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DGB-Studie zur momentanen Ausbildungs-Situation: "Wenn der Bauer nicht sät, dann kann er auch nicht ernten!"

23.09.2011

Schweinfurt / Main-Rhön - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) legt mal wieder eine Finger tief in Wunden. "Es gibt Nachrichten, die nicht übereinpassen mit den Aussagen von Politikern. Es wird nicht entsprechend ausgebildet", sagte der Regionsvorsitzende Frank Firsching bei der Vorstellung einer Studie über die momentane Ausbildungssituation und -qualität in Nordbayern. Der für diese Region zuständige DGB-Jugendsekretär Björn Wortmann weiß nach der Auswertung von 650 Fragebögen an junge Azubis: "Es gibt einen Zustand, den wir nicht akzeptieren können!"


Die letzten 20 Jahre gab es auf dem Ausbildungsmarkt immer bis zu 3000 Stellen weniger als Bewerber. "Heute sprechen wir vom Facharbeiter-Mangel. Doch wer hat gestern nicht ausgebildet?", fragt Firsching. "Wenn der Bauer nicht sät, dann kann er auch nicht ernten. Früher hat man Rosinen-Pickerei betrieben. Doch die Sitution hat sich geändert", so der Regionsvorsitzende. 247 Stellen fehlten Ende August im Bereich der Arbeitsagentur Schweinfurt. Im Norden Bayern gibt es noch immer weniger Stellen als Bewerber. "Wir hoffen", sagt Firsching, "dass sich die Schere wieder umkehrt und sich die Bewerber dann endlich wieder ihren Ausbildungsplatz aussuchen können." Wortmann: "Der Bedarf an qualifiziertem Personal wächst, trotzdem bleiben viele Jugendliche unversorgt."

Was die vorgestellte Studie betrifft, so stellte der DGB fest, dass viele Auszubildende ihren Rahmenplan nicht kennen, dass 20 Prozent der über 18-Jährigen regelmäßig Überstunden machen - ohne Vergütung oder Freizeitausgleich. Bei den minderjährigen Azubis arbeiten 15 Prozent mehr als 40 Stunden, obwohl das laut Jugendarbeitsschutzgesetz eigentlich verboten ist. Die Vergütung schwanke von 200 bis 1000 Euro im Monat. "Da stellt sich die Frage, ob manche Auszubildende von ihrem Verdienst überhaupt leben können", so Wortmann.

61 Prozent der Azubis wissen nicht, ob sie später übernommen werden, zehn Prozent wissen sicher, dass das nicht der Fall sein wird. "Das schlägt sich natürlich auf die Motivation aus", weiß der Jugendsekretär, der ebenso in Erfahrung brachte, dass Azubis mit einer Interessensvertretung wie einem Betriebsrat zufriedener sind. Die Forderung des DGB aufgrund der Studie: Kammern und zuständige Stellen müssen mehr kontrollieren, eine gesetzliche Ausbildungsumlagefinanzierung müsse her. "Betriebe, die sich nicht beteiligen, sollen zur Kasse gebeten werden", fordert Frank Firsching. Die Vergütung für die Azubis müsse existenzsichernd sein, geschlechtsspezifische Unterschiede, wie ebenso ermittelt, sollen der Vergangenheit angehören. Und natürlich müsse das Ausbildungsangebot vergrößert werden: Auf 112,5 Stellen für 100 Bewerber, wonach in der Region aktuell über 700 Plätze fehlen. Klar auch für den DGB: Leiharbeit und Befristung nach der Ausbildung dürfen nicht mehr sein. "Die Leute brauchen eine Perspektive", so Börn Wortmann.

Drei der vier Großbetriebe in Schweinfurt hätten aktuell (allerdings auslaufende) Betriebsvereinbarungen für eine unbefristete Übernahme, weiß Nina Zach von der IG Metall. Laut Tarifvertrag sind zwölf Monate nach der Ausbildung bislang gesichert. "Aber da wollen wir nun den nächsten Schritt gehen." Für 1. Oktober haben sich bereits 400 Personen angemeldet, um in Köln lautstark dafür zu demonstrieren. Was den öffentlichen Dienst betrifft, so spricht der stellvertretende ver.di-Geschäftsführer Sinan Oztürk von aktuell zwei Großbaustellen in der Region: Bei der Bundeswehr steht bundesweit eine Reduzierung von 5000 auf 500 Ausbildungsplätze im Raum. Hammelburg ist davon betroffen, "und ansonsten meist ohnehin strukturschwache Standorte", so Öztürk. Beim Wasser- und Schifffahrtsamt mit seinen 450 Arbeitsplätzen in Bad Kissingen und Schweinfurt befürchtet Öztürk einen großen Aderlass aufgrund der Privatisierungspläne der FDP.

In Köln erwartet die IG Metall über 15.000 junge Menschen. Alleine aus der Region Schweinfurt werden über 400 Aktive dabei sein. Das ist fast die Hälfte der 1.000 Auszubildenden, die Mitglied der IG Metall sind. Eine beeindruckende Zahl. Vor allem die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung steht für die Jugendlichen aus der Region ganz weit oben auf der Agenda. „Dass so viele mit nach Köln fahren zeigt, wie wichtig uns die Übernahme nach der Ausbildung ist!“ so Eva Wohlfahrt, Vorsitzende des OJA Schweinfurt. Am Montag, den 26. September 2011, ab 16.30 Uhr stimmt sich die IG Metall Jugend Schweinfurt in der Spitalstraße auf den Aktionstag ein. So werden dort bei einer öffentlichen OJA Sitzung Transparente gemalt und aktuelle Probleme aus den Betrieben besprochen. Die Schweinfurter IG Metall Jugend hat zuletzt bereits eine ganze Reihe von Aktionen unter dem Motto „Ein fester Stand ist Gold wert!“ in den Betrieben auf den Weg gebracht. Die unbefristete Übernahme wird auch in der nächsten Tarifrunde im Frühjahr 2012 eine Hauptforderung der IG Metall sein.

Das Bild mit allen stehenden Personen zeigt von links: Björn Wortmann (DGB-Jugendsekretär Nordbayern), Frank Firsching (DGB-Regionsvorsitzender Schweinfurt - Würzburg), Nina Zach (IG Metall-Verwaltungsstelle Schweinfurt) und Sinan Öztürk (stellvertretender Geschäftsführer ver.di Schweinfurt).


Von: Michael Horling