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Musikkabarett: Biermösl „blosn“ in der ausverkauften Stadthalle

28.03.2011

Schweinfurt - So voll hat man die Schweinfurter Stadthalle wohl schon lange nicht mehr gesehen, doch sind die Biermösl Blosn eben auch hierzulande ein Publikumsmagnet. Immerhin feiern die Well-Buam auch nach dreißigjähriger Bühnenpräsenz noch viele Erfolge im deutschsprachigem Raum. Das Erfolgsrezept der Urbayern ist ganz einfach: Sie verbinden ursprüngliche Volksmusik mit bissigen satirisch - politischen Texten. Besonders Veranstalter Stefan Rottmann zeigte sich bei der Anmoderation sichtlich stolz, solch hochkarätige Künstler im Rahmen der Benefizkabarettserie gewonnen zu haben.


Hinter den Biermösl Blosn verbergen sich Michal, Hansi und Stofferl – alle samt Musikgenies. Nicht weit von jenem Biermoos entfernt liegt das Dorf Günzlhofen, in dem die insgesamt 15 Geschwister aufwuchsen. So spielen die "Well Buam“ regelmäßig zum Volkstanz auf. Die Schwestern Moni, Burgi und Bärbi touren als "Wellküren“ durchs Land. Seit 1976 präsentieren die "Biermösl Blosn" bayerische Folklore und Dialekt auf eine besondere rustikale Art. „Schärfen Sie Ihre Sinne, denn die drei Biermösl werden Ihnen urbayerische Vokabeln um die Ohren hauen“, warnt Rottmann, bevor er die Bühne für das Trio freigab.

Es waren die Geschichten des Kreisheimatpflegers Toni Drexler, die beim Publikum die Lachmuskeln strapazierten. Dem Fränkischen Baron hatte Hansi gar ein ganzes Evangelium gewidmet. Ohne falschen Respekt und in breitem Dialekt wurden Affären von Politikern angeprangert, fragwürdige politische Entscheidungen der Lächerlichkeit preisgegeben und die Eigenarten der Bewohner des Weißwurstäquators reflektiert. Ob blinder Gehorsam, Umweltzerstörung oder Fremdenfeindlichkeit – mit einer gehörigen Portion Sprachwitz und Derbheit wurden Missstände sichtbar gemacht: Ohne moralischen Zeigefinger, aber durchaus mit moralischem Anspruch. Die Gruppe verkörpert und thematisierte das Wechselspiel zwischen Tradition und Moderne, wobei sie eine im besten Sinne des Wortes konservative und zugleich progressive Position vertritt: Kultur und Heimat bewahren, jedoch lebendig, offen und mit viel Humor. Ergänzt wurde der Auftritt in Schweinfurt durch traditionelle Stücke. Allgemein kommt ein breites Repertoire von Instrumenten zum Einsatz, von Gitarre, Tuba und Trompete bis hin zu Alphorn, Dudelsack und Drehleier. Das Publikum war jedenfalls völlig aus dem Häuschen, als Stofferl eines seiner zahlreichen Trompetensolos zum Besten gab, das sich über mehrere Oktaven erstreckte.

„Die Stadthalle bräuchte auch mal wieder einen neuen Anstrich – warum nicht einfach mit Schweinfurter Grün!“, versuchten die Well-Buam gekonnt auf lokalpolitische Themen aufzusatteln. War das doch gerade der Aufhänger für ihren Besuch, um der SuB (Solidargemeinschaft umweltbewusster Bürger) und den von der Sattler Altlast betroffenen Menschen zu Helfen. Überhaupt waren Schweinfurter und Schonunger Themen ein Element des knapp dreistündigen Auftritts. Die Gäste feierten das Trio wie Pop-Stars. Rottmann dankte den Well-Brüdern mit einem Geschenkkorb aus verschiedensten heimischen Biersorten und einem kleinen Gedicht. „Die finanzielle Hilfe tut uns sehr gut!“, freute sich SuB-Vorsitzender Theo Kohmann über eine satte Spende von 2000 Euro. Im Publikum waren dagegen viele bekannte Gesichter auszumachen, so beispielsweise der Volkacher Bundestagsabgeordnete Frank Hofmann, Schonungens dritter Bürgermeister Gerd Barthelmes, Bürgermeister anderer Gemeinde, Stadt-, Kreis- und Gemeinderäte.

Man darf jedenfalls schon heute auf das nächste Highlight gespannt sein, wie Stefan Rottmann verrät. Vor ausverkauftem Festzelt im Schonunger Alban Park wird Lokalmatador Michl Müller erwartet, der dann sein drittes Gastspiel im Schweinfurter Oberland feiert. Auch hier gibt es eine Finanzspritze, die diesmal den Jugendfeuerwehren der Großgemeinde Schonungen zufließen soll, insgesamt tausend Euro.

Das Spendenfoto zeigt von links Christoph Well, 3. Bürgermeister Gerd Barthelmes, Veranstalter Stefan Rottmann, Michael Well, SuB-Vorsitzender Theo Kohmann und Hans Well.


Von: Michael Horling