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Sechs Jahre Haft für den Feuerteufel von Burkardroth

09.10.2011

Schweinfurt / Burkardroth - Sechs Jahre Freiheitsstrafe sind die Folgen für den 23 Jahre alten Feuerteufel Sven S. aus Stangenroth, der zwischen Mai 2010 und Januar 2011 im Bereich der Marktgemeinde Burkardroth mehrere Brände legte. So lautete am Montagnachmittag der Urteilsspruch. Vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichtes Schweinfurt hatte er zum Prozessauftakt vergangenen Mittwoch alle Vorwürfe gestanden. Angeklagt waren letztlich fünf Taten.


Staatsanwalt Joachim Hein forderte sechseinhalb Jahre Haft, der verteidigende Rechtsanwalt Wolfgang Seufert aus Bad Kissingen beantragte unter fünf Jahre. Ein Entziehen der Fahrerlaubnis, wie von Hein gefordert, sah die Kammer als nicht notwendig an. Fünf von insgesamt 13 Bränden der Serie in und um Burkardroth sind nach wie vor ungeklärt. Für fünf Brandstiftungen, eine im Tateinklang mit einer Körperverletzung (ein Feuerwehrmann musste anschließend am Fuß operiert werden) wurde der Angeklagte letztlich verurteilt. Drei mildere Fälle, in denen auf entzündeten Feldern und Wegen kaum Sachschaden entstand, stellte die Kammer ein.

Verhandlungstag drei brachte außer den Plädoyers und dem Urteil keine wesentlichen Erkentnisse. Wiederum sagten einige Zeugen au der Marktgemeinde aus, Eigentümer von den durch die Brände zerstörten Scheunen und Hallen. Ein Elektriker aus Gefäll beispielsweise besaß eine zehn auf zehn Meter große Fläche in einer am 12. Oktober letzten Jahres abgebrannten Maschinenhalle. 15.000 DM zahlte er einst dafür, steckte weitere Einenleistungen hinein und hatte einige landwirtschaftliche Geräte im darin gelagert. Auf rund 50.000 Euro beziffert er den Schaden, bekam 21.000 Euro von seiner Gebäudeversicherung bezahlt, gab seine Nebentätigkeit als Landwirt inzwischen aber auf und verpachtete seine Felder. Auch deshalb, weil sich Neuanschaffungen nicht mehr lohnen würden. "Jetzt muss ich mir halt meine Kartoffeln kaufen", meinte der 55-Jährige locker.

Anders sieht es da schon bei einem ein Jahr älteren Mann aus dem Ort aus. Der Künstler hatte keine Gebäudeversicherung, lagerte auf seiner fünf mal zehn Meter großen Fläche verschiedenste aufbereitete Antiquitäten wie Öfen, Schränke oder Stühle im Wert von bis zu 30.000 Euro. "Das sind Sachen, die kriegt man nicht mehr", meinte er.

Auf rund 772.000 Euro an Sachschaden bezifferte die Kammer nun die Gesamtsumme aller angeklagten Brände. Um die 35.000 Euro an einer Feldscheune in Wollbach ging es beim Eigentümer als letzten vernommenen Zeugen. Die Maschinenhalle in Gefäll gehörte zehn verschiedenen Personen, die allesamt gehört wurden. 493.000 Euro entstanden nur hier an Schaden. Dreieinhalb Jahre Haft als Einzelstrafe bekam der 23-Jährige alleine für diese Brandstiftung. In der Summe fiel das Urteil durch eine Gesamtstrafenbildung etwas milder aus. A

ls der Angeklagte nach seiner letzten Tat am 19. Januar diesen Jahres durch eine Überachungskamera in Wollbach identifiziert werden konnte, stellte man bei ihm zwar keinen Alkoholeinfluss fest. Sehr wohl aber wurden Amphetamine in seinem Blut nachgewiesen. Dennoch bezeichnete ein Sachverständiger den wegen drei kleinerer Diebstahls-Delikten vorbestraften 23-Jährigen als voll schuldfähig.


Von: Michael Horling