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Das Stadtfest Schweinfurt 2011: Der Versuch einer Bilanz nach einem heißen und einem wettertechnisch durchwachsenen Tag

28.08.2011

Schweinfurt - Aus und vorbei ist´s, das neue Schweinfurter Stadtfest, Auflage zwei. 2010 ließ das Wetter die Veranstalter im Stich. Diesmal war´s weitaus besser, wenngleich die einst mal im Raum stehende, erhoffte Besucherzahl von 100.000 wohl nur dann erreicht wurde, wenn man auch alle in der Stadt arbeitenden, wohnenden und normal einkaufenden Leute dazuzählt. Oder wenn man das eine oder andere Kaltgetränk mehr konsumiert hat. Denn 50.000 Partyfreunde müssten es an beiden Tagen mit den so unterschiedlichen Temperaturen gewiss gewesen sein....


Der Freitag lief zäh an, die später abklingende Bullenhitze aber sorgte am Abend natürlich für Spätsommer-Feeling und demzufolge fast überall volle Plätze, Bänke und tolle Umsätze. Am Samstag kratzte beinahe schon Väterchen Frost an den Stadtoren. Der Temperatursturz vermieste den Schweinfurtern und den Besuchern trotzdem die Laune nicht generell . Ein bisschen voller freilich hätte es hier wie da schon sein können, das Bier am Samstagabend schmeckte bei vielleicht noch 14 Grad Celsius nicht mehr so richtig.

Stadtfest Schweinfurt, Nummer zwei - der Versuch einer Einschätzung: Das Konzept mit den Open-Air-Plätzen habe sich bewährt, finden die Macher. Gewiss aber ist die Veranstaltung so auch ein wenig zu weit auseinandergezogen, schlicht und einfach auch überladen. Das Weinland im Osten an der alten Stadtmauer mag über die Rückertstraße schnell erreichbar gewesen sein. Mit Marktplatz und Rathaus-Innenhof (mit dem Platz der Industrie und einem Zelt, für das die Unternehmen am Samstag dankbar waren, während am Freitag drinnen noch die Luft stand...) lagen zwei andere Plätze nicht so weit weg. Das Beach-Handball-Turnier auf dem Messeplatz jedoch ließ die rechte Anbindung vermissen. Beach-Volleyball auf Sand gab es früher beim Straßenfest direkt vor dem Rathaus mit Partien abends unter Flutlicht und oft großer Kulisse. Nicht alles war also früher schlecht...

Kritikpunkt zwei: Irgendwie ist das Stadtfest ein zweites Honky Tonk. Musik in Gaststätten gibt´s zwar nicht, doch überall verteilte Bühnen mit Livemusik sind ja schon beim Kneipenfestival das Konzept. Die vielen Plätze sorgen auch für ein wenig Unruhe. Man MUSS überall mal hinschauen, läuft deshalb viel, findet wenig Ruhe. Beim Straßenfest früher war´s so: Zwiebelplootz und Federweißer kaufen, irgendwo hinstellen, essen und trinken, Leute treffen und bis in den Abend hinein schwatzen. Gab´s damals eigentlich Musik? Und war es nicht gespürt immer wesentlich voller? Nun gut, das Straßenfest ist in die Jahre gekommen und wurde deshalb gekippt. Das neue Stadtfest in Schweinfurt sorgte aber auch schon wieder für Stimmen, die besagten, dass der Reiz des Neuen schon nach zwei Jahren wieder abgeklungen ist.

Ach ja: Und natürlich fehlte der Federweißer, das Kultgetränk des einstigen Straßenfestes. In Haßfurt macht man es vor, dort ist das Straßenfest bewusst erst Anfang Oktober gerade deshalb ein Anziehungspunkt auch für die Schwienfurter, weil man seinen Weißen oder Roten dort literweise bekommt. In Haßfurt weiß man, dass es abends schon mal kühler wird, kleidet sich entsprechend. In Haßfurt liegt der Erfolg auch darin, dass es nur eine langgezogene Hauptstraße gibt. Beim Auf- und Abwärtspendeln trifft jeder Gast alle anderen. Alles ist eine Nummer kleiner, doch liegt nicht gerade auch darin der Reiz? Muss es denn so sein, dass an allen Ecken bis nachts über Verstärker laute Musik ertönt?

Warum nicht also auch in Schweinfurt ein "Back to the Roots" und ein Fest mit nur einer, gerne langgezogenen Straße? Ein Start im Osten am Zementrum mit Weinland, dann ein "geschlängeltes" Straßenfest mit Rückertstraße und Spitalgasse, Schultes- und Schrammstraße mit dem Ende in und an der Stadtgalerie, die diesmal gar nicht einbezogen war - natürlich mit Schillerplatz für´s Bier, Marktplatz, Rathaus-Innenhof und Albrecht-Dürer- und Georg-Wichtermann-Platz als Eventfläche. Das Ganze bewusst im frühen Herbst, mit Abendveranstaltung in der bedachten Stadtgalerie und mit einem einbezogenen Sonntag, vielleicht verkaufsoffen.


Von: Michael Horling