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"Neue Hadergasse": Ausgrabungen laufen - und die Justizvollzugsanstalt hat wegen des Studentenheims Bedenken

29.08.2011

Schweinfurt - Der Ferienausschuss am Donnerstag im Schweinfurter Rathaus beschäftigt sich mal wieder mit dem großen Bauvorhaben "Neue Hadergasse". Es geht um die Änderung des Flächennutzungsplanes für den Bereich zwischen Neutorstraße, Wolfsgasse, Hadergasse, Justizvollzugsanstalt und Stadtmauer. Ein neuer Bebauungsplan muss aufgestellt werden, zudem erfahren die Stadträte das Ergebnis der Beteiligung von Öffentlichkeit, Behörden und Träger öffentlicher Belange. Und dabei geht es um einige Einwände der Justizvollzugsanstalt.


Wer in diesen Tagen über den einstigen Parkplatz neben dem demnächst vor dem Abriss stehenden Parkhauses Hadergasse läuft, sieht, wie das Gelände derzeit archäologisch untersucht wird. Freigelegte Kelleranlagen hält die Schwarzacher Firma Heyse, ein Büro für Ausgrabungen und Dokumentationen, im Auftrag der Stadt fest. Gerade das ehemalige Lebküchnerhaus aus dem Jahr 1598 und die dazugehörige großzügige Gartenanlage, die sich über die gesamte Fläche des Freiparkplatzes erstreckte, ist in seinen unterirdischen Grundresten nun wieder gut zu sehen. Die Bomben des Weltkrieges zerstörten einst das Lebküchnerhaus. Wer sich die alten Funde anschauen möchte, sollte die Gelegenheit nun nutzen. Denn nach der Dokumentation rücken die Bagger an und heben den Boden aus für die Tiefgarage, die über den Masseplatz (neben der Kunsthalle) durch einen Tunnel unter der Stadtmauer befahren wird. Am Tag des offenen Denkmals (11.9.) soll die Öffentlichkeit sogar die Möglichkeit einer Begehung des Areals bekommen.

Das Projekt "Neue Hadergasse" sieht an dieser Stelle ein Hotel, ein Studentenwohnheim sowie zwei weitere Hochbauten für Büros, Läden und Wohnungen vor. Schon im September soll mit dem Abriss das alten Parkhauses begonnen werden. Bereits Ende 2012 dürfte die neu geplante Tiefgarage mit ihren 477 Stellplätzen fertig sein.Zurück zum nun tagenden Ferienausschuss: Nördlich der Justizvollzugsanstalt steht bisher das alte Parkhaus, das zur Anstalt hin lediglich eine Betonwand ohne Fenster aufweist. Zudem ist das Obergeschoss seit Jahren schon nicht mehr begehbar. Die Anstalt widerspricht nun der Bebauung mit Wohn- und Geschäftshäusern in unmittelbarer Nachbarschaft, weil das eine sichere Unterbringen erheblich gefährden könnte. Gerade im Falle einer Geiselnahme oder eines Ausbruchs wären die benachbarten Bürger besonders gefährdet.

Zudem bestehe durch das mehrgeschossig geplante Studentenwohnheim gleich neben dem Gefängnis die Möglichkeit einer Kontaktaufnahme zwischen Bewohnern und Gefangenen. Beschwerden der Anwohner seien somit vorprogrammiert. Vom Wohnheim aus bestünde eine Sichtmöglichkeit über die Mauern hinweg auf das Anstaltsgelände und in die Haftstuben, könne auch der An- und Abtransport beobachtet werden. In der Stellungnahme ist andersherum gar die Rede von einem "Sichtmagneten" bei Sexualkontakten der Studierenden durch die Möglichkeit für die "weitestgehend entzügigen Gefangenen", in die Wohnräume zu blicken. Auch könne man gegenseitig Kontakt aufnehmen, bestünde die Möglichkeit, unerlaubte Ggeenstände in die Anstalt zu werfen. Angeregt ist nun ein wirkungsvoller Sichtschutz zwischen Wohnheim und Gefängnis - womöglich künstlerisch gestaltet oder versehen mit einer Leuchtreklametafel, wie man sie schon auf dem benachbarten Hochhaus am Jägersbrunnen findet.


Von: Michael Horling