Soziale Netzwerke

  

Anzeige

56% der unterfränkischen Arbeitnehmer bekommen keinen Tariflohn

DGB und die LandkreisSPD im Gespräch: Sorge um Rente und Rechtsruck

56% der unterfränkischen Arbeitnehmer bekommen keinen Tariflohn gezahlt. Während in Deutschland noch knapp die Hälfte der Beschäftigten Tariflohn bekommen, liegt diese Zahl in Unterfranken nur noch bei 44%. Dies ist der niedrigste Wert aller Regierungsbezirke in Bayern, das selbst auf dem letzten Platz der westdeutschen Bundesländer steht. Unterfranken liegt damit nahezu gleichauf mit Sachsen, dem bundesweiten Schlusslicht unter den Ländern. Die Frage nach Ursachen für diese schlechten Werte und wie die tariflichen Lohnabschlüsse und Arbeitsbedingungen in Mainfranken verbessert werden können, standen im Mittelpunkt eines Meinungsaustauschs zwischen der SPD im Landkreis Würzburg und dem DGB Mainfranken. Zu diesem hat der Landtagsabgeordneter Volkmar Halbleib DGB-Regionalgeschäftsführer Frank Firsching und regionale Vertreter der Einzelgewerkschaften nach Güntersleben eingeladen.

 

Firsching betonte, dass es auch in Mainfranken zwischen Branchen und Betrieben erhebliche Unterschiede beim Tariflohn gibt. Insbesondere im Dienstleistungssektor werde untertariflich bezahlt oder überhaupt kein Tarifvertrag mehr abgeschlossen, so der DBG-Vertreter. Bei gleicher Branche führt dies zu ungefähr 10% Lohnunterschied sowie zu Unterschieden bei Mitbestimmungsrechten und Urlaubsanspruch. „Die Schere zwischen den Arbeitnehmern wird deutlich größer“, warnte Firsching.

 

Dringend benötigt werde daher ein Tariftreuegesetz auf Landesebene, waren sich Halbleib und Firsching einig, mit dem öffentliche Aufträge nur noch an solche Unternehmen vergeben werden, die mindestens auf Tarifniveau bezahlen. Halbleib bedauerte, dass durch Weigerung der CSU-Staatsregierung „alle Bundesländer bis auf Bayern und Sachsen eine solche Regelung auf den Weg gebracht haben.“ Dies sei insbesondere zur Bekämpfung von Altersarmut umso wichtiger, so Halbleib: „Niedrige Löhne führen zu niedrigen Renten.“

 

Und viele Menschen sind verunsichert, ob sie sich mit ihrer Rente auf den Staat verlassen können: „Besonders Menschen mit unterbrochenen Lebensläufen sind betroffen, sei es durch Kindererziehung, Krankheit oder Arbeitslosigkeit“, so Firsching. Deswegen sei es so wichtig, dass das Rentenniveau nicht nur bis 2025, sondern langfristig gesichert werde, machte Halbleib klar. Gerade für die Arbeitnehmer in Unterfranken sei dies wegen der niedrigen Tariflohnquote besonders wichtig.

 

Große Sorgen bereiten Firsching die wachsende Zahl von Anhängern rechtspopulistischer Kräfte in der Arbeitnehmerschaft. Grund hierfür seien auch Abstiegsängste sowie die Sorge um soziale Sicherheit und die Finanzierung steigender Mieten, welche die AfD mit falsche Schuldmustern bediene. „Doch soziale Verbesserungen sind von einer Partei wie der AfD nicht zu erwarten, von deren neoliberalen Reformplänen nicht die Beschäftigte, sondern Reiche und Vermögende profitieren“, macht Firsching deutlich.

von links nach rechts: Matthias Gernert (AfA), Anna Stvrtecky, Richard Brand, Theresa Fenner (IG BAU) Klaus Schmidt, Frank Firsching (DGB), Volkmar Halbleib, Eckhard Beck (DGB-Kreisverband), Eva Maria Linsenbreder, Harald Schmid (EVG) (Foto: Thorsten Reppert)