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Außergewöhnlich: Die kleine Kaffeerösterei

06.11.2010

Schweinfurt - „Der Kaffee am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen“. Diese alte Volksweisheit gilt, wie wir alle wissen, nicht nur für den Kaffee am Morgen. Eine gute Tasse Kaffee bringt, unabhängig von der Tageszeit, neuen Schwung und Lebenskraft. Hierbei sollte man das köstliche Gebräu aber auch genießen. Damit dies möglich ist, muss sich aber auch ein wohlschmeckender Kaffee in der Tasse befinden. Nur, warum munden uns manche Kaffees besser als andere? Dies liegt an vielen Faktoren beginnend mit der Auswahl der Kaffeebohnen über den Röst- und Mahlvorgang bis hin zur richtigen Technik beim Überbrühen. Nur wenn alle Elemente perfekt aufeinander abgestimmt sind, kann ein Spitzenkaffee entstehen, der in angemessenem Ambiente dann auch eine Wohltat darstellt. Genau auf dieses Zusammenspiel hat sich „die kleine Kaffeerösterei“ in Schweinfurt spezialisiert und genau hierdurch hebt sich das Geschäft deutlich von der Konkurrenz ab.


Das in der Rückertstraße gelegene kleine Café bietet hierbei alles, was die meisten Schweinfurter Stadtcafés auch bieten: Sitzgelegenheiten im Freien sowie im Trockenen, ein reichhaltiges und erstklassiges Kuchenangebot, eine große Auswahl an Tee, Kakao und natürlich an Kaffeespezialitäten. Hinzu kommen die allgemein üblichen offenen Getränke.

Aber schon hier beginnt der kleine aber oftmals feine Unterschied, der den besonderen Charakter der „kleinen Kaffeerösterei“ ausmacht. Denn anstatt der allgemein üblichen Coca Cola gibt es mit „Fritz Cola“ eine mittlerweile äußerst erfolgreiche Eigenproduktion Hamburger Studenten. „Ich habe die in Hamburger probiert und mir hat sie schlicht viel besser geschmeckt als normale Cola“ begründet Besitzerin Elke Hofmann ihre bei uns eher ungewöhnliche Wahl. Diese Aussage ist bezeichnend für die Einstellung der Inhaberin, der es vor allem um guten Geschmack geht und die hierbei Wert auf die kleinen Details legt, die das Spezielle ausmachen.

Am deutlichsten wird dies beim Kaffee. So groß die Auswahl auch sein mag handelt es sich bei diesem nämlich keineswegs um Massenware a la Eduscho oder Tchibo, sondern ausschließlich um nachhaltig produzieren Kaffee vom Spezialhändler mit persönlichem Kontakt zum produzierenden Kaffeebauern. Nachhaltig bedeutet hierbei allerdings nicht nur, dass der verkaufte Kaffee umwelt- und sozialverträglich hergestellt wurde; es bedeutet auch, dass der an den jeweiligen Bauern gezahlte Lohn für seine Kaffeebohnen deutlich über dem durchschnittlichen Marktpreis liegt. Dies hat natürlich spürbare Folgen für die Qualität, denn wer den besten Preis bezahlt, bekommt, neben einem guten Gewissen, auch die beste Ware und die erstklassige Qualität der Bohnen versteht die Besitzerin als „Grundvoraussetzung guten Kaffees“. Als „Herzstück“ des Betriebs sieht sie allerdings ihre Röstmaschine, die mehrere Meter des hinteren Verkaufsabteils ausfüllt. Hier wird der Kaffee nicht, wie bei großen Herstellern üblich, innerhalb von 2-3 Minuten bei 500 Grad „schockgeröstet“, sondern darf sein Aroma bei 210 Grad über 20 Minuten entfalten. Dies hat deutliche Vorteile, denn einerseits enthält die fertige Bohne wesentlich mehr Aromastoffe, andererseits werden den Bohnen ihre Säuren und Bitterstoffe entzogen, sodass das Endprodukt fühlbar bekömmlicher ist.

