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300 Archäologen/innen tagen in Würzburg vom 01. bis 05.April 2019

Aktuelle Forschungsergebnisse der Archäologie in Deutschland

Würzburg: Vom 01. bis 05.04.2019 findet an der Julius-Maximilians Universität Würzburg die größte archäologische Fachtagung im deutschsprachigen Raum statt. An vier Tagen werden über 300 Archäologen/innen über 110 Vorträge und Posterpräsentationen zu aktuellen Fragen der ur- und frühgeschichtlichen Archäologie besuchen.

 

Ausrichter sind der West- und Süddeutscher Verband für Altertumsforschung e. V. (WSVA) und der Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung e. V. (MOVA). Mitveranstaltet wird das Treffen von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, dem Bayerischen Landesamt fürDenkmalpflege und dem Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg. Im Mittelpunkt der Tagung steht das Thema "Illegale Archäologie", dem am 03. April eine Reihe von Vorträgen gewidmet sein wird. Dies ist nicht nur ein Problem der Kriegsregionen im Nahen und Mittleren Osten, auch in Deutschland gehen viele archäologische Quellen tagtäglich unwiederbringlich verloren, weil sie unsachgemäß von nicht autorisierten Personen gesetzeswidrig ausgegraben werden. Dadurch entsteht dauerhafter Schaden für die Allgemeinheit, denn archäologische Quellen erzählen von unserer aller Geschichte, aber nur, wenn ihr Fundkontext fachgerecht überliefert ist. In verschiedenen Vorträgen wird l auf die Situation in Deutschland eingegangen und die Rolle des Handels mit illegal erworbenem archäologischem Kulturgut beleuchtet.

 

Auch der Abendvortrag am 03. April 2019 widmet sich diesem Thema. Archäologe Dr. Ulrich Himmelmann von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland Pfalz/Landesarchäologie/Außenstelle Speyer berichtet über den "Schatzfund von Rülzheim" und die Folgen für die Zusammenarbeit von Schatzsuchern mit Metalldetektoren und der Archäologischen Denkmalpflege Rheinland Pfalz.

 

Darüber hinaus tagen 7 Arbeitsgemeinschaften zu unterschiedlichen archäologischen Fragestellungen, von aktuellen Grabungsbefunden über modernste naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden bis hin zu neuen Interpretationen archäologischer Befunde. Dieser fachliche Teil ist eineideale Plattform, um sich im Kreis von Fachkollegen/innen auszutauschen und für viele Nachwuchstalente die erste Gelegenheit, ihre Forschungsergebnisse der Fachwelt vorzustellen.

 

Ein weiterer Schwerpunkt wird die Problematik prekärer Beschäftigungsverhältnisse in der Archäologie sein, die viele Archäologen/innen betrifft. Viele Absolventen/innen der archäologischen Fächer sind nur in befristeten Projektstellen beschäftigt oder arbeiten trotz Hochschulausbildung als Grabungsarbeiter/innen, manche in untertarifvertraglich vergüteten Beschäftigungsverhältnissen oder als Freiberufler/innen an der Grenze zur Selbstausbeutung.

 

Den Abschluss bildet am Freitag, den 05. April eine Exkursion zu vor- und frühgeschichtlichen Stätten in der Umgebung von Würzburg.

 

Rund 300 Fachleute aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und weiteren europäische Ländern treffen sich in den Räumlichkeiten der Kooperationspartnerin vor Ort: der Julius-MaximiliansUniversität Würzburg, vertreten durch den Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichte. Die Teilnehmer/innen arbeiten als Archäologen/innen bei den Denkmalpflegeämtern der Länder, an den Universitäten und Forschungseinrichtungen, bei privatwirtschaftlichen Grabungsfirmen und als Freiberufler. Kennzeichen der WSVA/MOVA-Tagungen ist auch die hohe Zahl an Fachstudierenden, die die Chance wahrnehmen, Netzwerke zu knüpfen und über den Tellerrand der Forschungsschwerpunkte ihrer eigenen Universitäten hinauszublicken.Eine Mitgliedschaft in den Verbänden ist keine Teilnahmevoraussetzung.

 

Hintergrundinformationen: 

-Tagungsschwerpunkt Illegale Archäologie: Raubgrabungen haben in den letzten Jahren insbesondere durch die schrecklichen Bilder aus dem Nahen Osten für öffentliche Aufmerksamkeit gesorgt. Krisengeschüttelte Regionen haben in besonderer Weise mit der Plünderung ihres Kulturguts zu kämpfen. Dabei geriet auch der internationale Handel mit archäologischem Kulturgut in den Fokus der Medien. Die Bundesregierung hat durch das seit August 2016 in Kraft getretene Kulturgüterschutzgesetz versucht, diesem Problem entgegenzutreten. Aber es bleiben nach wie vor erhebliche Probleme, den internationalen Handel mit illegal erworbenem archäologischem Kulturgut in den Griff zu bekommen. Michael Müller-Karpe vom RGZM und Eckhart Laufer werden versuchen einen Einblick in diese Thematik zu geben.

