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Zurückblicken ist wichtiger denn je

Initiative gegen das Vergessen mit Zweitauflage der letzten drei Veröffentlichungen

Schweinfurt: Die Initiative gegen das Vergessen Schweinfurt setzt sich seit über 40 Jahren mit der Zeit des Nationalsozialismus in Schweinfurt von 1933 bis weit in die Nachkriegszeit auseinander. In den Jahren sind mehrerer Bücher darüber veröffentlicht worden, zuletzt gleich drei weitere Werke – über die humanitäre Widerstandsgruppe Gelbe Birke, über das Leben und grauenvolle Sterben der 75 von den Nazis ermordeten 75 Schweinfurter Jüdinnen und Juden sowie über den aus Schweinfurt stammenden Anarchisten und Antimilitaristen Wilhelm Wehner.

Wegen der erfreulichen Nachfrage sind alle drei Bücher ausverkauft, was die Initiative zu einer jeweils zweiten Auflage veranlasste. Die Bücher sind ab sofort wieder in der Buchhandlung Collibri erhältlich, können bei der Initiative (www.initiative-gegen-das-vergessen.de) bestellt oder über die ISBN-Nummer geordert werden.

Das Buch über die vom Wehrmachtsoldaten Andreas Bauer gegründete „Gelben Birke ist um zwei Kapitel angewachsen. Autor Hannes Helferich geht darin vor allem auf die bisher nicht bekannte Nachkriegskorrespondenz von Bauer mit dem französischen Kriegsgefangenen und Gelbe-Birke-Mitglied Robert Lemail ein. Die noch lebende Tochter des Gründers, Anneliese Bauer, hat Briefe und weitere Dokumente erst nach der Erstveröffentlichung bei sich zuhause entdeckt. Der Gelben Birke gehörten Soldaten und Schweinfurter Bürger an, die sich um die Versorgung von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen kümmerten. Der aus Kronach stammende Bauer wurde 1942 eigentlich zur Bewachung von Zwangsarbeitern nach Schweinfurt abkommandiert, organisierte aber auch den illegalen Bau von Erdbunkern und rettete so Hunderten Schweinfurter Bürgern,Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen das Leben.

Zeitgleich mit der im November 2024 der Öffentlichkeit übergebenen Kunstinstallation an der Stadtmauer im Châteaudun-Park, an der man die Namen der 75 Opfer und ihre wichtigen Lebensdaten lesen kann, ist das Gedenkbuch „Sie lebten mitten unter uns“ erschienen. Die Autoren Johanna Bonengel und Hannes Helferich beleuchten auf den leicht überarbeiteten 207 Seiten die Geschichte der Juden in Schweinfurt, erzählen aber insbesondere die Lebensgeschichten der 75 Schweinfurter Jüdinnen und Juden, die von den Nationalsozialisten verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Die Denkzeichen – Installation und Buch – geben diesen Menschen, die Bürger Schweinfurts waren, ihre Würde und ihre Identität zurück. „In einer Zeit des grassierenden Antisemitismus ist das Zurückblicken wichtiger denn je“, erklärt Bonengel.

Überarbeitet hat auch Autor Norbert Lenhard die zweite Auflage über das Leben und Wirken von Wilhelm Wehner. Er war 1916 der erste Kriegsdienstverweigerer in Schweinfurt und rief hier 1919 die Räterepublik aus. Schon um 1906 hatte sich der junge Arbeiter bei der Gruppe um die Zeitung „Revolutionär“ in Berlin politisiert. Vor Gericht wurde er angeklagt wegen „Erpressung“ des Unternehmers Ernst Sachs. Jedoch überraschend freigesprochen.Lenhard zeichnet im Buch das politische Leben des Schweinfurter Werkzeugschleifers Wehner (1885–1968) in wichtigen Etappen nach. Die Gedankenwelt des freiheitlichen Sozialismusbildet mit ausgewählten Texten den politischen Rahmen des Buches. Unter anderem mit Beiträgen von Helge Döhring, Historiker aus Bremen und Gisela Notz, Sozialwissenschaftlerin aus Berlin. Notz stammt aus Schweinfurt.

„Die Gelbe Birke- Humanitärer Widerstand in Schweinfurt im Zweiten Weltkrieg“, jetzt 75 Seiten, 10 Euro, ISBN 978-3931909-39-0.

„Sie lebten mitten unter uns – Verfolgt.Deportiert.Ermordet. Lebensgeschichten Schweinfurter Juden“, 207 Seiten, 25 Euro, ISBN 978-3-931909-40-6.

„Wilhelm Wehner – Anarchist, Syndikalist, Antimilitarist, Freigeist und Naturfreund“, 144 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-911812-01-6.

Alle Bücher sind reich bebildert und wurden von Werner Enke, wie die Autoren Mitglied der Initiative, gestaltet. Herausgeber ist jeweils die Initiative gegen das Vergessen.

 

Cover des biografischen Gedenkbuches Foto: by Werner Enke - Initiative gegen das Vergessen

Denkzeichen Foto: by Anand Anders - Initiative gegen das Vergessen