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Gedenkstätte für Zwangsarbeiter feierlich eingeweiht

26.09.2011

Schweinfurt - 10 000 Frauen und Männer aus zahlreichen europäischen Ländern wurden während des 2. Weltkriegs nach Deutschland verschleppt und mussten in der Großindustrie Zwangsarbeit verrichten. Ihnen zu Ehren wurde nun auf dem ehemaligen Gelände des Zwangsarbeiterlagers in Oberndorf eine Gedenkstätte geschaffen, welche am Sonntag der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Auf diese Weise möchte der Initiator und Organisator der Gedenkstätte, die „Initiative gegen das Vergessen“ sicherstellen, dass das Leiden und die Not der Zwangsarbeiter niemals in Vergessenheit geraten. Möglich gemacht wurde die Gedenkstätte durch Spenden der Schweinfurter Großindustriefirmen ZF-Sachs, SKF, FAG und Bosch-Rexroth.


Drei, auf dem ehemaligen Lagergelände Mittlere Weiden am Main-Radweg im Stadtteil Oberndorf gepflanzte Lindenbäume, bilden ein Areal in dessen Mitte eine halbkreisförmige Steinbank steht. Auf der Sitzfläche der Bank findet der Betrachter in großen goldenen Buchstaben den ersten Paragraphen unseres Grundgesetzes eingraviert, mit den allgemein bekannten Worten: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Derart beschaffen soll der nun eingeweihte Gedenkort der „Initiative gegen das Vergessen“ einerseits zum schattigen Verweilen und Nachdenken anregen, andererseits aber auch davor warnen ähnliches Unrecht jemals wieder geschehen zu lassen. Der Entwurf der Gedenkstätte stammt hierbei vom international bekannten Künstler Herman de Vries, der in der Nähe von Hassfurt lebt und arbeitet.

 

Der neue Gedenkort soll den Endpunkt für Führungen zum Thema Zwangsarbeiter in Schweinfurt darstellen und für diese einen würdigen Abschluss bilden. Der Erinnerungsweg führt entlang des Radweges und des Geländes des ehemaligen Zwangsarbeiter Lagers. Hier wird auf mehreren Informationstafeln auf die Schicksale von Einzelpersonen eingegangen, aber auch allgemeine Informationen zum Thema geboten. Der Gedenkweg, aber auch die Gedenkstätte sind hierbei Ausdruck des neuen Umgang Schweinfurts mit dem Thema Zwangsarbeit. Wurde das Thema früher oftmals totgeschwiegen, ist man derzeit bereit sich diesem zu stellen. Dies hat einen immens hohen Anteil daran, Kenntnisse über die NS-Zeit auch langfristig zu wahren. Ein Prozess der ungeheuer wichtig ist. Denn nur so lässt sich sicherstellen, dass derartiges nie wieder geschieht.

 

Um die Bedeutung der Zeremonie zu unterstreichen, waren dann auch sowohl hohe Vertreter der Geistlichkeit, als auch der Politik erschienen, sowie der Ukrainische Generalkonsul. Zudem fanden sich bei strahlendem Sonnenschein zahlreiche Interessierte ein, so dass die durchwegs gelungene Veranstaltung in würdigem Ambiente stattfinden konnte. Allen voran, während den immer wieder eingebauten emotionalen Lied-Einschüben, war es den Kindern und nahen Verwandten, der ehemaligen Zwangsarbeiter, sowie dem einzigen anwesenden ehemaligen Zwangsarbeiter Herrn Volodymyr Zamorsky anzusehen, dass sie mit ihrer Fassung rangen und Tränen in den Augen hatten. Zu viele bittere Erinnerungen verbanden sie wohl mit dem heute so friedlich aussehenden Areal auf den Oberndorfer Wiesen.

 

Friede, Ruhe, Wohlstand und Glück waren es dann auch, welche das Zentrum der Reden der Zwangsarbeiter bildeten. Hatten zuvor Oberbürgermeister Sebastian Remelé und Ex-Care-Geschäftsführer Willi Erl noch betont, wie wichtig es sei, vergangenes nicht zu vergessen und daraus zu lernen, betonten sowohl Herr Volodymyr Zamorsky als auch der Sohn des ehemaligen Zwangsarbeiters Leonardo Galosi selbiges. Sie verwiesen aber auch darauf, dass es nicht nur wichtig sei nicht zu vergessen, sondern, dass man das eigene Leben, den Frieden und die Freiheit in der wir dank eines geeinten friedlichen Europa leben dürfen, hoch einschätzen solle. Denn dies stelle sicher, dass unsere Generation ähnliches Leid, wie der des 2. Weltkrieges, erspart bleibt.

 

Bilder: Einweihungsfeier und Gedenkstätte 


Von: Norbert Klauth