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Er hat eine Straße der Zerstörung hinterlassen!

22.10.2010

Lebenslange Strafe für Dirk Höfer nach dem Mord an seiner Ehefrau.

Schweinfurt / Burkardroth (20.10.2010) - Das Urteil ist gesprochen: Der 37 Jahre alte Dirk Höfer, der in der Nacht auf Silvester vergangenen Jahres in Katzenbach (Marktgemeinde Burkardroth, Landkreis Bad Kissingen) seine im Bett liegende Ehefrau Simone, die Mutter der vier gemeinsamen Kinder, mit einem Messerstich tötete, muss lebenslang hinter Gitter. Die 1. Große Strafkammer am Landgericht Schweinfurt sah es als erwiesen an, dass der aus Brandenburg stammende Mann seine in Greifswald aufgewachsene Gattin heimtückisch und vorsätzlich ermordet hat, während sie ahnungs- und schutzlos schlief oder sich zumindest schlafend stellte. Milderne Umstände seien keine zu berücksichtigen gewesen, Dirk Höfer beging die Tat bei voller Schuldfähigkeit.


"Er hat eine Straße der Zerstörung hinterlassen", begann die vorsitzende Richterin Dr. Elisabeth Ott die rund einstündige Urteilsbegründung im wieder gut gefüllten Sitzungssaal, während Dirk Höfer sein Gesicht erneut vom Publikum abwednete. Eine Tragödie habe sich ereignet, eine furchtbare Tat, die der 34 Jahre alten Frau des Leben kostete, vier Kindern die Mutter und das Elternhaus wegnahm. Leid habe der 37-Jährige auch über die Eltern des Opfers gebracht und sein eigenes Leben zerstört. "Er wird ein Leben lang an der schweren Schuld zu tragen haben". Das Schwurgericht glaubte nach der Anhörung von insgesamt 25 Zeugen und zwei Sachverständigen nicht der Version des im Grundgerüst geständigen Angeklagten, wonach er das Messer mit der langen Klinge erst im Schlafzimmer in die Hände bekam. "Diese Geschichte ist erfunden. Wir haben keinerlei Zweifel, dass er töten wollte", so die Richterin. Gegen Mitternacht soll er den Entschluss gefasst und das Messer aus der Küche geholt haben. Laut Auffassung des Gerichts beugte er sich dann über seine Frau, stieß ihr mit Wucht in den Hals, fügte ihr unterhalb des Kehlkopfes eine vier Zentimeter lange und sechs Zentimeter tiefe Wunde zu, die einen massiven Blutstrahl auslöste. Binnen fünf bis zehn Minuten verstarb die schnell bewusstlose Simone.

Ausführlich ließ die Kammer nochmals das Leben von Dirk Höfer Revue passieren. Als ehrgeiziger Ruderer und klassischer Dreier-Schüler wuchs er in der DDR auf, sammelte 13 Medaillen in seiner Sportart, galt als Kandidat für die Olympischen Spiele 1992 in Barcelona. Durch die Wende aber endeten seine sportlichen Ambitionen, weil die Sportschule schließen musste, wo er deshalb auch seinen Azusbildungsplatz als Koch verlor und damit von heute auf morgen seine Lebensperspektive. Als er später mit einer Jugendfreundin nach Kaiserslautern zog und heiratete, kam es zum Bruch mit der Mutter und der Schwester, die gegen die Ehe waren. In Rheinland-Pfalz wurde er zum Kfz-Mechaniker ausgebildet, zog aber 1996 nach Bad Kissingen, weil er in Schweinfurt Arbeit fand. Über seine Frau lernte er dann deren beste Freundin kennen: Simone. 1998 zogen beide in Garitz zusammen, heirateten später. Zwischen 2000 und 2004 kamen vier Kinder zur Welt.

"Diese vier Geburten waren für die Ehe eine Belastung", glaubt die Richterin. Zumal bei ihm ein Alkoholproblem hinzukam, er abeitslos wurde, eine Affäre mit einer Ex-Freundin hatte und es immer wieder zu finanziellen Engpässen kam in der Familie. "Sie hatte das Gefühl, auf ihren Mann ist kein Verlass", schilderte Dr. Ott. Notgroschen musste Simone vor ihm verstecken. nach dem Seitensprung wollte sie sich schon 2008 von ihm trennen, er aber überredete sie nochmals, verfiel später jedoch in alte Verhaltensmuster, überwachte seine Frau, wenn sie mal wegging. Simone fand wieder einen Job, blühte neu auf, wollte ihre Freiräume, verdiente eigenes Geld und verlangte getrennte Konten. Unzuverlässigkeiten und Unwahrheiten ihres Mannes konnte sie nicht mehr ertragen, lernte dann auch noch einen anderen Mann kennen, der ihr zuhören konnte. "Er spürte, dass sie sich innerlich von ihm entfernte. Er hatte Angst, dass er sie verliert", so die Richterin bei der Urteilsbegründung.

Um Weihnachten letzten Jahres herum sprach sie offen von einer Scheidung, teilte ihm das mit. Äußerlich schien er sich abzufinden, traf erste Maßnahmen für die Zeit danach. Am Tatabend begann er laut Auffassung der Kammer zu trinken, hatte aber nur 0,51 Promille im Blut, als er zustach. Vorher wollte er mit Simone nochmals reden, was sie ablehnte und weshalb sie frühzeitig ins Bett ging. Er surfte im Internet und fasste dann den tragischen Entschluss. Ein Motivbündel läge vor, so die vorsitzende Richterin. Die Angst vor der Zukunft nach einer gescheiterten Ehe, die Kränkung durch ihre Absichten. Mit einer festgestellten mittelgradigen narzistischen Persönlichkeitsstörung und keiner verminderten Schuldfähigkeit sei er sich seines Handelns im Klaren gewesen Eine hochgradig affektive Handlung sei die Tat nicht gewesen, weil Simone ihn nicht provoziert habe. Das Nachtatverhalten spreche ebenso für einen bewusst ausgeübten Mord. Hinterher schrieb er Nachrichten, beispielsweise ein "Ich liebe Euch.... Papa hat nur das Beste gewollt" als Hinterlassenschaft auf dem Computer. Er wusch das Messer ab, nahm Geld mit, mit dem er unterwegs an einer Bad Kissinger Tankstelle noch eine private Rechnung beglich, schrieb diverse SMS - und hatte im betrunkenen Zustand nach ein paar weiteren Flaschen Bier auf der Fahrt im Auto Richtung Kassel wohl Gedanken an einen Suizidversuch. Gegen 3.53 Uhr verunglückte er in der Nähe von Bad Homburg, wies dabei drei Stichverletzungen auf und hatte gegen 6 Uhr noch 1,4 Promille Alkohol im Blut.