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Ein Abstellraum auf hohem Niveau

02.12.2010

Schweinfuirt - Gut möglich, dass mit dem neuen Depot der Museen und Galerien der Stadt Schweinfurt indirekt der Grundstein gelegt ist für ein weiteres Großprojekt. "Ich schließe nicht aus, dass das die Keimzelle ist für ein Industriemuseum. Man soll als Stadt ja Visionen haben", meinte Oberbürgermeister Sebastian Remelé bei der Eröffnung des "Abstellraums auf hohem Niveau", wie es SWG-Geschäftsführer Alexander Förster ausdrückte.


Die Stadt- und Wohnbau GmbH errichtete den rund 620.000 Euro teuren und mit 50.000 Euro vom Bezirk Unterfranken bezuschussten Bau. Der entstand auf dem Gelände der Feuerwehr in der Adolf-Ley-Straße im Gewerbegebiet Hainig gleich neben den Discotheken Rockfabrik und Megadrom. Im Depot werden künftig kulturgeschichtliche Exponate, darunter die stetig wachsende Sammlung zur Industriegeschichte Schweinfurts, untergebracht. "Vorher lagerten sie an insgesamt sieben Außenstellen", weiß Remelé, neben Bauhof oder Spinnmühle teilweise auch in Tiefgaragen des Stadtgebietes.

Die Geschichte der Stadt, ihrer Unternehmer, aber auch der Arbeiter, der einfachen Bürger also zeigen die mehr als 5000 Objekte im Depot. Die meisten sind in der rund 900 Quadratmeter großen und sechs Meter hohen Haupthalle auf Hochregalen verstaut. Daneben gibt es ein kleines Büro und eine Quarantänestation (!) für Exponate, die eventuell von Schädlingen oder Ungeziefer befallen sind. Ein raffiniertes Temperiersystem gleicht Schwankungen auch bei der Luftfeuchtigkeit aus, was sich für eine langfristige Bewahrung der Objekte positiv auswirkt.

"Vom Zinndeckel des Arbeiter-Radfahrerbundes bis zum Gasmotor, vom Herkules-Motorrad bis zur kompletten Sattlerwerkstatt" hat der OB beim Besichtigen Gegenstände entdeckt. Auch der "Lügenbeutel" gehört dazu, ein Wetterhäuschen, das früher auf dem Marktplatz stand, dessen Instrumente aber wohl nicht immer genau anzeigten. In eine Datenbank namens MuseumPlus wurden alle Informationen der Exponate übertragen, alle wurden vermessen und fotografiert. Das Kulturamt hat dafür die Kulturwissenschaftlerin Anita Kuisle M.A. beauftragt.

Im Mai 2011 können die interessierten Bürger an einem Tag der offenen Türe das Depot besichtigen. Im Herbst 2011 wird die Ausstellungsreihe "Made in Schweinfurt" einige der gesammelten Schätze wohl wieder im Konferenzzentrum auf der Maininsel zeigen. Und für die Fortführung der Sammlungen feilt man derzeit an einem Sammlerkonzept um zu entscheiden, welche Gegenstände der heutigen Zeit für die Zukunft bewahrenswert sind.

Museen und Galerien der Stadt Schweinfurt sind das bereits 1890 gegründete Museum Altes Gymnasium, das Gunnar-Wester-Haus, die naturkundliche Sammlung in der Harmonie, der Künstlerhof Oberndorf sowie die 2009 eröffnete Kunsthalle. Das neue Depot ist eine Weiterentwicklung des Projektes "Ars Industria - Forum für Tradition und Innovation".


Von: Michael Horling