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Potential des Vorhandenen – Informationsabend der Schweinfurter CSU mit viel Brisanz

24.09.2011

Schweinfurt – Unter dem Motto „Potential des Vorhandenen“ lud die Schweinfurter Stadtratsfraktion zu einem Vortrag mit den Themenschwerpunkten: Wandel, Stadtumbau, Stadtplanung und architektonische Entwicklung ein. In dem Vortrag des mehrfachen Architekturpreisträgers Dipl. Ingenieur Univ. Muck Petzet ging es vor allem um den Erhalt alter Bausubstanz und deren Eingliederung in das Stadtbild. Dies stellte natürlich eine passende Steilvorlage für die Gegner des Abrisses des Alten-Städtischen-Krankenhauses dar, so dass man auf deren Reaktion gespannt sein durfte.


Eigentlich sollte es ein unpolitischer Abend werden. Man wolle sich lediglich weiterbilden und informieren, so der Vorsitzende der CSU-Stadtratsfraktion Stefan Funk. Hierbei habe man bewusst die Thematik Stadtplanung und Entwicklung gewählt, da dieses ein wichtiges Zukunftsthema darstelle. Da die Thematik der Stadtplanung und der Sanierung von Altbauten allerdings nicht nur eine Problemstellung der Zukunft darstellt, sondern besonders auch der jüngeren Vergangenheit, handelte es sich bei der Veranstaltung trotz des rein informativen Charakters um ein Politikum. Es war offen, ob vor allem diejenigen Vertreter des Stadtrates, die sich für den Erhalt des „Alten Krankenhauses“ stark gemacht hatten, die Steilvorlage der CSU nutzen würden, um erneut Front gegen den Abriss zu machen. Bis auf einige wenige Ausnahmen blieb es allerdings bei dem weitestgehend unpolitischen Abend. Funk sah sich zwar gezwungen, noch einmal darauf zu verweisen, dass die Mehrzahl der Schweinfurter Bürger sich für den Abriss entschieden haben und der Referent sah sich genötigt mehrmals zu erklären, dass er zu wenig Kenntnisse über die Sachlage besitze um ein eigenes Urteil abgeben zu können. Er habe lediglich ein Foto des Baus gesehen und es als „schön“ empfunden, das müsse allerdings nicht heißen, dass sein Erhalt deshalb auch Sinn mache.

 

Hierbei handelte es sich um eine Aussage, mit der sich der Architekt durchaus treu blieb, ohne wirklich Stellung zu beziehen. Denn der von der CSU-Ortsverbandsvorsitzenden Theresa Schefbeck eingeladene Referent Dipl. Ingenieur Petzet stellte grundsätzlich einen Vertreter einer Architekturrichtung dar, die eher für den Erhalt alter Bausubstanz und gegen dessen Abriss plädiert, diesen aber durchaus akzeptiert, wenn man auf Basis gründlicher Überlegungen zum Schluss komme, dass dies die sinnvollste Lösung sei. Gründliche Überlegungen wären nach Sicht des Referenten der Erhalt jeden alten Bauwerks Wert, denn jedes Gebäude besitze ein eigenes „historisches Ambiente“ und passe in der Regel zur Umgebung bzw. könne oft problemloser in diese integriert werden, als der erste Blick vermuten lasse. Zudem werde bei den Berechnungen energetischer Einsparungen eines Neubaus oftmals vergessen, dass der Abriss der vorhandenen Bausubstanz und deren Zerstörung Unmengen an Ressourcen verschwende und somit erst einmal umweltschädlich und nicht umweltfreundlich sei.

 

Als weiteren Punkt der für den Erhalt alter Bausubstanz spricht, führte der Architekt zudem die Tatsache an, dass die Wiederverwendung alter Bausubstanz in der Regel mehr Raum für Kreativität lasse, als ein Neubau. Dies mag auf den ersten Blick verwundern, liegt aber an der Tatsache das Neubauten nur dann wirtschaftlich sind, wenn industrielle Massenware verbaut wird. Bei Altbausanierungen hingegen, gibt es keine Fertiglösungen, sondern man muss versuchen aus der vorhandenen Bausubstanz durch Kreativität das beste Ergebnis herauszuholen. Anregungen für derartiges kreatives Umbauen beziehe Herr Petzet hierbei vor allem aus den Bereichen der Kunst, des Automobilbaus, aber auch des Recyclings. So fertige man zum Beispiel in der Goldschmiedekunst aus alten Ringen mit einfachen Veränderungen neue herausragende Meisterwerke oder habe aus dem alten VW- Käferdesign, den neuen VW Beetle geschaffen. In ähnlicher Weise könne man aus alten Wohnblöcken oder Nutzgebäuden durch passendes Re-Design neue architektonische Meisterwerke schaffen, die den alten Charme und den historischen Wert des Gebäudes mit zeitgemäßem Design verbinden würden. Als bestes Beispiel hierfür führte Herr Petzet den von ihm umgebauten „Hoyerswerda Tower“ an. Bei diesem handelt es sich um ein zentral gelegenes Gebäude in Hoyerswerda, welches sich durch Umbau von einem ungeliebten Plattenbau zu einem Wahrzeichen der Stadt mit eigenem Autobahnschild entwickelt hat und trotzdem noch Plattenbaucharakter besitzt und somit den Besucher die „Luft der Vergangenheit“ atmen lässt.

 

Das derartiges auch in Schweinfurt möglich ist, dürfte allein der Umbau des Ernst-Sachs-Bades zur Kunsthalle, neben vielen weiteren derartigen Projekten, bewiesen haben. Darüber, ob man im Falle des Alten-Städtischen-Krankenhauses ähnlich hätte handeln müssen, gibt es erwiesenermaßen zwei Meinungen. Seit dem Scheitern des Bürgerentscheides sollte es allerdings keine Zweifel mehr geben, welche die Schweinfurter Mehrheit hinter sich weiß. Man muss allerdings auch festhalten, dass es für die CSU in Zukunft besser wäre zu vermeiden, die Schweinfurter Bevölkerung aufgrund städtebaulicher Maßnahmen erneut derart zu spalten. Geht man davon aus, dass genau aus diesem Grund die gestrige Informations- und Weiterbildungsmaßnahme stattfand, darf man für die Zukunft hoffen, dass alle Seiten nun begriffen haben, wie wichtig den Bürgern der Erhalt geschichtlich wertvoller Gebäude ist.

 

Bild: Dipl. Ingenieur Univ. Muck Petzet beim Vortrag.


Von: Norbert Klauth