Die Richard Köstner Gruppe mit Hauptsitz in Neustadt/Aisch setzt bei der Klimatisierung ihrer kürzlich eingeweihten Firmenzentrale auf nachhaltige Technologien. Ein wesentliches Element des Energieeffizienzkonzepts bildet ein Eisspeicher.
Neustadt/Aisch: Nach etwa zweijähriger Bauzeit wurde im März 2026 der moderne Neubau des mittelständischen Familienunternehmens eingeweiht. Neben der Verwaltung des mittelfränkischen Mehrspartengroßhändlers mit dem Schwerpunkt Handwerk sind im dreistöckigen Gebäude auf etwa 7.000 qm Nutzfläche zudem Verkaufs-, Präsentations- und auch extern vermietete Flächen untergebracht.
Wesentliche Aspekte bei der Konzeption waren Funktionalität, Effizienz und Nachhaltigkeit. Dies findet seinen Ausdruck in der Raumaufteilung und den verwendeten Materialien und spiegelt sich auch im technischen Innenleben – und hier zuallererst im Energiemanagement – wider.
Von vornherein legte der Bauherr und Vorstand Dr. Norbert Teltschik Wert auf ein klimafreundliches Energiekonzept, das langfristig die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen und von der Entwicklung der Gaspreise erhöhen soll. Wichtig war außerdem eine Kostenoptimierung im Hinblick auf Anschaffung, Wartung und Instandhaltung der eingesetzten Technik.
Eisspeicher überzeugt mit Wirkungsweise
Nach eingehender Beratung und dem Vergleich unterschiedlicher Konzepte entschied man sich, statt für zwei getrennte Systeme zum Heizen und Kühlen, für ein integriertes Eisspeicher-Energiesystem. Für die Richard Köstner Gruppe ist das System mit einem 597 m³ großen Eisspeicher und einer Speicherkapazität von rund 45.900 kWh ausgelegt. Laut Angaben erreicht die Anlage eine Kühlleistung von bis zu 380 kW und eine Heizleistung von bis zu 460 kW. Zum Gesamtsystem gehören zwei Sole-Wasser-Wärmepumpen sowie sechs Luft-Wasser-Wärmepumpen.
„Die zentrale Prozesssteuerung stimmt Eisspeicher, Wärmepumpen und Rückkühler auf den aktuellen Energiebedarf ab und optimiert den Betrieb automatisch. Dadurch können die unterschiedlichen Energiequellen und Betriebszustände bedarfsgerecht und möglichst effizient genutzt werden“, erklärt Thomas Svoboda, Leiter Energie- und Gebäudemanagement.
Der Eisspeicher besteht aus einem wasserundurchlässigen, mit Wasser gefüllten Betonbehälter, der vollständig im Erdreich liegt. Im Inneren sind spiralförmig angeordnete Wärmeübertragerrohre installiert, über die der Speicher thermisch be-und entladen wird.
Im Winter entziehen die angeschlossenen Sole-Wasser-Wärmepumpen dem Wasser im Eisspeicher Wärme und heben diese auf das für die Gebäudeheizung erforderliche Temperaturniveau. Dabei kühlt das Wasser ab und gefriert zunehmend. Rückkühler nutzen Umweltwärme aus der Außenluft zur Regeneration des Speichers und können das Eis bei ausreichender Regenerationswärme wieder teilweise abschmelzen. Dadurch lässt sich der Phasenwechsel innerhalb einer Heizperiode mehrfach nutzen.
Hinter der Wirkungsweise steht der physikalische Phasenwechsel von Wasser. Beim Übergang vom flüssigen in den festen Aggregatzustand wird sogenannte Kristallisationswärme freigesetzt. „Wenn 0 °C kaltes Wasser zu 0 °C kaltem Eis gefriert, wird so viel Energie freigesetzt, wie man benötigen würde, um dieselbe Menge Wasser von 0 °C auf 80 °C zu erhitzen“, erklärt Karl Vogel, der als Geschäftsführer der Köstner Fachzentrum GmbH federführend bei der Umsetzung der Neubauplanung beteiligt war.
Die beim Gefrieren freigesetzte Kristallisationswärme wird über die Wärmepumpen für die Gebäudeheizung nutzbar gemacht. Im Sommer dient das gespeicherte Eis als Kältequelle. Solange ausreichend Eis vorhanden ist, kann die aktive Kälteerzeugung weitgehend entfallen; für Pumpen, Regelung und Verteilung wird weiterhin elektrische Energie benötigt. Dadurch kann auf zusätzliche Splitgeräte für ein separates Kühlsystem verzichtet werden.
Amortisierung binnen zehn Jahren geplant
Über das Eisspeicher-Energiesystem wird nicht nur die neue Firmenzentralebeheizt bzw. gekühlt. An das System angeschlossen sind auch Flächen des benachbarten, bereits 2015 errichteten Gebäudes mit der Abteilung Sanitär/Haustechnik, weiteren Büroflächen sowie Schulungs- und Besprechungsräumen und außerdem Lagerflächen. Insgesamt versorgt das System eine Fläche von mehr als 12.000 m² mit Wärme und Kälte.
Aufgrund der notwendigen Tiefbaumaßnahmen für den im Erdreich liegenden Betonbehälter bedeutet die Investition in das Eisspeicher-Energiesystem zunächst einen erhöhten Aufwand. Im Gegenzug verfügt Köstner nun über ein robustes und umweltfreundliches System. Eine konkrete prozentuale Energieersparnis gegenüber den damals geprüften Alternativen lässt sich derzeit nicht belastbar beziffern. Die Kombination ermöglicht jedoch eine energieeffiziente Wärme- und Kälteversorgung und reduziert den Bedarf an zusätzlichen Kühlgeräten sowie den damit verbundenen Wartungs- und Reparaturaufwand.
Bei der Entscheidung für diese Form des Energiemanagements rechnete die Geschäftsleitung vorsichtig mit einer erwartbaren Amortisationsdauer von zehn Jahren. Der tatsächliche Zeitraum hängt vom realen Energiebedarf, vom Anlagenbetrieb und von der künftigen Entwicklung der Energiepreise ab.
Kurzporträt, Firmengruppe Richard Köstner, Neustadt/Aisch
Die Firma Richard Köstner wurde im Jahr 1934 gegründet und wird heute in dritter Generation von Dr. Norbert Teltschik geführt. Das Unternehmen beliefert vor allem gewerbliche Kunden aus Handwerk und Industrie mit Stahl, Bauelementen, Sanitärbedarf, Haustechnik, Werkzeugen und Befestigungstechnik. Ein weiterer Geschäftsbereich ist der Handel mit Garten- und Forsttechnik. Ein Einzelhandel für Haushaltswaren und Geschenkartikel am Firmensitz in Neustadt/Aisch rundet das vielseitige Angebot ab. Die Richard Köstner-Gruppe beschäftigt derzeit circa 550 Mitarbeiter an neun Standorten in Bayern und Sachsen.
Foto 1: Mittels Display hat Energie- und Gebäudemanager Thomas Svoboda stets den Überblick über den Soll- und Ist-Zustand der Anlage. Foto: by Richard Köstner Gruppe
Foto 2: Thomas Svoboda (links) und Karl Vogel im Technikzentrum, in dem sämtliche Leitungen des Systems zusammenlaufen. Foto: by Richard Köstner Gruppe
Foto 3: Karl Vogel (links) und Thomas Svoboda im Technikzentrum vor den beiden Sole-Wasser-Wärmepumpen. Foto: by Richard Köstner Gruppe
Foto 4: Eisspeicher innen. Foto: by Richard Köstner Gruppe




