Soziale Netzwerke

  

Anzeige

Auftaktveranstaltung für neuen Betreuungsverein in Würzburg - Diakonie füllt Lücke in der Stadt

Würzburg: Der Bedarf an rechtlicher Betreuung ist landesweit steigend und auch in Würzburg mit den bestehenden Strukturen kaum zu bewältigen. Die Anzahl betreuungsbedürftiger Menschen wächst rasant, zugleich wird die Aufgabenstellung immer komplexer. Auch wenn in der ganz überwiegenden Zahl der Fälle nahe Angehörige ihre Familienmitglieder betreuen, werden immer dringender gesetzliche Berufsbetreuer:innen benötigt. Sie unterstützen und vertreten hauptamtlich volljährige Menschen, die aufgrund einer Krankheit oder Behinderung ihre eigenen Angelegenheiten nicht mehr so regeln können und es dadurch zu erheblichen Problemen in ihrem Alltag gekommen ist. Berufsbetreuer:innen arbeiten entweder selbständig, oder, wie nun von der Diakonie ermöglicht, in einem Betreuungsverein.

Nach der offiziellen Anerkennung durch die Regierung Unterfranken am 30.04.2025 nahm der Verein im Juni 2025 unter der Leitung von Volljuristin und Sozialarbeiterin Natascha Waskiewicz seine Arbeit auf. Inzwischen werden von ihr und der Erziehungswissenschaftlerin Sophia Böhm bereits 40 Personen rechtlich betreut. Die Anfragen sind allerdings so nachhaltig, dass möglicherweise im kommenden Jahr weitere Berufsbetreuer:innen hinzukommen sollen. Nach erfolgreicher Gründung wurde nun erst einmal angestoßen. Die Diakonie feierte ihre neue Einrichtung am 27. Oktober in deren Räumen am Friedrich-Ebert-Ringmit vielen Akteuren aus Stadt und Land.

Missverständnissen vorbeugen
„Eine wichtige Unterscheidung liegt in dem Begriff der rechtlichen Betreuung und dem, was landläufig unter Betreuung verstanden wird“, so erklärt die Volljuristin und Sozialarbeiterin Natascha Waskiewicz. Die Besorgung der rechtlichen Angelegenheiten geschieht oft an Schreibtisch und Telefon im direkten Umgang mit Behörden, Banken, Versicherungen. Selbstverständlich ist eine vertrauensvolle Beziehung zur betreuten Person eine sehr gute Grundlage für eine gute Zusammenarbeit, was aber nicht bedeutet, dass Alltagsangelegenheiten wie Einkaufen, Fahrdienst oder sogar Wäsche Aufhängen dazugehören. Manchmal müssen wir über diese Rollenverteilung erst richtig aufklären, verbinden viele Menschen doch mit dem Begriff „Betreuung“ eine „Rundum-Versorgung“.
Unterstützung ehrenamtlich Betreuender

Neben der Betreuung von Einzelpersonen ist die Beratung, konkrete Begleitung und auch die Gewinnung neuer ehrenamtlich Betreuender eine zentrale Aufgabe des Betreuungsvereins. Dazu werden offene Sprechstunden und eine aktive Öffentlichkeitsarbeit mit Vorträgen oder Informationsstand auf Veranstaltungen mit Bezug zur angeboten. Auch nützliches Informations- und Arbeitsmaterial zu allen Fragen rund um die rechtliche Betreuung stehen in dem neuen Betreuungsverein im Friedrich-Ebert-Ring 27c/d oder auch über die Webseite des Vereins zur Verfügung.

Wer einen Menschen betreuen möchte, ist hoch willkommen. Man braucht dazu keine juristische Ausbildung, wohl aber gute fachliche Unterstützung.Diese leistet der Betreuungsverein kostenlos. Ab 2026 bietet der Betreuungsverein der Diakonie in Kooperation mit dem Betreuungsverein im SkF, der Betreuungsstelle Würzburg, dem Landratsamt Würzburg und Halma e.V. ein gemeinsames Schulungsprogramm für ehrenamtliche Betreuer:innen an:
- Grundlagenschulungen für Neueinsteiger:innen
- Vertiefungsabende zu Spezialthemen 
- Erfahrungsaustausch und Vernetzung

Vorsorge ist Selbstbestimmung
„Wer selbst vorsorgt, hat die bestmögliche Aussicht auf ein selbstbestimmtes Leben in den Lebensphasen, in denen eine höchstpersönliche Wahrnehmung der eigenen Angelegenheiten ausscheidet. Wer sich im Bedarfsfall um welche Belange kümmern soll, kann und sollte von jedem Menschen schon frühzeitig, also keineswegs erst im Alter, festgelegt werden“, so Natascha Waskiewicz. Der Betreuungsverein informiert professionell auch über Vorsorgemöglichkeiten, wie die Vorsorgevollmacht, die Patientenverfügung und die Betreuungsverfügung.

v. li: Eva von Vietinghoff-Scheel, Würzburger Sozialreferentin, Karoline Wirth, Rechtliche Betreuung und Vorsorge, Stadt Würzburg, Natascha Waskiewicz, Leiterin des Betreuungsvereins mit Vereinsbetreuerin Sophia Böhm und Andreas Schrappe, Vorstand der Diakonie Foto: Stephanie Rau, Inline Internet & Werbeagentur GmbH