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Marketing statt „Rooming in“: Die Schweinfurter Grünen kritisieren mal wieder das schwimmende Hotel auf dem Main

15.02.2012

Schweinfurt - Eine Bestätigung ihrer bereits vor zwei Jahren vorgebrachten Bedenken sehen die bündnisgrünen Stadträte Marc-Dominic Boberg und Roland Schwab in den jüngsten Veröffentlichungen über das geplante, schwimmende Elternhaus auf dem Main, das im Frühjahr 2013 vor Anker gehen soll. Es wurde bekannt, dass nicht alle Beteiligten von der Lage weit weg vom Leopoldina-Krankenhaus begeistert sind. Auch scheint das Schiff im Vergleich zur Nachfrage größer zu werden als vielleicht notwendig.


"Ein Haus an Land, innerhalb des Leopoldina Krankenhauses oder in unmittelbarer räumlicher Nähe, wäre wohl allein schon mit der Spende des Herrn Pocher zu realisieren gewesen.
So aber verkomme das zumindest teilweise sinnvolle Projekt der Schaffung weiterer Übernachtungsmöglichkeiten für die Eltern von Kindern im Krankenhaus zu einem reinen Prestigeobjekt und Marketinggag – auf dem Rücken von Eltern und Kindern", schreiben die beiden Grünen in einer Pressemitteilung.

Chefarzt Dr. Hermann sei sehr zu loben, dass er die eigentlichen Bedürfnisse der Zielgruppe in den Mittelpunkt seiner Überlegungen stelle und die praktischen Mängel des weit entfernten Schwimmhauses klar benenne. Für die beiden Grünen sei es offensichtlich, dass ein Angebot an die Familien nur im engsten Umkreis um das Krankenhaus sinnvoll sei („Rooming in“ = Leben von einem Elternteil im Zimmer des Kindes).

Der einzige Nachteil einer solchen pragmatischen Lösung liege vermutlich darin, dass sie nicht ausreichend prestigeträchtig sei und Schweinfurt damit nicht in die internationalen Schlagzeilen kommen könne. Dies sei aber anscheinend das Hauptziel der städtischen Wirtschaftsförderung und der federführenden Konzernstiftung, vermuten die Grünen. Wie anders solle man es denn verstehen, so Marc-Dominic Boberg und Roland Schwab, wenn gebetsmühlenartig vom „weltweit ersten schwimmenden Elternhaus“und nicht von den Betroffenen die Rede sei.

Dabei werde billigend in Kauf genommen, dass die Überwindung genehmigungsrechtlicher Hürden und das Sammeln erhöhter Spendenmittel zu einer Verzögerung der Hilfe von inzwischen mindestens drei Jahren führe.


Von: Michael Horling