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150 Jahre Würzburger Firmengeschichte: UHL Stahl- und Metallbau im Jubiläumsjahr

12.10.2020

Nach eineinhalb Jahrhunderten steht das traditionsreiche Würzburger Familienunternehmen da wie seine Bauten: Fortschrittlich und stabil auf festem Fundament: Bei Uhl blickt man selbstbewusst in die Zukunft.


Würzburg - Als sich Anton Uhl im Jahr 1870 mit einer Schlosserei in der Würzburger Innenstadt selbstständig machte, hätte er wohl kaum zu träumen gewagt, dass sich im Laufe von 150 Jahren sein kleiner Betrieb zu einem hochmodernen mittelständischen Handwerksunternehmen und gefragten Arbeitgeber von 100 Mitarbeitern entwickeln würde. Auch wenn die Firma nach wie vor seinen Namen trägt, hat sich vieles verändert. Galt damals noch das Motto „Arbeite schnell, gut und günstig!“, hat sich das Unternehmen im vergangenen Jahr erst einen neuen Slogan verpasst: „Wir bauen´s. Zusammen.“. Auf Wachstumskurs begab sich der Betrieb nach den beiden Weltkriegen, nachdem 1949 Schlossermeister Josef Schneider, damals langjähriger Mitarbeiter, den kinderlosen Gründersohn Karl Uhl beerbt hatte.

 

Mittlerweile steht bei der UHL GmbH & Co. Stahl- und Metallbau KG die dritte Generation der Familie Schneider am Ruder und stellt sich den Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft. Gerne würde die Geschäftsleitung, bestehend aus Thomas und Frank Schneider sowie Marko Graf, das Jubiläum gebührend feiern, doch bedingt durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie haben sie die Planungen auf das kommende Jahr verschoben.

 

Trotzdem beschäftigen sich in diesen Wochen vor allem die langjährigen Geschäftsführer Johannes und Heribert Schneider vermehrt mit der Vergangenheit ihres Unternehmens. Die beiden Brüder, Söhne von Josef Schneider, die Anfang des Jahres den Staffelstab an die nächste Generation übergeben hatten, teilen ihre Erinnerungen auf diesem Wege auch mit der Öffentlichkeit.

 

So beschreibt Heribert Schneider die Ausgangssituation, als er im Jahr 1975 in die väterliche Firma einstieg, als prekär. Damals sorgte ein großer Schuldenberg für enormen Erfolgsdruck in unsicheren Zeiten. Dass UHL diese schwierige Phase erfolgreich meisterte, verdankt das Unternehmen zum großen Teil seiner stabilen Belegschaft, die über vier Jahrzehnte hinweg Hand in Hand vorzüglich zusammenarbeitete. "Zahlreiche Mitarbeiter traten als junge Menschen in die Firma ein, entwickelten sich zu Stützen der jeweiligen Abteilungen und hielten der Firma über viele Jahrzehnte bis zum Renteneintritt die Treue", freut sich Heribert Schneider im Rückblick.

 

Als Meilenstein bezeichnet der Seniorchef die Einführung des internen Projektleitersystems im Stahlbau Ende der 80er-Jahre sowie eigene Uhl-Norm und Uhl-Details. Ein weiterer war die Wiedervereinigung Deutschlands, die in den Neuen Bundesländern einen Nachfrageboom auslöste und UHL einen erfreulichen Auftragsschub bescherte. Infolge dieses Aufschwungs wuchs der Betrieb stetig und zog schließlich 1995 in den Neubau im Gewerbegebiet Ost um.

 

Gute Auftragslage gibt Anlass für Optimismus

Anders als in der "guten alten Zeit" verfügt UHL heute über eine hochmoderne leistungsfähige Ausstattung, dazu Qualifizierungen und Zertifikate, die den hohen Standard bestätigen. Thomas Schneider betont, dass "die aktuelle Auftragslage und die Auftragseingänge der letzten Wochen uns schon optimistisch für das erste Halbjahr 2021 machen. Wie gesagt, das kann man länger nicht planen. Aber die nächsten sechs Monate sind schon halbwegs 'in trockenen Tüchern'."

