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´Lumpenproletariat´ contra ´Neuem Bürgertum´

09.04.2013

Schweinfurt: Man ist wieder wer und man möchte es gerne zeigen.Auch in der Schulbildung für die eigenen Kinder. Da allgemeine Unzufriedenheit herrscht, mit dem herkömmlichen Schulsystem haben Privatschulen wachsende Anmeldungen zu verzeichnen, meist von Leuten, die sich das auch leisten können.Einen kleinen Einblick vermittelte der Tag der offenen Tür Mitte März der Montessori-Schule des Montessori-Vereins e.V. in der Geschwister-Scholl-Straße am Bildungszentrum. Die Räumlichkeiten sind hell,freundlich,der Spielplatz natürlich gehalten, es gibt genug Lehrer und Betreuung, Unterrichtsmaterial, Anschauungsunterricht, Bewegungsfreiheit, genug Pausen, Mittagessen, Kreativ-Programme, praxisnahes Lernen, es ist eben die Persönlichkeit des Kindes, seine momentane Entwicklungsphase und sein Selbstbildungstrieb im Mittelpunkt stehend. Am Arbeitsmarkt besteht seit ein paar Jahren der Trend, bevorzugt Waldorf- und Montessorischüler einzustellen,da sie als gefestigter, gebildeter und lernwilliger gelten.

 

SPD-Stadtrat Werner Bonengel,von den Linken und den Grünen unterstützt, hat erst kürzlich eine bessere Förderung für die Schweinfurter Grundschüler gefordert, um den Industriestandort hier bedienen zu können,wurde aber abgelehnt. Allerdings zog er seinen Antrag zurück, als er von der Stadt zu hören bekam, daß der Bildungsauftrag doch zuerst an die Eltern gehe und für die Familienförderung in Schweinfurt schon genug getan werde. Wenn man die verschiedenen pädagogischen Konzepte durchdenkt, fragt man sich schon, was ist eigentlich das Konzept des herkömmlichem Schulsystems für den Otto-Normal-Verbraucher. Fakt ist, es gibt immer mehr Schulabbrecher, d.h.ohne Abschluß, oftmals die 9.Klasse nicht absolviert, weil die Schuljahre zählen und nicht die durchlaufenen Klassen.

 

Selbst mit Abschluß steht ein Hauptschüler ziemlich im Regen, bei der Job-, Ausbildungs- und Praktikumssuche.Es macht keinen Sinn, über Für und Wider der Benotung oder des Sitzenbleibens zu streiten. Es macht keinen Sinn Ganztagsschule oder Zweiklassenunterricht als das Gelbe vom Ei zu sehen. Zu streiten, wer hat schuld,die Eltern oder die Lehrer? Und, und, und ... Fakt ist doch, der Mensch lernt ein Leben lang. Und zwar nicht nur Gedichte oder das Auswendiglernen von ach so aussagekräftigen Zahlen und Fakten der Geschichtsschreibung. Auf Leistung getrimmt, bis in den Abend geht der Streß mit dem Lernpensum. Wenn einer zurückfällt, bleibt er schnell auf der Strecke und entwickelt sich am Ende noch als ein Querschläger in der Klasse, somit die ganze Klasse darunter leidet.

 

Der Stoff muß auf Zeit durchgepaukt werden,koste es,was es wolle. Was ist das für eine Pädagogik, fragt man sich. Sicherlich angepaßt an eine Ökonomie, die "schneller-weiter-höher" will und das immerzu. Viele Leistungen sind bewundernswert, Logistik, Technik, Architektur, IT, Medien, Infrastruktur, Wissenschaft und Forschung, Medizin, Extremsport, Raumfahrt ect .... Menschen vollbringen heutzutage Dinge, die man früher nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Doch was nützt die "quadratisch-praktisch-gut" Mentalität wenn das immer mehr Rohrkrepierer produziert? Ist es nicht sinnvoll, statt Menschen wie in der Massentierhaltung nur auf genormte Fließbandfunktionalität zu trimmen; diese in ihrem Sein wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Aus der Last des Lernens eine Lust durch spielerische Kreativität und Erziehung zu selbständigem Denken zu machen.

 

Wir sind doch nicht im Krieg, wo alles muß und nichts kann. Die Schulen sind Brutstätten zukünftiger Gesellschaften. Warum also nicht Zeit und Muse haben,die Dinge aus Neugier und Interesse sich anzueignen-die beste Motivation für das Lernen überhaupt, auch in der Erwachsenenbildung.Soll man nicht merken, daß es auch schon viel zu viele verhaltensauffällige Kinder gibt (Gründe dafür gibt es viele). Ist es überhaupt noch möglich, den Kindern Werte zu vermitteln in einer Gesellschaft, wo sich jeder selbst nur der Nächste ist? Der Verrohung der Gesellschaft ist entschieden entgegen zu treten, doch haben Egoismus, Profilierungssucht, Gleichgültigkeit und Konkurrenzdenken im Fegefeuer der Eitelkeiten schon so überhand genommen, dass man beim Tanz um das Goldene Kalb nicht mehr merkt, daß man die Kinderseelen den Riesen zum Fraß vorgeworfen hat?

 

Zurückschrauben und stattdessen vorurteilslos Empathie und Respekt gerade auch jungen Menschen entgegen zu bringen, die unter einer sehr unsicheren Zukunft zu leiden haben, wäre ein sinnvoller Beitrag im gesellschaftlichen Miteinander. Es ist wissenschaftlich belegt,daß im Tierreich die Gruppen am besten überleben, die Solidarität und Kooperation praktizieren. Eine Pädagogik, die das Kind in seiner Ganzheit fördert, einen wachen Geist als Basis für seinen Lebensweg ansieht würde das Vorhandensein von immateriellen Werten zugunsten einer lebenswerten Gesellschaft stärken. Es sei denn, man sieht verantwortungsvollen Umgang mit Mensch und Natur nicht als wichtig an.

 

Um mit Albert Einstein zu sprechen: "Nihil mortalibus maiori timori quam homines libero igenio validi" (Nichts auf der Welt wird so sehr gefürchtet, wie der Einfluß von Menschen, die geistig unabhängig sind).


Von: TS