Soziale Netzwerke

  

Anzeige

ERV plant Icedome-Dringlichkeitsantrag im Stadtrat

02.12.2010

Schweinfurt - Als "weißen Rauch aus dem Rathaus" bezeichnete es der Vereinsvorsitzende, als Signal, helfen zu wollen. Dass der Stadtrat dem ERV Schweinfurt nun doch 168.000 Euro an Unterstützung für 2011 zahlt anstelle zunächst beschlossener 26.000 Euro weniger, gefällt natürlich auch Stefan Labus. Dennoch aber ist damit die Zukunft der vereinseigenen Eishalle "Icedome" lange noch nicht gesichert. Im Gegenteil: Weitere wohl 500.000 Euro für eine dringend notwendige Belüftungsanlage schon im nächsten Jahr kann der Verein sicher nicht stemmen. Bei einer Pressekonferenz informierten die Verantwortlichen, wie die Zukunft ausschauen könnte.


"Keine Champagnerlaune" kam beim 2. Vorsitzenden Stefan Graf auf, lediglich Zufriedenheit, als der erhöhte Zuschuss bekannt wurde. Er zeige, dass die Stadträte sehr wohl in ihrer Mehrheit erkannt haben, was der Verein leistet. Graf zeigte es nochmals auf und betonte, dass der Zuschuss ja nicht in den Sportbetrieb des Vereins fließe, sondern lediglich Betriebskosten mit abdecke für die Eishalle. Teile der Gelder gehen monatlich gleich an die Sparkasse für den noch zu zahlenden Kredit aus der Überdachungszeit und an die Stadtwerke für die Bezahlung der Energiekosten. Dafür stellt der ERV dann den Icedome bereit, in dem rund 38.000 Besucher pro Winter-Halbjahr zum Eislaufen kommen, darunter 14.00 Schul- und Kindergartenkinder. 400 Besucher erfreuten sich unlängst erst bei einer Eisdisco. "Wir fördern Bewegungsfreude, holen die Kinder weg vom PC und vom Fernseher, holen sie raus zu Sport und Spaß", sagt Graf.

Gleichwohl steuert der ERV Schweinfurt auf ein Liquiditätsproblem zu, wenn alles so weiter läuft wie bisher. Das Eishallenkonto habe fast die Nulllinie erreicht. Rund 20.000 Euro steckt alleine der Verein jedes Jahr in die Eishalle. Auf Dauer aber gehe das nicht. "Irgendwann können  wir unsere Nachwuchsmannschaften nicht mehr zu den Auswärtsspielen schicken", befürchtet Stefan Graf. Dass der Verein zur Transparenz und zum partnerschaftlichen Miteinander mit der Stadt bereit ist, möchte er gerne auch den 18 Stadträten zeigen, die am Dienstag gegen 26.000 Euro mehr gestimmt haben.

Eigentlich will der ERV aber noch viel mehr. Die Auflagen der Landesgewerbeanstalt, wonach ohne (rechtzeitig zu planende) Belüftungsanlage zum Trocknen der Dachbalken die Halle kommenden Winter dicht machen muss, wird der ERV alleine nicht stemmen können. Und deshalb beruft er sich nun auf eine Aussage des Schweinfurter Sportreferenten Jürgen Mainka, der unlängst versicherte, die Stadt würde die Halle im Zweifel übernehmen. Bei der Jahreshauptversammlung statteten die Vereinsmitglieder ihre Vorstände mit der Vollmacht zu Verhandlungen aus. "Konstruktive Gespräche" erhofft sich Graf schon in Kürze. "Denn wir wollen auch für kommende Generationen in Schweinfurt weiter Eissport anbieten." Und auch die Mighty Dogs wollen frühmöglich planen können. Vor der Saison musste man zwei Stürmern absagen, die gerne zum Eishockeyteam gestoßen wären, die aber eine Zusage für zwei Spielzeiten und die Zeit ihres Vordiploms als Studenten in Würzburg haben wollten. Länger als eine Saison aber konnte Trainer Steffen Reiser da nicht garantieren.

Nun wird es einen Dringlichkeitsantrag geben, damit bei der letzten Stadratssitzung in diesem Jahr drei Tage vor Heiligabend das Thema "Übernahme der Eishalle durch die Stadt" im Rathaus auf die Tagungsordnung kommt. "Wir müssen das Signal haben, ob die Stadt sich bereit erklärt", sagt Stefan Labus. Selbst könne man eine sechsstellige Summe nicht zahlen, weil der Verein keine Rücklagen bildete. Im schlimmsten Fall drohe dann die Insolvenz. Übernimmt die Stadt die rund 500.000 Euro für die Belüftungsanlage und gewährt künftig nochmals rund 30.000 Euro an jährlichem Zuschuss mehr, dann könnte es durchaus auch so weitergehen wie bisher. Lieber aber ist es dem Verein mittlerweile, die Regie aus den eigenen Händen zu geben. "Dann tut sich die Stadt vielleicht leichter, einen sechsstelligen Betrag in die Hände zu nehmen, wenn die Halle ihr Eigentum ist", glaubt Graf. Wohl über 300.000 Euro jährlich würde der Stadt der Betrieb wohl kosten, rechnet der ERV hoch, der bislang vor allem durch die gesamte Familie Dietmar ehrenamtliche Arbeit leistet - nicht nur an der Kasse oder bei der Ausgabe der Schlittschuhe.

Auf dem Bild von links: Eishockey-Trainer Steffen Reiser, 1. Vorsitzender Stefan Labus, 2. Vorsitzender Stefan Graf und Stephan Steinert von der Abteilungsleitung der Mighty Dogs.


Von: Michael Horling