 


Neben der gefestigten Marktposition ist der größte Trumpf die Belegschaft, die auch in der Corona-Zeit die Geschäftsleitung hundertprozentig unterstützt. Dank der guten Auftragslage konnte Kurzarbeit vermieden werden. Niemand müsse sich derzeit um seinen Arbeitsplatz sorgen, meint Thomas Schneider. Zudem habe die Eigentümerfamilie in den letzten Jahrzehnten so gewirtschaftet, dass sich UHL ein Polster aufbauen konnte, "von dem wir auch in schwierigen Zeiten zehren könnten", so der Geschäftsführer.

 

Trotzdem gelte es, einen weiteren Lockdown zu vermeiden. Dieses Risiko schwebe weiterhin über allem, meint Thomas Schneider. Kritisch betrachtet er die möglichen Auswirkungen auf die Wirtschaft, aber auch psychologisch innerhalb der Gesellschaft. Persönlich ist er "stolz, im 150. Firmenjahr mein erstes Jahr als Geschäftsführer zu haben. Auch wenn es einfachere Zeiten hätten sein können, gilt es, die Herausforderung anzunehmen und das Bestmögliche daraus zu machen. Und ich bin optimistisch, dass wir in 2021 die Feierlichkeiten werden nachholen können."

 

Die Belegschaft soll trotzdem in diesem Jahr nicht leer ausgehen. Die Geschäftsleitung hat als Dank für das Mitziehen in der Krise und auch, weil in diesem Jahr keine Feier stattfindet, entschieden, angelehnt an die 150 Jahre, eine Prämie von 150 € an jede(n) Mitarbeiter/in auszubezahlen.

 

Exkurs: Rückblick in die Vergangenheit

Wie sich die Arbeit innerhalb von fünf Jahrzehnten verändert hat, daran erinnert sich Heribert Schneiders Bruder Johannes im Gespräch mit zwei langjährigen Mitarbeitern und Weggefährten. Walter Bauer verbrachte sein komplettes Arbeitsleben als Stahlbauschlosser bei UHL, bevor er im Februar 2013 nach 50 1/2 Jahren in Rente ging. "Mitarbeiter seiner Kategorie wären heutzutage Techniker oder Ingenieure", betont Johannes Schneider, doch hatte seine Familie damals nicht die Mittel, um ihrem Sohn den Besuch weiterführender Schulen zu ermöglichen. Günther Scharnberger brachte es auf stolze 46 Jahre Betriebszugehörigkeit.

 

Als Walter Bauer im August 1962 seine Lehre begann, betrug sein Monatslohn im 1. Lehrjahr 50 DM, im 2. Lehrjahr 60 DM und im 3. Lehrjahr 70 DM. Als Weihnachtsgeld gab es 5, 10 bzw. 15 DM obendrauf. Als Geselle verdiente er anfangs 1,96 DM/Stunde und war zu dieser Zeit bereits verheiratet. Die Arbeitszeit betrug damals 42 Stunden pro Woche. Es verwundert daher nicht, dass schon damals Lehrlinge schwer zu bekommen waren, sodass Josef Schneider alljährlich in den Schulen Werbung für seinen Ausbildungsbetrieb machen musste.

 

Im Betrieb herrschten zur damaligen Zeit raue Sitten. Walter Bauer erzählt: "Freitags wurden die Hallen von den Lehrlingen unter Leitung des Chefs gekehrt. Sofern Josef Schneider mit den Aufräumarbeiten unzufrieden war und beispielsweise eine Zigarettenkippe oder eine abgebrannte Elektrode am Boden liegen sah, musste noch einmal von vorne angefangen werden." Dadurch verpasste Walter Bauer öfters den Zug und kam erst mit mehreren Stunden Verspätung zuhause in Volkach an.

