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Knackpunkt Rot: Katastrophale fünf Gegentore gegen Aufsteiger Gersthofen sorgen beim FC 05 für Ratlosigkeit

08.10.2011

Schweinfurt - Das Worst Case Szenario für die nächste Saison zeichnet sich seit diesen Samstag ab. Es war an sich ein fränkischer Spieltag der Fußball-Bayernliga. Großbardorf gewann in Ismaning, Würzburg, Bamberg und Frohnlach siegten zuhause, befinden sich wie Hof, Eltersdorf und Erlangen auf Kurs Regionalliga. Dort würden wohl Fürth II und Nürnberg II warten, dorthin möchten auch noch die Landesligisten Bayreuth und Würzburger Kickers. Nach dem katastrophalen 3:5-Dämpfer gegen Gersthofen wird der FC Schweinfurt 05 ohne die nun ganz dringend notwendige Kehrtwende diese vierte Spielklasse nicht erreichen. Gegen weiß Gott nicht starke Schwaben vergaben die Schnüdel einen 2:0- und einen 3:2-Vorsprung.


Irgendwie passte der Nummernsalat auf dem Bogen der offiziellen Mannschaftsaufstellung zum Chaos-Nachmittag in der Schweinfurter Defensive. Für den angeschlagenen Wladimir Slintechenko rückte André Schmitt zu Mirza Mekic in die Innenverteidigung, lief aber mit der "16" auf anstelle der angeündigten "27". Und auch Constantin Brach feierte sein Debüt mit der "21" und nicht mit der "25", stand zudem als "Bruch" auf dem Zettel. Doch genau das passte ja auch irgendwie. Nach einer 2:0-Führung war plötzlich ein Bruch im Spiel der Hausherren. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison. "Der Knackpunkt war die Rote Karte", tat sich Trainer Udo Romeis beim Analysieren nicht schwer.

Als Daniel Mache als letzter Mann Sebastian Kinzel umtrat, vom Platz flog und der Gefoulte den fälligen Freistoß auch noch zum 2:1 in den Winkel setzte, da zeichnete sich der für Grün-Weiß so üble Nachmittag schon ab. Auch wenn zuvor vieles passte. Kinzels Pfostenkopfball (12.) verdeutlichte die Sturmstärke des Aufsteigers. Doch der FC 05 traf durch Stefan Seufert (21. und 25.) gar Pfosten und Latte. Beim ersten Mal staubte Timo Pitter zum 1:0 ab. Sieben Minuten nach Aluminium-Touch zwei flankte Florian Hetzel auf Simon Häcker. Nach dessen 2:0 sah doch alle so gut aus. Und auch nach dem Seitenwechsel gab zunächst Schweinfurt Gas. Viele Fans sahen ein Gersthofener Handspiel im Strafraum, einen Elfmeter gab es aber nur im Gegenzug, als André Schmitt den auffälligen Sebastian Kinzel legte. Und der glich dann selbst aus.

"Doch das 2:2 fiel zu früh für uns, weil wir dann die Ordnung verloren haben und weil Schweinfurt nie aufgab", lobte Gersthofens Coach Robert Walch die zurückschlagenden Schnüdel. Mirza Mekics Freistoßball wurde wohl nch leicht abgefälscht. Mit dem 3:2 in Unterzahl war´s dann aber vorbei mit der Hausherren-Herrlichkeit. Daniel Raffler glich nach einem Freistoß erneut aus, machte spät gegen Schmitt genauso mühelos das 3:5, wie Sebastian Kinzel freistehend zuvor zum 3:4 einschießen konnte. Drei Gegentore nach Standards wie schon gegen Ismaning sind für Romeis "ein leidiges Thema. Da ist Frust dabei und die fehlende Kraft spielt auch eine Rolle."

