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Sorge um ehrenamtliches Engagement in der Regionalkultur

17.11.2020

Bayerischer Landesverein für Heimatpflege e.V. fordert nachhaltige Stärkung in Zeiten von Corona


Der Bayerische Landesverein für Heimatpflege e.V. sieht Bedarf an einer Ergänzung des Dritten Berichts der Bundesregierung zur Entwicklung der ländlichen Räume, insbesondere in Bezug auf bürgerschaftliches Engagement im kulturellen Bereich und vereinsgetragene Regionalkultur.

 

Der Landesverein pflichtet dem Deutschen Städte- und Gemeindebund bei, der sich für eine nachhaltige Förderung von Kultur- und Freizeiteinrichtungen, aber auch von Büchereien und Gemeinschaftshäusern in Dörfern, Marktgemeinden und Kleinstädten ausspricht. Diese Einrichtungen seien immerhin wesentliche Garanten für die Attraktivität ländlicher Räume.

 

  • „Kultur entsteht erst im Miteinander von Menschen. Sollte menschliche Begegnung im kleinteiligen Raum nicht genauso gut erreichbar sein wie in der Metropole? Die gesellschaftliche Forderung muss daher lauten: Schafft Kultur aufs Land, breitet sie in der Fläche aus und unterstützt sie dort, wo sie bereits Wurzeln geschlagen hat!“, so Prof. Dr. Günter Dippold, Bezirksheimatpfleger von Oberfranken und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Landesvereins.

 

Neben den häufig (aber nicht immer!) hauptamtlich betriebenen Kultur- und Bildungseinrichtungen nimmt die ehrenamtlich getragene Regionalkultur in all ihrer Vielfalt, seien es Chöre, Amateurtheater, Brauchveranstaltungen und Dorffeste, aber auch heimatkundliche Vorträge und Führungen, einen besonders hohen Stellenwert ein.

 

In ländlichen Räumen treten meist Vereine als Träger des kulturellen Lebens in Erscheinung. Sie übernehmen damit eine unverzichtbare Aufgabe für das soziale Leben und den örtlichen Zusammenhalt.

 

In Zeiten in der Corona-Pandemie fehlen aufgrund zahlreicher Veranstaltungsausfälle jedoch wichtige Einnahmequellen für Vereine oder lokale Kultureinrichtungen. So besteht die Gefahr, dass eine länger anhaltende coronabedingte Zwangspause dem bürgerschaftlichen Engagement großen Schaden zufügt, dass Initiativen auf unbestimmte Zeit verschoben und Ideen nicht weiterverfolgt werden.

 

  • Wir fordern daher von der Politik ein größeres Bewusstsein für die Bedeutsamkeit der Regionalkultur in der ländlichen Gemeinschaft. Dem stimmt auch der Vorsitzende des Bezirksverbandes Niederbayern im Bayerischen Landkreistag, Landrat Sebastian Gruber, zu:

„Die Kommunalpolitik will den Menschen im ländlichen Raum bestmögliche Lebensverhältnisse anbieten. Dafür ist es notwendig, bürgerschaftliches Engagement, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Regionalkultur nachhaltig zu stärken – auch und gerade in Zeiten der Pandemie.“

 

Ehrenamtlich Engagierte handeln uneigennützig und machen häufig kein großes Aufheben um ihr vorbildliches Tun. Ihre Initiativen laufen daher Gefahr, übersehen zu werden. Wir bitten Bund, Länder und Kommunen, den drohenden Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Regionalkultur entgegenzuwirken und lokale Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie Vereine verstärkt zu fördern. Sie würden ihnen damit nicht nur die verdiente Wertschätzung und Dankbarkeit entgegenbringen, sondern auch dazu beitragen, die bewährte eigenverantwortliche Gestaltung des kulturellen Lebens in den ländlichen Räumen Bayerns aufrecht zu erhalten.

 

Hintergrund

Der Bayerische Landesverein für Heimatpflege e.V. kümmert sich seit seiner Gründung im Jahr 1902 um Heimat-, Denkmal- und Baupflege, Volksmusik, Bräuche, Trachten und Mundart in Bayern. Der Entwicklung des ländlichen Raumes als lebenswerte Heimat kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Dabei arbeitet der Verein als Dachverband der Heimatpflege in Bayern mit zahlreichen Institutionen und Einzelpersonen zusammen. Denn das Leitbild des Landesvereins, die Heimat zu schützen, bedeutet nicht nur, sie zu bewahren und zu pflegen, sondern sie auch verantwortungsvoll weiterzuentwickeln.

Bildunterschrift: Ein vielseitiges kulturelles Angebot in der Region, wie hier bei einer Brauchveranstaltung in Fladungen, anzubieten, ist derzeit leider nicht möglich. Die Politik muss daher Sorge dafür tragen, dass bewährte Traditionen nicht abreißen. Bildautor: Claus-D. Jauernig.

Von: S. Thomas/D. Sandner