 

Täglich kam er morgens zu spät zur Arbeit, weil der Frühzug - damals eine Dampflok mit drei Waggons - erst um 7 Uhr im Würzburger Hauptbahnhof einlief, was gleichzeitig der Beginn seiner Arbeitszeit war. In der Bibrastraße kam er - im Laufschritt - gegen 7:30 Uhr an. Obwohl er um die Situation wusste, begrüßte ihn sein Chef in schöner Regelmäßigkeit mit den Worten: "Jetzt kommst Du schon wieder zu spät."

 

Der Rückblick förderte noch eine ganze Reihe weiterer erzählenswerter Anekdoten zutage. So war Josef Schneider Gründungsmitglied und lange Jahre 2. Vorstand der DJK Würzburg. Es war gängige Praxis, dass er für die unterschiedlichsten Abteilungen des Vereins seine Montagewägen für Auswärtsveranstaltungen zur Verfügung stellte. Häufig standen diese am Montagfrüh mit leerem Tank oder gar mit Blech-, Getriebe- bzw. Motorschäden auf dem Betriebsgelände.

 

Walter Bauer erinnert sich weiter: "Als die Firma sich noch in der Innenstadt befand, mussten die Lehrlinge mit dem Firmenfahrrad die Brotzeit für die Gesellen einkaufen und waren damit zweimal am Tag jeweils eine Dreiviertelstunde beschäftigt. Sofern der Lehrling nicht rechtzeitig zur Pause da war, gab es schon mal auf die Ohren. Für die Lehrlinge war der Job heiß begehrt, schließlich gab es Trinkgelder von den Gesellen. Sie selber konnten sich bei ihrem kargen Lohn nichts dergleichen kaufen und mussten sich mit Margarinebroten von daheim begnügen." Im Gegensatz dazu fahren heute die Verkaufswägen der Bäcker und Metzger direkt die Firmen an.

 

Der Lohn wurde damals noch in bar ausbezahlt, an die Lehrlinge einmal im Monat, an die anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Vorschuss wöchentlich. Nicht selten wurde das Geld umgehend in der legendären Kneipe "Quick" in der Spiegelstraße verprasst, während die Ehefrauen daheim vergeblich auf das fest eingeplante Haushaltsgeld warteten. Einmal wurde tatsächlich der Firmensafe mit den Lohngeldern gestohlen und aufgebrochen in den weltberühmten Weinbergen "Am Stein" wiedergefunden.

 

Mühsam war auch das tägliche Händewaschen nach dem Feierabend. Erst als man eine drei Meter lange Wanne aus verzinktem Stahlblech anfertigte, entspannte sich die Situation. Zuvor musste sich die 30- bis 40-köpfige Belegschaft eine Toilette mit einem kleinen Guss ohne Spiegel teilen, was zu langen Schlangen führte. Dabei hatten die Lehrlinge grundsätzlich zu warten, bis die Gesellen fertig waren.

 

Da der Betrieb in den 60er-Jahren noch über keine Kräne verfügte, war körperlich schwere Arbeit an der Tagesordnung. Es wurden hauptsächlich Stahltüren und Geländer - meistens für Autobahnbrücken - angefertigt und sonstige Schlosserarbeiten ausgeführt. Auftraggeber waren vor allem die Bauämter. Aus Platzgründen wurden Stahlteile zumeist auf der Straße grundiert bzw. lackiert, was auf dem Kopfsteinpflaster häufig fotografierte "Kunstwerke" hinterließ.

 

Bei Aufträgen des Bischöflichen Bauamts wurde stets vermerkt, dass die Arbeiten in "meisterlicher Arbeit" auszuführen sind. Dieser Hinweis führte dazu, dass die Arbeiten stets von Günther Scharnberger ausgeführt wurden, der die Vorgaben laut eigener Erinnerung meistens übertraf.

Bildunterschrift: Drei Generationen der UHL-Geschäftsleitung; v.l.n.r.: Frank Schneider, Johannes Schneider, Josef Schneider (als Porträt an der Wand), Thomas Schneider, Heribert Schneider und Marko Graf; Foto: UHL GmbH & Co. Stahl- und Metallbau KG

Von: S. Thomas/M. Spörl