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Wintereinbruch im Februar kühlt auch den Arbeitsmarkt weiter ab, aber der Wendepunkt scheint erreicht

29.02.2012

Schweinfurt / Main-Rhön - In den meisten Jahren gibt es zwischen den beiden Wintermonaten Januar und Februar keine großen Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt. Nicht selten ist dabei aber im Februar bereits wieder eine leicht positive Tendenz zu verzeichnen. Der überraschend heftige Wintereinbruch vereitelte dies in diesem Jahr, er führte vielmehr zu einer leichten Steigerung der Arbeitslosigkeit. Insgesamt blieb der Unterschied zum Vormonat aber auch in diesem Jahr gering. Die Zahl der Arbeitslosen in der Region Main - Rhön lag mit 9.679 um 196 über der des Vormonats, eine Steigerung um 2,1 Prozent. Die Arbeitslosenquote stieg um lediglich 0,1 Prozentpunkte auf 4,1 Prozent. Vor einem Jahr waren noch 803 Menschen mehr von Arbeitslosigkeit betroffen, bei einer Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent.


„Dass trotz des leichten Anstiegs der Arbeitslosigkeit im Februar der Wendepunkt in der jährlichen Entwicklung erreicht wurde, zeigt die stark rückläufige Zahl der Menschen, die sich aus einer Erwerbstätigkeit heraus arbeitslos melden mussten“, erklärt Peter Siegl, stellvertretender Leiter der Agentur für Arbeit Schweinfurt. Diese Meldungen gingen von 2.234 im Januar um über 44 Prozent auf 1.246 im Februar zurück. „Andererseits sorgte die Witterung dafür, dass im Februar erst 768 und damit lediglich 44 oder sechs Prozent mehr arbeitslose Menschen eine Arbeit aufnehmen konnten als im Januar,“ so Siegl weiter. Zum Vergleich: Im Vorjahr konnten im Februar bereits 30 Prozent mehr Betroffene als im Januar ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit beenden.

Ein weiteres Indiz, dass der Arbeitsmarkt in der Region nach der Wintersaison zur alten Dynamik zurückkehren dürfte, ist der deutlich gestiegene Zugang an neuen Stellenangeboten. 928 neue Angebote nahmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und der Jobcenter im Februar entgegen, 389 oder 72 Prozent mehr als im Januar. Damit wurde bereits wieder das Niveau des letzten September erreicht. Vor einem Jahr war die Anzahl der neuen Stellenangebote mit 922 praktisch gleich groß. Deutlich höher als im Vorjahr war im Berichtsmonat mit 2.163 Angeboten allerdings der Bestand an offenen Stellen. Im Februar 2011 hatten die Fachleute des Arbeitgeberservice rund 20 Prozent weniger offene Stellen registriert.

„Damit verstärken sich allerdings auch wieder die seit Monaten bekannten Schwierigkeiten bei der Besetzung der gemeldeten Stellen“, beleuchtet der stellvertretende Agenturchef die Kehrseite der Entwicklung. „Bereits jetzt melden mir die Kolleginnen und Kollegen wieder erhebliche Probleme, geeignete Fachkräfte vermitteln zu können. Oft ist es sehr schwer, die Vorstellungen der Arbeitgeber und der Interessenten in Einklang zu bringen. Ich fürchte, insbesondere die Betriebe werden künftig zunehmend mehr Zugeständnisse bei der Auswahl machen müssen“, appelliert Siegl an die Flexibilität der Arbeitgeber und weist darauf hin, dass die Agentur für Arbeit verstärkt auch die Qualifikation von bereits beschäftigten Arbeitnehmern fördert. „Unser Arbeitgeberservice berät in dieser Hinsicht gerne die Betriebe. Ehe die Stelle unbesetzt bleibt, ist es meistens besser, eine Bewerberin oder einen Bewerber einzustellen, dessen Fachkenntnisse nicht genau dem geforderten Profil entsprechen, und während der Einarbeitung mit unserer Unterstützung die erforderliche Qualifizierung durchzuführen.“

Die neuen Stellenangebote kamen insbsondere in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön - Grabfeld zu einem großen Teil aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe. Hier arbeiten die Arbeitsvermittlerinnen und Arbeitsvermittler daran, den Bedarf durch überregionale Vermittlungsaktionen besser abzudecken. Im gesamten Agenturbezirk waren allerdings Stellen aus Produktion und Fertigung führend. Über ein Drittel aller neu entgegengenommenen Stellenangebote kamen aus diesem Bereich. Auch Handel, Verkauf und Logistik meldeten steigenden Bedarf, ebenso der Bereich Gesundheit. Die größere Nachfrage verstärkte in all diesen Berufszweigen den ohnehin hohen Bestand an offenen Stellen, dem kein entsprechend großes Angebot an geeignten Fachkräften gegenüber stand. Das Baugewerbe griff zu einem Großteil auf so genannte „Wiedereinsteller“ zurück, also Arbeitnahmer, welche zu Beginn der Wintersaison mit einer Zusage der Wiedereinstellung entlassen wurden. Soweit den Firmen diese Arbeitnehmer nicht mehr zur Verfügung stehen, gibt es für sie erhebliche Probleme, entsprechende Fachkräfte vermittelt zu bekommen. Auch aus diesen Grund empfiehlt die Agentur für Arbeit die Nutzung des Saison-Kurzarbeitergeldes, mit dessen Hilfe die Fachkräfte durchgehend beschäftigt werden können.

Von den insgesamt 2.163 gemeldeten offenen Stellen waren 1.808 (83,6 Prozent) unbefristet. Sozialversicherungspflichtig waren von allen offenen Stellen im Februar 1.969, davon wiederum 1.659 (84,3 Prozent) unbefristet.


Von: Michael Horling