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Faszinierende Mühlentechnik im Fränkischen Freilandmuseum

01.07.2020

Neubau eines Mühlrades für die Mühle aus Unterschlauersbach


Die Mühle aus Unterschlauersbach ist eines der prächtigsten Gebäude des Fränkischen Freilandmuseums (Abb. 1). Immer wieder wird sie in Betrieb genommen, so dass die Besucher sehen können, wie Getreide gemahlen wird. Doch nun war der Radkranz des hölzernen Mühlrades gebrochen. Das Wasserrad des Mahlgangs mußte neu gebaut werden.

 

Das Mühlengebäude wurde 1576 in Unterschlauersbach, im heutigen Landkreis Fürth, erbaut und 1601 erweitert. Von den ursprünglichen hölzernen Rädern ist keines erhalten. Zum Wiederaufbau im Museum 1984 wurden zwei hölzerne Wasserräder nach alten Vorlagen rekonstruiert.

 

Unser Mühlrad ist ein „oberschlächtiges“ Wasserrad, d. h. das Wasser „schlägt“ von oben auf die Schaufeln. Mit Hilfe einer schmalen hölzernen Zulaufrinne wird das Wasser kurz vor oder hinter dem Scheitel des Rades von oben in die Radkammern geleitet.

 

Früher bauten die Müller und spezielle Mühlenbauer die Wasserräder. Für die Handwerker des Freilandmuseums stellte der Bau des neuen Mühlrades eine nicht alltägliche Herausforderung dar. Die Herstellung von Wasserrädern ist eine aufwendige und anspruchsvolle Arbeit. Der Bau geschieht in der großflächigeren Abbundhalle der Werkstatt und in der engen Radkammer der Mühle selbst.

 

Fertigung und Vorbereitung der Radelemente in der Abbundhalle

Im Januar 2019 wird das defekte Rad in Einzelteilen abgebaut. Als Maß- und Konstruktionsvorlage für das neue Rad wird es in der Abbundhalle des Bauhofs eingelagert. Hier werden die verschiedenen Elemente des neuen Rades ausgearbeitet, zusammengepasst und für den Aufbau gekennzeichnet. Die Ausarbeitung erfolgt mit Handwerkzeugen, großen Handmaschinen und stationären Maschinen. 

 

Wer sich noch genauer mit der Technik des Mühlradbaus beschäftigen möchte, findet auf der Webseite des Museum (https://freilandmuseum.de/forschung/aktuelle-forschungsprojekte/muehlen-in-franken/neubau-des-muehlrads-der-muehle-aus-unterschlauersbach) ein „Bautagebuch“ mit Bildern und Beschreibungen, die den Neubau des Mühlrades detailliert dokumentieren.

 

Info: Freilandmuseum mit seinen drei Mühlen (Aumühle, Unterschlauersbach und der Ölmühle der Flederichsmühle) ist täglich geöffnet bis Oktober von 9 bis 18 Uhr, Eintritt 7 €, ermäßigt 6 €, Familien 17 €, Teilfamilien 10 €, Kinder unter 6 Jahren sind frei. Zurzeit sind aus hygienischen Gründen nicht alle Häuser geöffnet. Die drei aktuellen Sonderausstellungen sind geöffnet:

• „Sauberkeit zu jeder Zeit! Hygiene auf dem Land“ große Jahresausstellung im Erdgeschoß der Ausstellungsscheune mit einem Teilbereich „Schwitzen, Schröpfen und Kurieren – Bader in Franken“

• „Wolfskinder. Verlassen zwischen Ostpreußen und Litauen“ Fotoausstellung in der Ausstellungsscheune Betzmannsdorf im Obergeschoß

• „Pfarrerssohn, Maler, Lebenskünstler: Johann Christian Reinhart (1761-1847) Ein Deutschrömer aus Hof. Radierungen aus der Sammlung Heinz Schuster“ in der Spitalkirche im Museum Kirche in Franken

 

Es gibt tägliche mehrere Aktionen, meist 13.30 – 15.30 Uhr, „Hier tut sich was“ (täglich Schafe unterwegs, tagesaktuell je nach Saison z. B. Vorführung historischem Waschen, Spinnen, Schmieden, Holzschuhherstellung, Backen, Korbflechten; Starten eines Lanzbulldogs, Gespräch mit dem Gärtner, Imker oder Bauern, im Flachsbrechhaus, beim Wasserschöpfrad …).

Abb. 1 Die Mühle aus Unterschlauersbach ist eines des prächtigsten Gebäudes im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim. Foto Ute Rauschenbach XXX Abb.2: Aus Lärchenholzbohlen werden die Segmente für die beiden Radkränze zugeschnitten. Eine Schablone dient als Vorlage. Für den inneren und äußeren Radkranz werden insgesamt 18 Segmentbögen gefertigt. Foto: Ute Rauschenbach XXX Abb. 3: Eine Schaufel besteht aus zwei Hölzern, die in einem bestimmten Winkel zueinanderstehen: Das innere, in Richtung Wasserradwelle weisende Holz heißt „Riegelschaufel“; das äußere Holz heißt „Setzschaufel“. Unser Mühlrad hat 36 Schaufeln. Foto: Leon Söllner XXX Abb. 4: Das Rad ist auf dem Lehrgerüst grob zusammengesteckt – das ist eine Hilfskonstruktion zur Festigung und Formgebung der Neuanfertigung. Zwischen den beiden Radkränzen sind die Setzschaufeln eingepasst. Foto: Juliane Sander XXX Abb. 5: Der Einbau des neuen Rads beginnt mit dem Einsetzen der drei Speichen in den Wellbaum. Er ist die Achse des Rads und überträgt die Bewegung auf die Mühltechnik im Gebäudeinneren. Wenn der erste Radkranz fertig aufsitzt, werden die Riegel- und Setzschaufeln paarweise eingesetzt. Das Einsetzen erfolgt abschnittsweise, denn Segment für Segment werden unmittelbar die beiden Felgen des zweiten Radkranzes auf die Schaufelhölzer gesetzt. Foto: Leon Söllner XXX Abb. 6: Nachdem die beiden Radkränze mit den dazwischen sitzenden Kammern aufgebaut sind, wird das Rad endgültig ausgerichtet damit es gleichmäßig läuft. Fotos: Juliane Sander xxx Abb. 7: Zuletzt werden die Schalbretter auf der Innenseite des Radkranzes gesetzt. Sie bilden die Böden der Kammern. Jedes Brett wird vernagelt. Foto: Leon Söllner XXX Abb. 8: Das neue Mühlrad in Betrieb, Mai 2019. Foto: Juliane Sander

Von: S. Thomas/M. Meggle-Freund