 

Illegale Raubgrabungenund Plünderungen archäologischer Fundstellen sind aber auch in Deutschland immer wieder ein Problem für die Archäologische Denkmalpflege. Hierbei spielt die illegale Suche mit der Metallsonde eine erhebliche Rolle, da so gezielt nach entsprechenden für die Archäologie im Aussagewert so wichtigen Metallobjekten gesucht werden kann. Fundmaterial wird dabei unkontrolliert seinem historischen Zusammenhang entrissen und verliert damit große Teile des wissenschaftlichen Wertes. Als gravierende Beispiele sei nur auf die Himmelsscheibe von Nebra (Sachsen-Anhalt), dem Schatzfund von Rülzheim (Rheinland-Pfalz), aber auch jüngst der Münzschatz aus Ellwangen (Baden-Württemberg) verwiesen. Trotzdem wird das Thema Schatzsuche in den Medien immer wieder gerne aufgegriffen und nicht selten unkritisch über die Suche mit Metallsonden und die Aussicht auf wertvolle Funde berichtet.

 

Tatsächlich bestehen in den Ländern rechtliche Vorgaben für die Suche mit der Metallsonde, mit dem Ziel die Kulturdenkmale zu schützen. Dabei geht es den zuständigen Denkmalschutzbehörden schon lange nicht mehr darum, grundsätzlich die Suche zu verbieten, sondern Suche nach klar definierten Regeln zu ermöglichen. Daraus sind auch sehr gute Kooperationen zwischen der Denkmalpflege und kulturgeschichtlich interessierten Sondengängern erwachsen. Trotzdem werden immer wieder Raubgrabungen und illegale Sondengänger gemeldet. Der Trend zur Schatzsuche scheint ungebrochen. Einträge in den Internetforen lassen wenig Zweifel an einer aktiven illegalen Sondengängerszene in den verschiedenen Bundesländern. Andreas Büttner, Jonathan Scheschkewitz, Ulrich Himmelmann beschäftigen sich mit der Situation in Süddeutschland und Eicke Siegloff gibt einen allgemeinen Überblick zur Problematik in Deutschland. 

 

- WSVA und MOVA:

WSVA (West- und Süddeutscher Verband für Altertumsforschung e.V.): Größter der drei Regionalverbände in denen prähistorische Archäologen/innen im deutschsprachigen Raum organisiert sind. Gegründet 1900. Der WSVA ist ein gemeinnütziger Verein und vertritt die Interessen der archäologischen Forschung. Außerdem unterstützt er die Veröffentlichung ihrer Ergebnisse mit Schwerpunkt im Südwestdeutschen Raum. Er unterstützt die Belange der archäologisch tätigen WissenschaftlerInnen und bildet hier eine gemeinsame Plattform für Austausch und Information. Der Sitz des WSVA ist derzeit am Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg in Esslingen/Neckar. Sein Vorsitzender ist Prof. Dr. Claus Wolf, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg.

 

MOVA (Mittel- und Ostdeutscher Verband für Altertumsforschung e. V.): Kleinster der der drei Interessensverbände in denen prähistorische Archäologen/innen im deutschsprachigen Raum organisiert sind. Gegründet 1991. Sein Ziel ist die Förderung der archäologischen Forschung vornehmlich in den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Vorsitzender ist Dr. Jasper v. Richthofen, Kulturhistorisches Museum Görlitz.

 

- Tagungen: Die beiden Verbände tagen einmal im Jahr gemeinsam. Die Tagungen richten sich an ein archäologisches Fachpublikum, stehen aber allen Interessierten offen. Die Mitgliedschaft in den Verbänden ist nicht Teilnahmevoraussetzung.

 

-Weitere Informationen:

<link http: www.wsva.net www.mova-online.de>www.wsva.net www.mova-online.de

<link http: www.vfg.uni-wuerzburg.de startseite external-link-new-window external link in new>www.vfg.uni-wuerzburg.de/startseite/

<link http: www.blfd.bayern.de external-link-new-window>www.blfd.bayern.de

<link http: www.denkmalpflege-bw.de external-link-new-window>www.denkmalpflege-bw.de

 

Programm der Tagung zum Download: <link http: www.wsva.net media wsva_wuerzburg_programm-2019.pdf external-link-new-window external link in new>www.wsva.net/media/wsva_wuerzburg_programm-2019.pdf

Foto:Universität Würzburg