Genau diese Bekömmlichkeit war es auch, die Besitzerin Elke Hofmann erst zur Gründung der „kleinen Kaffeerösterei“ bewogen hat. „Ich habe gerne und viel Kaffee getrunken. Leider habe ich ihn irgendwann nicht mehr vertragen. Ein Freund hat mir daraufhin bei einem Besuch extra langsam gerösteten Kaffee angeboten und mir erklärt dieser sei bekömmlicher. Ich habe die angebotene Tasse getrunken und war selbst überrascht, dass ich keinerlei Beschwerden bekam. Daraufhin habe ich mich etwas intensiver mit dem Thema Kaffeeröstung beschäftigt und die Zusammenhänge kennen gelernt“, erklärt die Cafébesitzerin und meint damit die Tatsache, dass große Kaffeeröstereien ihren Kaffee nur deswegen „schockrösten“, weil dies deutlich höhere Produktionszahlen ermöglicht. Der geschmackliche Nachteil und die Tatsache, dass die im Kaffee sehr hoch dosierte Kaffeesäure nahezu vollständig erhalten bleibt, werden hierbei in Kauf genommen.

Der gute Geschmack des langzeit gerösteten Kaffees und die Tatsache, dass es in Schweinfurt selbst keine Rösterei gab, die sich dem langsamen Röstverfahren verschrieben hatte, bewegten Elke Hofmann dann auch einige Jahre später dazu, eine eigene Kaffeerösterei zu eröffnen. „Ich habe mir gedacht, dass es bestimmt noch mehr Menschen gibt, die wie ich Kaffee lieben, aber industriell gefertigten Kaffee nicht vertragen,“ begründet die Geschäftsfrau ihren mutigen Schritt. Das Geschäft war allerdings zunächst nur als kleiner Einmannbetrieb in einer Größenordnung von 60m² gedacht. Als jedoch der damals bereits renovierte 106m² Laden in der Rückertstraße frei wurde, wagte sie es doch, ihr Projekt im größeren Rahmen anzugehen. Der Name war dann auch recht schnell gefunden: „Die kleine Kaffeerösterei klingt nett und einladend“, begründet Frau Hofmann ihre Wahl. Der Erfolg sollte ihr Recht geben, denn das Café ist in Schweinfurt mittlerweile etabliert und der Ausbau des Marienbachzentrums dürfte neue Kunden bringen. Dies ist eine Entwicklung, über welche sich die Besitzerin natürlich freut.

Mindestens genau so erfreut ist sie auch über den Erfolg der Rösterei, die sich mittlerweile in der Region einen Namen gemacht hat. Die Besitzerin sieht diese auch als ihr eigentliches Kerngeschäft an. Ihr liegt zwar das Café und der offene Verkauf sehr am Herzen, aber sie möchte ihre Kunden nicht nur mit hervorragendem Kaffee bewirten, sondern sie auch von der Qualität der eigenen Röstprodukte überzeugen. Fragen zu ihren teilweise sehr außergewöhnlichen Kaffeesorten beantwortet sie folglich gerne, immer unter dem Aspekt, dass sie ihre Kunden dazu anregen möchte, sich Gedanken über ein Getränk zu machen, das sie teilweise mehrmals am Tag zu sich nehmen. Diese durchwegs hehren Vorstellungen spiegeln sich dann auch in den Preisen wider, denn ein nachhaltig hergestellter „Äthiopischer Sidamo“ oder ein „Tansania AA Plus“ kosten hier nicht mehr als anderswo ein industriell gefertigter Kaffee. Das gute Gewissen, den Duft von frisch geröstetem Kaffee und das anschließende Wohlgefühl im Magen gibt es kostenlos dazu. Mehr noch, mit einem Spezialkaffee aus der Bayreuther Kaffeemaschine, einer besonderen heißen Schokolade und den mittlerweile allseits bekannten Klassikern „Stadtkaffee“ und „Rückertespresso“ bietet „die kleine Kaffeerösterei“ noch viele Highlights, die einen näheren Blick und vor allem einen tiefen Schluck lohnend machen. Zudem ist  allein schon der köstliche Duft nach frischem, vor Ort geröstetem Kaffee, der die Nase sanft umspielt, ein Erlebnis.  

Text: Norbert Klauth; Fotos: Michael Horling


Von: Michael Horling