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Sexueller Missbrauch in der schlimmsten Form

29.11.2010

Schweinfurt - Der sexuelle Missbrauch von Kindern in seiner schlimmsten Form beschäftigte am Montag die 1. Große Jugendkammer des Schweinfurter Landgerichtes. Für 23 sachlich zusammentreffende Fälle muss ein heute 50 Jahre alter Mann für fünf Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Schon in den 90er Jahren verging er sich gleich mehrfach vor allem an seiner heute 26 Jahre alten Tochter, die als Nebenklägerin auftrat.


1988 kam die Familie aus Polen nach Deutschland, landete eher zufällig im Landkreis Rhön-Grabfeld. Vier Jahre war die Tochter damals alt. Der Angeklagte, der in seinem Heimatland Tiermedizin studierte, fand zunächst nur einen Job in einer Fabrik, bekam dann aber eine Laborantenstelle im Landkreis Bad Kissingen, arbeitete als Abteilungsleiter für Tierversuche. In dieser Zeit begannen die Übergriffe, die zeitlich nicht mehr genau zuzuordnen sind.

Absprachen zwischen den beiden Verteidigern des Angeklagten und Staatsanwalt Joachim Hein gab es vor dem Beginn des Prozesses, Im Falle eines umfassenden Geständnisses und im Himblick drauf, dass man damit auf eine detaillierte Befragung des Hauptopfers verzichten könne, würde das Strafmaß zwischen fünf Jahren und zehn Monaten sowie sechs Jahren und zwei Monaten liegen. Daher machte der Deutsch-Pole, der bis zu seiner Verhaftung im Februar diesen Jahres als Fachtierarzt seine eigene Praxis in seinem Heimatland leitete, Angaben zu den Tatvorwürfen. Er habe sich schon x Mal die Frage gestellt, wie das alles passieren konnte, eine Antwort weiß er aber nicht. Tatsächlich sei aber alles so passiert wie angeklagt. "Es war ein schlimmer Abschnitt in meinem Leben!"

Die 1983 in Polen geschlossene Ehe mit seiner Frau, von der er längst geschieden ist, sei "selten gut, immer schlecht" gewesen. "Wir hätten nie heiraten sollen, wir passten nicht zusammen." Er erzählte davon, dass seine Frau zuerst Polen verließ, das sie an sich eingeladen war von einem Bekannten in Paris, wohl ein Liebhaber, von dem sie sogar schwanger gewesen sein soll. Unterwegs auf der Zugfahrt nach Frankreich stieg sie aus - und landete so in der Region. Später kam er nach, man stritt aber oft, redete anscheinend monatelang nicht miteinander. 1997 erfolgte die Trennung, er musste ausziehen. Nachdem die Tochter sich der Mutter anvertraute. 2003 ermittelte schon mal die Polizei, 2004 ging er zurück nach Polen. Bis zu seiner Verhaftung im Februar 2010 dauerte es, ehe der Prozess vorbereitet werden konnte. Trotz eines seit 2005 bestehenden Haftbefehls.

Die Tochter berichtete bei ihrer polizeilichen Vernehmung, er habe ihr seine Liebe gestanden, würde sie gerne heiraten und mit ihr Nachwuchs bekommen. "So spricht man nicht mit einem Kind, sondern mit einer Frau", mahnte die Vorsitzende Richterin Dr. Elisabeth Ott. FKK-Heftchen mit nackten, kleinen Kindern habe er seiner Tochter immer wieder mal gezeigt. Recht häufig soll er bei den Übergriffen stark nach Alkohol gerochen, zuvor Bier konsumiert haben. Die Tochter gab auch noch an, sie hätte sich nur deshalb nicht gewehrt und geschwiegen, weil sie nicht wollte, dass Vater und Mutter streiten. Maßlos aufgeregt habe sich der Vater stets, wenn Berichte im Fernsehen zu hören waren von Kinderschändern. Parallel ging der Angeklagte trotzdem immer ein Stückchen weiter bei seinen Taten.

Gezeichnet fürs Leben und schwer traumatisiert wirkte die Geschädigte, die mittlerweile weggezogen ist, in einer anderen Stadt studiert. Voll schuldfähig war der Angeklagte bei seinem Tun, versicherte der sachverständige Gutachter. 23 der 24 Übergriffe wurden zum Bestandteil des Urteils. Lediglich eine Übergriff bleib unberücksichtigt, weil dieser in Frankreich stattfand und zu prüfen gewesen wäre, ob überhaupt deusches Strafrecht angewandt werden kann.


Von: Michael Horling