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Landkreis-Narren huldigten zum letzten Mal Landrat Nuß

21. Landkreisfasching in der Geisberghalle in Greußenheim

Beinahe noch hätte es für Landrat Eberhard Nuß zum Ende seiner Amtszeit als Gastgeber des traditionellen Landkreisfaschings zu einem närrischen Jubiläum gereicht. Doch auch so empfand der Landkreis-Chef bei der 21. Auflage des närrischen Treffens der 39 Gilden und Gesellschaften im Landkreis Würzburg in der Geisberghalle in Greußenheim, wie sich ein Abschied von der Narrenbühne anfühlt. Ungewöhnlich vertraut gewährte der Gastgeber einen Einblick in seine Gefühlswelt: "Ein bisschen Wehmut klingt schon mit beim diesjährigen Empfang, und manches geht einem ganz schön nach. Ihr werdet mir fehlen", räumte Landrat Nuß gegenüber den närrischen Abordnungen ein.

 

Anlässlich ihres diesjährigen Jubiläums waren die Faschingsfreunde Greußenheim Gastgeber des 21. Treffens. Mit einem doppelten Jubiläum waren die Narrenfreunde prädestiniert als Ausrichter. Nach 33 Jahren Narretei der "Zwieweltrater" unter Regie von Pfarrer Eberhard Ritter feierten die nachfolgenden Faschingsfreunde mit ihrem kleinsten Elferrat der Welt in dieser Kampagne ihr 11-jähriges Bestehen.

 

Auszeichnungen für langjährige Fastnachter

Von seinem Vorgänger, Landrat Waldemar Zorn, hatte Landrat Nuß die zur Tradition gewordene Veranstaltung einst übernommen. So war die 21. Auflage für Nuß gleichzeitig der 12. und letzte Landkreisfasching. Dabei gab sich der Landrat in Spendierlaune und zeichnete langjährig engagierte Vertreter der fünften Jahreszeit aus. Zum Dank für jeweils 24 Jahre Engagement in erster Reihe durften sich Werner Schmitt (Leinach), sowie aus Waldbüttelbrunn Manfred Schmitt, Margarete Schmitt, Hildegard Billinger, Wilhelm Billinger, Barbara Lutz und Rudi Lutz über Präsente des Landrats freuen. Ebenfalls bedacht wurde das mit dem Ende der laufenden Session ausscheidende Sitzungspräsidenten-Duo der Faschingsfreunde Greußenheim, Bernd Kleinschnitz und Wolfgang Haag.

 

In all den Jahren waren Nuß die Narren aus dem Landkreis ans Herz gewachsen. Wie tief seine Identifikation mittlerweile reicht, bestätigte der Landrat am Wochenende zuvor bei der Jubiläumsveranstaltung in Leinach. Zur Überraschung des Publikums war der Landrat dort in der Rolle eines "prominenten Gratulanten" in den Saal geplatzt. Statt des erwarteten üblichen Grußwortes war der Landrat allerdings erstmalig in die Bütt gestiegen – mit dem Ergebnis, dass der Saal tobte.

 

Auch beim Landkreisfasching gab Nuß eine Kostprobe seiner Premieren-Bütt und berichtete von einem im Landratsamt eingegangen "gereimten Bauantrag". Die restliche Gestaltung des Programms freilich überließ der Gastgeber den ausrichtenden Faschingsfreunden. Diese präsentierten auf der Bühne Ausschnitte aus ihrem Jubiläumsprogramm.

 

Die Intention der jährlichen Veranstaltung zum zwanglosen Austausch der Vereine und Pflege gegenseitiger Kontakte bezeichnete der Präsident des Fastnacht-Verband Franken (FVF), Marco Anderlik, als "Anerkennung und wunderbares Dankeschön für die Mühen der Gesellschaften, insbesondere um den Nachwuchs."

 

Aber auch der Fastnacht-Verband durch dessen unterfränkischen Bezirkspräsidenten Tobias Brand (Winterhausen) dankte Landrat Eberhard Nuß bei dessen letzten Landkreisfasching mit der Verleihung des "Eberhart-Nuß-Ehren-Landrat-Orden". Von den teilnehmenden Gesellschaften häufig gefragt nach einer Fortsetzung der Veranstaltung mit einem Landkreis-Chef/in gab sich Nuß überzeugt: "Wer als Landrat nahe bei den Menschen sein möchte, für den ist eine solche Veranstaltung einfach ein Muss." So harren die Landkreis-Narren über die Kommunalwahl hinaus, ob es auch im nächsten Jahr ein solches Treffen geben wird. Der amtierende Zeremonienmeister Günther Hillawoth äußerte allerdings seine persönliche Tendenz, mit dem Landrat gemeinsam in den Ruhestand gehen zu wollen.

 

Fasching als Herzensangelegenheit

Für den scheidenden Landrat Eberhard Nuß war der Landkreisfasching in all den Jahren eine echte Herzensangelegenheit, wie er im Gespräch mit dieser Redaktion einräumte. Wenngleich es im Landkreis weitestgehend unbekannt sein dürfte, reicht das närrische Faible des Landrats weit zurück. In seinem Heimatort Bergtheim fungierte Nuß einst zwei Jahrzehnte als Vorsitzender des Sportvereins. Dem Hauptverein war auch eine Faschingsabteilung angegliedert. Hier war Nuß lange Jahre Sitzungspräsident und kennt daher das Metier. Noch lebhaft erinnert sich Nuß an die Gründung des Elferrats, der ausschließlich aus Frauen der Gymnastik-Abteilung bestand. Vermutlich sei er damals der erste Sitzungspräsident gewesen, der einen ausschließlich weiblichen Elferrat um sich hatte.

 

Immer als einer von ihnen habe Nuß sich inmitten des Narrenvolkes gefühlt – insbesondere beim jährlichen Landkreisfasching. Die Fortsetzung des von seinem Vorgänger Waldemar Zorn ins Leben gerufene jährliche Treffen der Gesellschaften sei für ihn deshalb nie eine Frage gewesen, betont Nuß rückblickend. Die durch den Fastnacht-Verband Franken nun beim letzten Landkreisfasching unter seiner Leitung verliehene Auszeichnung hat für ihn deshalb einen besonderen und außergewöhnlichen Stellenwert.

Umringt von den Prinzenpaaren und Abordnungen der Faschingsgilden im Landkreis Würzburg feierte Landrat Eberhard Nuß den 12. und damit letzten Landkreisfasching in der Geisberghalle in Greußenheim. XXX Marco Anderlik, Präsident des Fastnacht-Verbands Franken (rechts) und der unterfränkische FVF-Bezirkspräsident Tobias Brand (Winterhausen, links) dankten Landrat Eberhard Nuß (Mitte) bei dessen letztem Landkreisfasching mit der Verleihung des "Eberhard-Nuß-Ehren-Landrat-Orden". Fotos: Herbert Ehehalt