwachsenen täglich von Montag bis Freitag die Förderstätte. Dort gehen sie ihren Fähigkeiten entsprechend einer individuellen Tätigkeit nach, die sie fordert und fördert. So haben sie auf ihre Weise Teil am Arbeitsleben und bauen darüber Selbstvertrauen und Selbstwert auf. Im Rahmen der Förderstättenarbeit wird auch die Kreativgruppe Malen angeboten, in der die abstrakten Acryl-Kunstwerke entstehen.

Auf dem Gruppenbild sind ganz hinten auf der Treppe (von links) Rosalinde Schraud (1. Bürgermeisterin von Estenfeld), Dr. Hans Neugebauer (Stiftungsdirektor a. D. der Blindeninstitutsstiftung), Dr. Marco Bambach (Vorstand der Blindeninstitutsstiftung), Jürgen Baur (Ausstellungsinitiator aus Estenfeld) und Andrea Seifert (Künstlerische Leiterin, Blindeninstitut Würzburg) mit den jungen Künstlerinnen und Künstlern sowie Förderstättenleiter in Barbara Knötgen (Zweite von links) und Kolleginnen aus der Förderstätte zu sehen. Foto: Ulrike Roth

Von: PM/TK