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Restlos besetzte Michaelskirche beim Motorrad-Gottesdienst

02.05.2011

Schweinfurt - Schon lange vor Beginn des Motorrad-Gottesdienstes, „Mogo“ wie er liebevoll genannt wird, war die Kirche St. Michael am Sonntag restlos besetzt, Stühle wurden bei geschleppt, Bänke und andere besetzbare Gegenstände. Für eine große Zahl von Gottesdienstbesuchern blieb letztlich nur der Fußboden, die Altarstufen oder die Stufen zum Ambo, um der Predigt von Pfarrer Roland Breitenbach zu lauschen.


Erster Mai, Tag der Arbeit, wer wollte konnte die Kundgebung des DGB-Tag besuchen, in der Kirche im Musikerviertel wurde wie seit 30 Jahren schon die Freiluftsaison für die Motorradfahrer geöffnet. Tausende Biker kamen aus dem Freistaat von überall her und darüber aus der ganzen Republik zum großen Familientreffen.

Breitenbach zog einen Durchmesser von 700 Kilometern in der Nord-Süd- und 500 Kilometer in der West-Ost-Richtung, aus der die Biker angereist sind. Seit drei Jahrzehnten wird das Treffen in St. Michael festlich begangen – festlich mit der in St. Michael üblichen Festlichkeit, ohne Pomp und kultische Überhöhung, dafür als großartige Feier des Lebens, die niemand abseits stehen lässt, sondern machtvoll mitreißt.

Auch in diesem Jahr mündete sie in den bewegten 68er-Gesang „We shall overcome...“, der einmal mehr seine hervorragende gemeinschaftsbildende Qualität unter Beweis stellte. Dazu hatten die Besucher ihre Halstücher aneinander geknotet, um eine endlose Friedenskette zu bilden.

„Alles in Eins“ war das Motto der Feier und dazu hatte sich der Michelspfarrer ein mathematisches Kabinettstückchen ausgedacht mit der Symbolik von 1 + 1 + 1 = 111 und alle Teilnehmer erhielten ein Kreuz zum Umhängen in den Farben der fünf Erdteile, die schon vor Beginn des Gottesdienstes restlos vergeben waren. Über 4000 Exemplare waren geprägt worden.

Breitenbach konzentrierte seine Predigt auf den Begriff „Mythos“, der sich auch auf den Motorradgottesdienst anwenden lasse, in dem sich die Zusammengehörigkeit einer Glaubens- und Vertrauensgemeinschaft verwirkliche als gelebte Gemeinschaft ohne Punk, ohne Protz und steife Riten, die sich nicht als tragfähig erweisen.

Schließlich kritisierte er die Amtskirchen und ihren beharrlichen Streit um das bessere Abendmahl, bei dem es in Wein und Brot um den Anteil an Jesu Leben gehe. Weil es genügend verkopfte Realisten gebe, appellierte der Prediger an die Menschen, die frei  sind zu glauben und den Traum von Frieden und Gerechtigkeit für sich wahrzumachen.

In einem überwältigenden Defilée mit gutural murmelnden Motoren zogen die Biker im Anschluss an die gottesdienstliche Feier durch die Florian-Geyer-Straße zu Pfarrer Breitenbach und Diakon Stefan Philipps. Beide hatten sich an der Kreuzung postiert, um  den motorisierten Zweiradfahrern den Segen zur Achtsamkeit  im Verkehr und zu einer unfallfreien Saison zu erteilen, mit Umarmungen, freundschaftlichem Klaps auf die Schulter, Weihwasser und der ganzen packenden Herzlichkeit, zu der Biker fähig sind.  

Für nuus.de von Claus P. Gras (Text und Fotos)


Von: Michael Horling