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Der Kommentar: Jeder bekommt die Welt so, wie er sie verdient....

27.03.2011

Deutschland hat über 82 Millionen Einwohner. Geht man nach den Zahlen derjenigen, die derzeit NICHT auf der Straße gegen Atomkraft demonstrieren, dann sind es knapp unter 82 Millionen, die wohl doch für Kernkraftwerke sind. Nun gut, nicht jeder kann demonstrieren, manche müssen Samstagnachmittag Fußball spielen, generell arbeiten, mit den Kindern auf den Spielplatz oder finden es einfach zu weit, um beispielsweise nach München zu fahren. Der Verfasser dieser Zeilen reiht sich unter denjenigen ein, die zu diesen Argumenten greifen. Zumindest aber die Schweinfurter und die Bürger aus der Region Main-Rhön dürften am Montag ab 18 Uhr den Weg finden zur dritten Mahnwache für Fukushima auf dem Schweinfurter Georg-Wichtermann-Platz. Sofern sie denn mahnen wollen.


Vielleicht aber muss dann der eine oder andere auch noch seinen Rausch ausschlafen vom frühmorgendlichen Sonntagsfeiern. Sebastian Vettel hat ja gleich das erste Formel 1-Rennen der Saison gewonnen. Hundertausende demonstrieren gegen Atomkraft, Millionen sitzen dagegen vor dem Fernseher und schauen zu, wie PS-starke Rennwagen über die Piste flitzen (und so mancher Altstar schon nach wenigen Kilometern von der Strecke gecrasht wird). In Zeiten stets steigender Spritpreise fragt niemand nach, ob denn so ein Formel 1-Bolide vielleicht nicht auch durch Solarstrom angetrieben werden könnte oder mit reiner Muskelkraft, ob man da nicht Sprit sparen könnte oder gar Reifen. Bei keinen eineinhalb Stunden Fahrten bedeuten drei Wechsel pro Wagen einen unglaublichen Materialverschleiß.

Aber die Welt hat´s ja im Überfluss, Rohstoffe gehen nicht aus, Öl ohnehin nicht. Bei der weltweiten „Earth Hour“ am Samstagabend wär´s ein Zeichen gewesen, wenn auch im Fritz-Walther-Stadion zu Kaiserslautern um 20.30 Uhr für eine Stunde das Flutlicht ausgegangen wäre. Stattdessen haben die Fußballfans in Deutschland sicherlich nicht im Dunkeln den Kick gegen Kasachstan gesehen und den Fernseher ohnehin nicht ausgemacht. Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose, wer braucht da schon die Atomkraft? Aber bei uns gibt´s ja auch keine Erdbeben, wer muss da schon Angst haben vor den AKW´s? Von Schonungen aus sieht man zwar die Grafenrheinfelder Türme, im Evakuierungsplan des Landkreises Schweinfurt wird die zwölf Kilometer vom KKW entfernte Gemeinde aber nicht erwähnt. Aber warum eigentlich überhaupt über Evakuieren informieren, wenn doch eh nichts passieren kann?

Japan ist weit, Strahlen sind keine Touristen - und in den Hauptnachrichten ist Sebastian Vettels Formel 1-Sieg schon wieder mindestens genauso wichtig wie ein Super-GAU in Fukushima. Jeder bekommt die Welt so, wie er sie verdient....


Von: Michael Horling