Soziale Netzwerke

  

Anzeige

Internationales Filmwochenende Würzburg 2019 mit neuem Besucherrekord

01.02.2019

Das Siebold-Museum profiliert sich als weitere neue Location auf dem Bürgerbräugelände


Würzburg: Bei der 45. Auflage des Filmwochenendes konnten die Festivalmacher um ihren Vorstand Thomas Schulz punkten! Über 10 000 Besucher, nach 8000 und 9000 in den beiden letzten Jahren 2017 und 2018, strömten in die Kinosäle und rechtfertigten durch ihr großes Interesse die Planungen und teilweise Neustrukturierungen des Festivals im Nachhinein. So kam das renommierte Siebold - Museum, deutschlandweit bekanntes Privatmuseum im Andenken an den berühmten Würzburger Japanforscher Philipp Franz von Siebold als 4. Spielstätte mit acht Beiträgen erlesener japanischer Filmkunst dazu, was Liebhaber dieses Filmgenres in ihren Bann zog. Zum anderen gewichtete man die Bedeutung des Dokumentarfilmes stärker als die Jahre zuvor und kam mit nun 15 Filmbeiträgen statt 10 im letzten Jahr, dem Zuschauerinteresse deutlich entgegen.

 

Dass nun Würzburg mit seiner japanischen Partnerstadt Otsu in diesem Jahr ein 40-jähriges Jubiläum feiert, gibt den japanischen Filmbeiträgen auch eine politisch kulturelle Bedeutung. Insgesamt gab es 119 Filmbeiträge, davon 69 Spiel-, 15 Dokumentar-, 24 Kurz- und 8 Kinder- und Jugendfilme mit drei Sondervorstellungen in vier Tagen von den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Filminitiative zu stemmen, die aber diese Herausforderung in gewohnt souveräner Manier meisterten. Ein besonderer Leckerbissen war auch der Stummfilm "Die Bergkatze" des Regisseurs Ernst Lubitsch von 1921 mit mitreisender Live-Musik des Musikertrios Trioglycerin. Mit großem Interesse wurden auch die Filmbeiträge des Berliner Regisseurs Veit Helmer aufgenommen,eine spannende Werkschau von pointierten,humorvollen Kurzfilmen allen voran dessen skurille,die Lachmuskeln strapazierende Slapstick Humoreske "Surprise", mit der er 1995 den Publikumspreis von Cannes gewann.

 

Ausverkauft waren auch seine ausdrucksstarken Spielfilme "Tuvalu", eine surreale Geschichte von Obdachlosen, einem alten Frachter und der Pazifik - insel Tuvalu, der den Bayerischen Filmpreis 2000 gewann und seine neueste Produktion "Vom Lokführer,der die Liebe suchte...", der am 7.März 2019 ins Kino kommt . Auch eine etwas abwegige, skurille Filmgeschichte eines verliebten Lokführeres, der einen verloren gegangenen BH der Dame seines Herzens zurückbringen möchte, verpackt in eine poetische, bildmächtige, suggestive Film - sprache, die den Zuschauer unweigerlich fesselt. Wie auch in seinen Kurzfilmen geht Helmer sehr sparsam mit Dialogen um oder schaltete sie komplett aus wie in dem Film des Lockführers. Natürlich läßt sich nicht jeder Filminhalt durch eine auf Gesten und Mimik reduzierte "Sprachlosigkeit" durch obsessiven, traumgleichen, märchenhaften Bildsequenzen ersetzen, doch durchleuchtet man Helmers bisheriges Filmschaffen, rückt einerseits sein etwas abtrünniger, skuriller Humor wie auch sein überdurchschnittliches Talent für Bildgestaltung in den Fokus seines bisherigen Filmschaffens.

