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Dem edelsten Sohne der Stadt Würzburg

30.08.2019

Willi Dürrnagel berichtet: Luitpolddenkmal


Würzburg:Nächst dem Bahnhof in Richtung Berliner Ring stand früher in den Ringparkanlagen das Denkmal des Prinzregenten Luitpold. Vor 120 Jahren, im Jahre 1899, war es, als zum ersten male das Bürgerkomitee, welches das alljährliche Festbankett zum Geburtstage des Prinzregenten Luitpold am 12. März vorzubereiten hatte, sich mit der Frage befasste, wie Würzburg wohl den bevorstehenden 80. Geburtstag des Prinzregenten Luitpold am 12. März 1901, in würdiger Weise begehen könnte.

 

Nach Vorschlägen verschiedener Art beschloss eine Versammlung von Vertretern aller Stände und zahlreichen Vereine, dass als ein dauerndes Zeichen der Liebe und des Dankes, womit die Herzen wohl der meisten Würzburger gegen den greisen Regenten erfüllt seien, ein Denkmal des Gefeierten in der Mitte seiner getreuen Franken errichtet werden sollte. Eine Bürgerwidmung sollte es werden, erbaut nicht aus Mitteln der Gemeinde, sondern durch freiwillige Spenden, damit jeder, auch der ärmste Einwohner unserer Stadt, sein Scherflein beitragen und so seiner Liebe Ausdruck geben könnte.

 

Als im Mai 1900 das Komitee unter dem Vorsitz des Kaufmanns Georg Geiger mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit trat, war der Erfolg bald ein recht erfreulicher, es flossen nicht nur bedeutende Spenden wohlhabender Mitbürger, sondern auch sehr viele kleinere Gaben aus allen Kreisen der Bevölkerung. Im ganzen gingen über 85 000 Mark ein, während die Stadt nur die nicht besonders großen Kosten der Fundierung und der Feiern der Grundsteinlegen am 12. März 1901 und der Enthüllung am 8. Juli 1903 zu übernehmen hatte.

 

Schwieriger als die Aufbringung der Mittel war die Wahl der Form des Denkmals; gegen das zuerst geplante Reiterstandbild wurden viele Bedenken aus den Kreisen der Bevölkerung laut - die meisten wollten den hohen Herrn nicht als Triumphator hoch zu Ross, sondern so dargestellt wissen, wie sie ihn von seinen mehrmaligen Besuchen in Würzburg im Gedächtnis hatten, als das Bild leutseliger Milde und Freundlichkeit.

 

In Akademiedirektor Ferdinand von Miller aus München fand das Denkmalkomitee einen vorzüglichen Interpreten dieses Gedankens, während der Konservator des Nationalmuseums in München, Architekt Angermair, dem Standbilde einen wirkungsvollen architektonischen Rahmen zu geben wusste.
Als ein Zeichen des freudigen Anteils, welchen der Regent an der Ehrung nahm, die ihm seine Vaterstadt vorbereitete, darf wohl die Tatsache angeführt werden, dass er wiederholt Ferdinand von Miller Modell stand.

 

Unter der Mitwirkung verschiedener einheimischer Kräfte, insbesondere des Baumeisters J. E. Weber, des akademischen Bildhauers Matthias Kemmer, des Gitterstrickers C.A. Würth jun., u.a. ging das Werk der Vollendung entgegen.
Es wurde am 8. Juli 1903 enthüllt und zwar in Anwesenheit des Prinzen Leopold als des von seinem Herrn Vater entsandten Stellvertreters und verbunden mit einem großen fränkischen Volksfest, nachdem am 21. März 1901, dem 80. Geburtstage des Regenten, der Grundstein zu dem Denkmal gelegt worden war.

 

Das Denkmal bestand aus dem Standbild des Prinzregenten mit einer Bekrönungsfigur, der Wirciburgia, die mit einer Hand die Krone, mit der andern den Schleier einer Wiege als Anspielung auf die Eigenschaft Würzburgs als Geburtsstadt des Regenten emporhält.

 

An der architektonischen Umrahmung mit ihren Pilastern und Kunstgittern befand sich auch die Widmung des Denkmals: "Dem edelsten Sohne der Stadt Würzburg zum 80. Geburtstag in Liebe und Treue gewidmet 1901". Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das bronzene Standbild eingeschmolzen und 1964 im Zuge der Bahnhofsumgestaltung das Säulenhalbrund abgerissen. Als Ersatz dafür wurde am Westende der Luitpoldbrücke eine 1892 geschaffene Bronzebüste Luitpolds angebracht. Säulen des abgerissenen Denkmals wurden wieder verwendet, z, B. für das Felix-Dahn-Denkmal Kreuzung Randersackerer Straße/Friedrich-Spee-Straße und für die Gedenksäule in Heidingsfeld zur Erinnerung an die Zerstörung der Synagoge am Dürrenberg.

 

Der vorletzte in Bayern regierende Herrscher aus dem Hause Wittelsbach Luitpold wurde am 12. März 1821 nachts kurz vor 2 Uhr in der Würzburger Residenz geboren. Die Hauptstadt des Untermainkreises hatte sich Luitpolds Vater, der kunstsinnige Kronprinz und nachmalige König Ludwig I. von Bayern, im Jahre 1816 neben Aschaffenburg als Wohnsitz gewählt und damit seine Verbundenheit mit jenen Landesteilen bekundet, die erst knapp zwei Jahre zuvor im neubayrischen Staat aufgegangen waren. Insofern war die Geburt eines Wittelsbacherprinzen in den Mauern der Hauptstadt eines untergegangenen Fürstbistums mit einer über tausendjährigen Geschichte ein symbolisches Ereignis, das die Integration der am Verhandlungstisch hinzugewonnenen Gebiete nur fördern konnte.

 

Luitpold war bereits der dritte Sohn Ludwigs und seiner Gemahlin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Neben den Brüdern Maximilian, Otto und dem nachgeborenen Adalbert hatte Luitpold noch vier Schwestern, darunter die am 19. März 1823 ebenfalls in Würzburg geborene Adelgunde, die spätere Herzogin von Modena. Als Achtzehnjähriger trat er in das Heer - in die Artillerie - ein, in dem er "von der Pike auf" diente. 1842 begab sich Luitpold auf Reisen in fremde Länder. In Neapel lernte er die Prinzessin Augusta kennen, mit der er am 15. April 1844 in Florenz den Bund fürs Leben schloss. Vier Kinder entsprossen der bis zum Ableben Augustens am 26. April 1864 überaus glücklichen Ehe.

 

Am Kriege 1866 nahm Prinz Luitpold aktiven Anteil. Er war es auch, der König Wilhelm das Schreiben König Ludwigs II. überreichte, in welchem dem Preußenkönig die deutsche Kaiserkrone angeboten wurde. Bei der Kaiserproklamation zu Versailles am 18. Januar 1871 war Prinz Luitpold ebenfalls zugegen. Nach dem Kriege widmete er sich seinen Pflichten als Generalinspekteur der bayerischen Armee. Am 10. Juni 1886 übernahm der 65jährige Prinz an Stelle seines als regierungsunfähig erklärten Neffen Ludwig II. und nach dessen drei Tage später erfolgtem Tode an Stelle des geisteskranken Königs Otto II, dem Bruder Ludwigs, die Regierung Bayerns.
Der Prinzregent starb am 12. Dezember 1912 in München. In der dortigen Theatinerkirche fand er seine letzte Ruhestätte.

 

Fotos: by Willi Dürrnagel


Von: PM/WD