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Regionale Atomkraft-Gegner wollen "die Bewegung am Kochen halten"

29.03.2011

Schweinfurt - Von einer Bewegung wie bei den Leipziger Montagsdemonstrationen ist man in Schweinfurt zwar noch ganz weit entfernt. Um die 500 Menschen aber dürften es am Montag wieder gewesen sein, die sich ab 18 Uhr für nicht ganz eine Stunde auf dem Georg-Wichtermann-Platz (früher Postplatz) versammelten, um zum dritten Mal schon mit einer Mahnwache den Opfern rund um Fukushima zu gedenken und erneut mit Vehemenz den Ausstieg aus der Kernenergie zu fordern. Rhythmische "Ausschalten"-Rufe erklangen mehrmals zwischen den einzelnen Reden. Bis Ostern sollen diese Kundgebungen / Demonstrationen möglichst bei wachsendem Interesse an selber Stelle zu gleicher Zeit fortgesetzt werden. Für Ostermontag schließlich ist die größte Protestbewegung auf einer Wiee zwischen Berg- und Grafenrheinfeld geplant. Einen Tag vor dem 25-jährigen Jubiläum der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.


220 weltweite Störfälle listeten die Gegner auf und schrieben jeden einzelnen auf ein Band, das quasi als mahnende Menschenkette den Platz umschlang. "Fukushima ist überall. Atomausstieg jetzt" lautete das Motto des frühen Abends. Es war die erste Mahnwache nach den regionalen Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. "Es erstaunt, dass es noch immer so viele Leute gibt, die den Atom-Parteien ihre Stimme geben", findet Atomkraft-Gegnerin Babs Günther trotz der allgemeinen Zufriedenheit über den Ausgang. Den Begriff "emotionale Wahlentscheidung" hält sie für "unheimlich arrogant, denn wir haben gewichtige Gründe. Die Situation in Japan ist in keinster Weise unter Kontrolle. Sicher ist nur, das dort für viele Menschen die Lebensgrundlage zerstört ist".

EON solle sein Geld "nicht mehr in unsinnige Revisionen stecken, sondern meinetwegen Biogas-Anlagen bauen", regte der Grünen-Kreisrat Walter Rachle zum Ausbau regenerativer Energien an und kündigte dauerhafte Protestbewegungen an, "bis Grafenrheinfeld abgeschaltet ist". So wie derzeit, allerdings nur für die stichpunkthaltige Überprüfung und "den Ausbau des Skandal-Rohres, was seit einem Jahr überfällig ist", wie Günther ergänzte. SPD-Stadtrat Dr. Herbert Wiener kritisierte den Katastrophenschutzplan für einen eventuellen Störfall in Grafenrheinfeld und nannte die dort vorgesehenen Evekuierungsvorhaben ein "lächerliches Unterfangen". Gerade in und um Schweinfurt müsse man beispielshaft vorangehen und regenerative Energien ausbauen.

"Die Bewegung muss am Kochen gehalten werden", forderte der Linke Wolfgang Ziller den mahnenden Demonstranten auf, mit diesen Montags-Kundgebungen weiterhin Druck aufzubauen. Solange die Nachrichtenlage aus Japan sich nicht bessert und aus Fukushima weiterhin Katastrophales vermeldet wird, dürfte das als Nährboden wohl die Protestbewegungen noch anwachsen lassen.


Von: Michael Horling