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Die Wiederbelebung einer alten Tradition: Warum das Brauhaus Schweinfurt nach rund 30 Jahren wieder ein Märzenbier anbietet

22.02.2012

Schweinfurt - Solche Termine lieben Journalisten: Die Vorstellung eines neuen Bieres nebst Getränkeprobe! Das Brauhaus Schweinfurt lud in sein Braustüberl ein. Das Märzen aber, das es nun wieder in Gastronomie und Handel gibt, ist so "neu" eigentlich nicht. "Es war bis in die 70er Jahre das meistgetrunkene Bier in Schweinfurt und der Umgebung. Wir haben aus alter Tradition heraus ein neues Kind geschaffen und beleben eine Tradition wieder", sagt Brauhaus-Geschäftsführer Heinrich Weck.


Warum ein so gutes Bier dann überhaupt in den 80er Jahren vom Markt verschwand? Das Pils verdrängte so langsam das Märzen, das in den 50er und 60er Jahren über 60 Prozent Marktanteil hatte beim Brauhaus. Das untergärige Vollbier mit einer erhöhten Stammwürze von 13,5 Prozent und einem Alkoholgehalt von 5,4 Prozent überzeugt mit einer süßen Malznote, die die reine Hopfenbittere zurück drängt. So wurde das goldgelbe bis bernsteinfarbene Märzenbier angenehm süffig. "Es ist nicht zu hell und nicht zu dunkel. Unser Braumeister hat sein handwerkliches Können unter Beweis gestellt", lobt Weck. Gut, dass es wieder da ist!

Bierproben im Brauhaus sind aber auch Termine für Journalisten, bei denen es nicht nur etwas zu trinken gibt, sondern bei denen man auch etwas lernt. Nämlich über Unterfranken als Zwitter- oder Pufferzone zwischen Bayern und Norddeutschland. Hoch droben regieren die Fernsehbiere mit ihrer Pilstradition und drängen in den Norden des Freistaates, während sie die Weißbier-Regionen im Süden geschützt lassen. "Also müssen wir unsere Lokalität behaupten und auf Qualität setzen", weiß Weck. Rund ein halbes Jahr dauerte es, um das trinkfreudige Märzen zu entwickeln, das sich am besten bei acht bis neun Grad Celsius genießen lässt. In weitaus kürzerer Zeit kann man verstehen, woher es seinen Namen hat.

Tatsächlich hat es etwas zu tun mit dem Monat März. Und zwar deshalb: Bevor Ingenieur Carl Linde seine Ammoniak-Kältemaschine entwickelte, war es sehr schwer, das untergärige Bier zu kühlen, was aber notwendig ist. Weil laut der bayerischen Brauordnung von 1539 aufgrund der Brandgefahr in mittelalterlichen Städten (damals war die Feuerwehr noch gar nicht gut ausgerüstet) nur zwischen Ende September und Ende April Bier gebraut werden durfte, musste das Bier durch erhöhten Stammwürze- und Alkoholgehalt länger haltbar gemacht werden. Doch musste es dennoch gekühlt werden, was damals nur in Felsenkellern möglich war, die man mit Natureis zusätzlich herunter kühlte. Dieses frische Natureis gab´s in der Regel nur bis März - und so entstand der Name. In den Felsenkellern hielt sich das Eis aber länger, so das das letzte Märzen erst zu den großen Herbstfesten getrunken werden konnte. Beim 1810 eingeführten Münchner Oktoberfest wurde das Märzen zum "Wies´n Bier", ebenso in Stuttgart auf den Cannstatter Wasen. Hier wie da wird das Festbier noch heute zum größten Teil im März eingebraut.

Heinrich Weck und die beiden Verkaufsleiter Georg Eberwein und Günter Haas müssen mittlerweile schon ein bisschen rechnen und brauchen mehr Finger, als an beiden Händen verfügbar, wenn es um die Bierspezialitäten des Brauhauses geht. Das einstige Export heißt nun Frankengold, dazu gibt es Mainthaler, Pilsner, Radler, die Schwarze Weisse, Ur-Dunkel, Ur-Hell, Weißbier, Weißbier alkoholfrei, das Böggle, das alpha, ein Elchbier und ein Winterbier, das saisonal heuer alle Erwartungen übertraf und mittlerweile ausverkauft ist. Doch der März steht vor der Türe - und da passt das Märzen natürlich bestens.

Das Bild mit den Personen zeigt die beiden Verkaufsleiter Verkaufsleiter Georg Eberwein (Mitte) und Günter Haas (rechts) zusammen mit Brauhaus-Geschäftsführer Heinrich Weck (links) bei der Vorstellung des neuen Märzenbiers.


Von: Michael Horling