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Wirtschaftsdialog von IHK und Deutscher Bundesbank

15.04.2019

„Bargeld bleibt, solange es die Bürger wünschen“


Würzburg – Die IHK Würzburg-Schweinfurt und die Hauptverwaltung in Bayern der Deutschen Bundesbank haben am 15. April rund 80 interessierte Teilnehmer aus Politik und Unternehmerschaft in den Räumlichkeiten der IHK-Hauptgeschäftsstelle in Würzburg zur zweiten Ausgabe des Wirtschaftsdialoges begrüßt.

 

IHK-Präsident Dr. Klaus D. Mapara verwies einleitend auf die historische Bedeutung des Papiergeldes während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert: „Hätte die englische Regierung 1833 nicht Banknoten als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt, wäre die Geldversorgung der schnell wachsenden Wirtschaft des Landes kaum möglich gewesen.“ Heute hätten wir eine ganz andere Diskussion, spannte Mapara den Bogen: „Wir schaffen den 500-Euro-Schein ab und reden über Bargeldobergrenzen und neue digitale Bezahlverfahren. Wird unser Münz- und Papiergeld morgen von Plastikgeld oder gar virtuellem Geld abgelöst?“, fragte der IHK-Präsident.

 

Karl Schnitzler, Leiter des Bereichs Innen- und Filialbetrieb bei der Hauptverwaltung in Bayern der Deutschen Bundesbank und in dieser Funktion Chef der fünf bayerischen Bundesbankfilialen, ging der Frage nach, wie Deutschland am Point of Sale zahlt. „Drei von vier Transaktionen an der Ladenkasse werden mit Banknoten und Münzen durchgeführt. Bargeld ist also keineswegs ein Zahlungsmittel von gestern“, sagte Schnitzler und wagte auch einen Blick in die Zukunft: „Bargeld wird bleiben, solange es die Bürger wünschen.“ Die Bundesbank verhält sich neutral und beeinflusst niemanden bei der Wahl des Bezahlverfahrens. Letztlich sei es der Bürger, der entscheidet, welches Zahlungsmittel er nutzen möchte. Der Bundesbank-Experte erläuterte, dass weniger als zehn Prozent des von der Bundesbank netto emittierten Euro-Bargeldes für die Einkäufe des täglichen Lebens verwendet werden. Dies belege, dass Euro-Bargeld nicht nur Zahlungsmittel sei, sondern insbesondere auch zur Wertaufbewahrung im In- und Ausland verwandt werde.

 

Anonym, einfach und fälschungssicher

Professor Dr. Franz Seitz, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden, stellte in seinem Vortrag die Frage „Ist Bargeld ein Auslaufmodell?“. Zwar seien Barzahlungen in einigen Ländern wie etwa Schweden in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen. Doch die Eigenschaften von Bargeld machten es schwer, einen perfekten elektronischen Ersatz zu finden. „Anonym, schnell und einfach, fälschungssicher und final“ seien Barzahlungen, hob Seitz einzelne Vorteile des Bargeldes hervor. „Bargeld ist eine Institution, die sich seit Jahrhunderten bewährt hat. Die Abschaffung von Bargeld wäre ein sozioökonomisches Experiment mit unsicheren, unerwarteten und unbeabsichtigten Konsequenzen“, warnte der Professor.

 

Das Format „Wirtschaftsdialog“ wird seit 2018 gemeinsam von der Hauptverwaltung in Bayern der Deutschen Bundesbank und der IHK Würzburg-Schweinfurt durchgeführt. Ziel ist es, gesamtwirtschaftliche Fragestellungen aufzugreifen und Akteure aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu vernetzen.

 

Informationen: Dr. Sascha Genders, IHK, Tel. 0931 4194-373, E-Mail sascha.genders@wuerzburg.ihk.de sowie Elena Fürst, IHK, Tel. 0931 4194-320, E-Mail elena.fuerst@wuerzburg.ihk.de oder im Internet unter www.wuerzburg.ihk.de

(v.l.): Elena Fürst (IHK), Karl Schnitzler (Hauptverwaltung in Bayern der Deutschen Bundesbank), IHK-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Ralf Jahn, IHK-Präsident Dr. Klaus D. Mapara, Prof. Dr. Franz Seitz (Ostbayerische Technische Hochschule Weiden), Dr. Sascha Genders (IHK), Johann Rebl (Filiale Würzburg der Deutschen Bundesbank) und stv. IHK-Hauptgeschäftsführer Max-Martin W. Deinhard. Foto: IHK

Von: S. Thomas/M. Gränz