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Retrospektive „Plus Minus 89“

09.01.2020

Schauspieler Jörg Schüttauf zu Gast


Im Jahr 2019 jährten sich die friedliche Revolution und der Fall der Berliner Mauer zum 30. Mal. Grund genug für die Organisatoren des Internationalen Filmwochenendes Würzburg, zurückzublicken und in der Retrospektivreihe „Plus Minus 89“ prägnante Filme aus dieser Zeit der Umwälzungen zu präsentieren. Produktionen, in denen sich die bleierne Schwere der letzten Jahre des real existierenden Sozialismus ebenso widerspiegelt wie Aufbruchstimmung und Unsicherheit.

 

In vier Filmen aus diesen Jahren können die Gäste des Internationalen Filmwochenendes diese Zeit miterleben. Einer davon ist „Die Architekten“ von Regisseur Peter Kahane. Noch vor der Wende produziert, schildert er am Beispiel eines jungen Architekten, der ein Kulturzentrum in einer DDR-Stadt projektieren soll, in ungewöhnlicher Offenheit die Agonie der letzten DDR-Jahre. Tragisch für den Film ist es, dass er erst im Frühjahr 1990 in die Kinos kam, als die beklagten Zustände schon längst Geschichte waren. Umso interessanter dürfte es sein, ihn heute wieder zu sehen, denn „Die Architekten“ zeigt exemplarisch, wie unvermeidbar sowohl der wirtschaftliche Zusammenbruch als auch die Kapitulation des sozialistischen Gesellschaftsmodells war.

 

Den Übergang vom sozialistischen Staat mit seinen festen Regeln zur selbstbestimmten, aber eben auch unsicheren Existenz in einem freien Land zeichnen zwei weitere Filme der Retrospektive „Plus Minus 89“ nach: „Jana und Jan“ und „Stein“. „Jana und Jan“ zeigt das Unrechtssystem der DDR anhand der sogenannten Jugendwerkhöfe – Strafanstalten für Jugendliche, die dem Menschenbild des SED-Regimes nicht entsprachen. In „Stein“ geht es um einen Schauspieler, der sich unter dem Eindruck des von sowjetischen Truppen niedergeschlagenen Prager Frühlings in eine jahrzehntelange innere Emigration zurückgezogen hat und am Ende seines Lebens noch zum Zeugen der erfolgreichen Revolution der DDR-Bürger wird. Aus einem ganz anderen Genre stammt der vierte Beitrag der Retrospektive: Die Folge „Mit dem Anruf kommt der Tod“ aus der Serie Polizeiruf 110 wurde 1991 vom Deutschen Fernsehfunk, dem Nachfolger des DDR-Fernsehens, produziert und zeigt authentisches Wendezeit-Kolorit eingebettet in eine hochspannende Krimihandlung. In der auf einem wahren Fall basierenden Geschichte versucht ein Mann, Kinder zu ermorden, indem er ihnen am Telefon mit großer Überzeugungskraft gefährliche Aufgaben gibt.

 

Einer, der diese Zeit ganz bewusst miterlebt und mitgestaltet hat, ist der Schauspieler Jörg Schüttauf. Geboren 1961 in Chemnitz (damals Karl-Marx-Stadt), etablierte er sich in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre als gefragter Darsteller im DDR-Kino und konnte nach der Wiedervereinigung auch bundesweit an diese Erfolge anknüpfen (unter anderem "Tatort", "Der Staat gegen Fritz Bauer", "Bad Banks"). Der 58-Jährige hat in den Filmen „Stein“ und „Mit dem Anruf kommt der Tod“ mitgespielt. Er wird beim Internationalen Filmwochenende zu Gast sein und mit den Zuschauern über seine Erlebnisse und Erfahrungen während der Revolutionszeit in der DDR sprechen. Presseansprechpartner


Von: S. Thomas/M. Trompeter