Für Robert Walch war der Sieg verdient, "weil wir schon in der ersten Halbzeit mehr Feldanteile und Ballbesitz hatten. Wir sind unglücklich in Rückstand geraten". Den Frust der VIP´s bekam er volle Breitseite ab, weil er die Szene mit dem eventuellen Handspiel nicht gesehen hat. "Ich hab´ nicht hingeschau", erklärte sich Walch. Das unnötige und fränkische "nimm dei Vereinsbrilln ab" konterte Walch aber soverän. "Vielleicht war´s unglücklich vom Schiedsrichter. Aber was Schweinfurt bis zum Ende gezeigt hat, dass war aller Ehren wert nach so vielen Rückständen."

Nur war´s halt nicht ausreichend, um den mageren Punktsstand von weiter elf nach schon 15 Partien auszudehnen. 38 Gegentore sind eine schreckliche Bilanz nach fast der Hälfte der Saison. Der Trainerwechsel verpuffte letztlich. Die Bemühungen vom Romeis, mit einem Scherz zur Roten Karte ("da hab´ ich nicht hingeschaut") seinen Frust zu überspielen, scheiterte spätestens nach dem Nachhaken der Journalisten. Ja, der FC 05 hat eine wohl zu langsame und löchrige Abwehr. "Kann sein, aber ich schaue nach vorne", meinte der Coach, als es im Zelt fast so leise war wie am Dienstag nach der Verletzung von Klaus Freisinger, der sich das 3:5-Debakel schon wieder anschauen konnte. Und der das sah, was schon Klaus Scheer anwarnte: Der Abwehr der Schnüdel fehlt augenblicklich die Bayernliga-Tauglichkeit.

"Wir können jetzt ja nicht aufhören mit dem Fußballspielen. Es sind noch so viele Spiele. Und auch der Kollege hat ja den Arsch voll verloren", erinnerte Romeis an die Niederlagenserie unlängst der nun nach neun Zählern aus den letzten vier Partien vorerst enteilten Gersthofener. Fragen, ob die Saison nun vorbei ist, gehen dem 46-Jährigen "irgendwann auf die Nerven. Vielleicht haben wir ja auch einfach nur die falschen Trikots an", so Romeis, "und vielleicht sitzen wir bald alle wieder da und haben dann immer gewusst, dass wir alles richtig gemacht haben". Die nächste Zusammenkunft nach dem Heimspiel gegen Buchbach in 14 Tagen mit zuvor dem Auswärtskick bei Neuling SB Rosenheim muss freilich mit denn mehr Punkten auf dem Konto stattfinden. Sonst war´s das schon Mitte Herbst mit den F-Träumen von der Regionalliga.

Fußball-Bayernliga:1. FC Schweinfurt 05 - TSV Gersthofen: 3:5 (2:1)
Schweinfurt: Stephan Essig - Mirza Mekic, André Schmitt, Benjamin Demel, Florian Hetzel (ab 81. Contantin Brach), Erkan Esen, Daniel Mache, Sebastian Kneißl (ab 57. Oliver Kröner), Timo Pitter (ab 77. Lucas Grundei), Simon Häcker, Stefan Seufert.
Gersthofen: Christian Krieglmeier - Eduard Keil, Matthis Krammer, Christian Geigler, Ronny Roth (ab 83. Sebastian Schaller), Stefan Mittelbach, Mariusz Suszko, Lukas Kling, Thomas Rudolph, Daniel Raffler, Sebastian Kunzel (ab 88. Dennis Kaczmarczyk).
Schiedsrichter: Florian Badstübner (TSV Windsbach).
Tore: 1:0 (21.) Timo Pitter, 2:0 (32.) Simon Häcker, 2:1, 2;2 (37., 50. / Foulelfmeter), Sebastian Kinzel, 3:2 (66.) Mirza Mekic, 3:3 (73.) Daniel Raffler, 3:4 (75.) Sebastian Kinzel, 3:5 (81.) Daniel Raffler.
Rot: Daniel Mache (Schweinfurt, 36., Notbremse).
Zuschauer: 519.


Von: Michael Horling