 

Wohl nicht umsonst sucht Helmer auch deshalb, Länder, Landschaften auch außerhalb Deutschlands, Europas auf,wie in dem neuen Film und früheren Werken - so Aserbaidschan, Tadschikistan, Kasachstan auf der Suche nach unverbrauchten, ein wenig entrückten Motiven,die er dann filmkünstlerisch beeindruckend umzugestalten weiß. Seine offensichtliche Neigung, Filmstoffe, die mehr die klare Eindringlichkeit des Bildes als die Überfülle von Dialogen wollen, scheint er mit dem Hinweis auf Alfred Hitchcock zu offenbaren " Dialoge sind wie abgefilmtes Theater. Mit Dialogen zu erzählen ist der einfachste, um nicht zu sagen der primitiste Weg. Visuelles Erzählen ist die Kür". Das scheint auch Helmers Credo zu sein,wahrscheinlich auch für die Zukunft.

 

Rare Filmkunst vom Feinsten zeigte erstmalig das "Japan Special" in der Siebold-Villa. Werner Schmitt von der Filminiative, der auch bei dem alljährlich stattfindenden Nippon-Festival in Frankfurt engagiert ist, moderierte die einzelnen Filmwerke fachkundig mit aufschlussreichen Details über deren Hintergründe und Bedeutung. In einem zum Kino umgestalteten Museumsraum hatten an die 70 Filmbegeistere allabendlich Platz inmitten von Bildern und Vitrinen auf zwölf Stuhlreihen hochwertige, spannende und hierzulande seltene Produktionen des japanischen Films zu geniesen: Eine gelungene Auswahl von 8 sehenswerten Meisterwerken, die den Bogen über mehrere Jahrzehnte von den Filmen des alten, historischen Japans, wie "Ugetsu-Erzählungen aus dem Regenmond",1953 von Kenji Monogatari bis zu moderenen, allerneusten Produktionen spannte. "Dolls", drei Liebesgeschichten in einem Episodenfilm verwoben, 2002, von Takeshi Kitano, der 1997 den Goldenen Bären in Venedig für "Hanabi - die Feuerblume " gewann, zeigte in üppigen Bildern Geschichten von tragischen Irrtümern und die Macht des Schicksals: manche Filmfiguren stehen nur da und starren ins Leere.

 

Doch der Regisseur läßt seine Figuren nicht im Stich, wenn sie gerade mal nichts Wichtiges machen, was die Handlung vorwärtsbringt. Er bleibt bei ihnen, während sie ins Leere starren und versuchen eine Entscheidung zu treffen. Dieser Raum zum Atmen ist ein wesentlicher Teil der Magie in diesem eindrucksvollen Film, der eine meditative Grundstruktur besitzt. Auch verfolgt der Regisseur beim Tempo einen radikalen Ansatz. Die Bildfolge ist durchsetzt von langen Closeups und stillen Panoramaaufnahmen. Machmal führen die Szenen nirgendwo hin und dienen allein dem Zweck, das Tempo der Geschichte zu verringern. Das wundervoll gemächliche Tempo erschuf ein stilles Meisterwerk.

 

Der berühmte japanische Filmregisseur Akira Kurosawa war mit dem Film "Yojimbo", der Leibwächter von 1961 vertreten, der wahre Filmkunst auf die Leinwand brachte und nicht nur durch seinen Inhalt, sondern wegen seine Machart inspirierend und sogar stilbildend für das westliche Kino war. Viele Italo-Western, insbesondere Sergio Leones Film "Eine Handvoll Dollar" gründete auf Kurosawas "Yojimbo". Der Monsterfilm "Shin Godzilla", von Hideaki Anno und Shinji Higuchi besticht durch seine grandiosen Spezialeffekte, und ist weit mehr ein politisches Drama als der übliche , konventionelle Monsterfilm und trotzdem hochspannend als aktuelle Parabel auf das japanische, atomare Trauma Fukushima.

 

Die Preisverleihung brachte folgende Platzierungen: Kategorie Spielfilm.

Die ersten drei Plätze:

"The Drummer and the Keeper"

"Vom Lokführer, der die Liebe suchte"

"A Letter to the President"

 

Kategorie Dokumentation:

"Of Fathers and Sons"

"When the Bull cried"

"Das Leben vor dem Tod"

 

Kategorie Kurzfilm:

"Fauve"

"The Arrival"

 

Kategorie Selbstgedrehte:

"Ordnung ist das halbe Leben"

Fotos: Frank Kubis

Von: PM/FK