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Bürgermeisterin Judith Jörg besuchte die Jakob-Stoll-Realschule

Das iPad ersetzt die Tafel

WÜRZBURG - Die Jakob-Stoll-Realschule gilt als Beispielschule digitalen Lehrens. Warum dies so ist, davon überzeugte sich Bürgermeisterin und Stadtschulrätin Judith Jörg bei einem Besuch vor Ort. „Die Stadt Würzburg least als Sachaufwandsträger für die hiesigen Schulen die digitale Technik, wie Server, Stand-PCs, Notebooks, Beamer, Dokumentenkameras und digitale Tafeln. Die Jakob-Stoll-Realschule setzt davon nicht alles ein, aber dies sehr gut durchdacht“, freut sich die Schulbürgermeisterin. Die „Stoll“ verzichtet beispielsweise auf die digitalen Tafeln.

 

„Wir kommen mit den Mitteln, die die Stadt Würzburg für die Schulen bereithält, dem Ideal des digitalen Klassenzimmers sehr nahe – ohne überall digitale Tafeln haben zu müssen“, erklärt Schulleiter Alexander Röhrer.„Stattdessen hinterfragen wir bei digitalen Ausstattungsmöglichkeiten, ob diese didaktischen Mehrwert bringen. Wir überprüfen, ob der Einsatz technischer Möglichkeiten vertieftes, zukunftsweisendes Lernen fördert und beispielsweise Anforderungen an Schülerinnen und Schüler unterstützt wie Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken. Dafür muss man nicht alles haben wollen, was auf dem digitalen Markt für Schulen angeboten wird. Es braucht weniger Technik als allgemein angenommen.“ Digitale Tafeln böten keinen Mehrwert, so Röhrer. „Sie sind elektrisch störanfällig, müssen schnell ersetzt werden und werden in 90 % der Fälle nur für Powerpoint-Präsentationen eingesetzt.“

 

Die Jakob-Stoll-Realschule ist daher bereits seit Ostern 2020 einen Sonderweg gegangen und setzt seit dem ersten Mebis-Zusammenbruch auf MS Teams, neuerdings mit einer Cloud-Lösung. Chatten, anrufen, Videokonferenzen durchführen, Aufgaben zuweisen, gemeinsam an einer oder mehreren Aufgaben arbeiten, diese Projekte zusammenführen: Was MS Teams für Unternehmen sämtlicher Größen entwickelt hat, bewährt sich auch in der staatlichen Realschule Würzburg I. „Über Teams werden Lehrerkonferenzen einberufen, die Stundenpläne der nächsten Woche erstellt, Arbeitsaufträge werden ausgegeben, so dass die Kinder und Jugendlichen gleich sehen, was in der Woche von ihnen erwartet wird“, sagt Röhrer. „Gleichzeitig sehen die Lehrer, welche Schüler bereits ihre Hausaufgaben hochgeladen haben und können diese dort einsehen.“

 

Für den Distanzunterricht hat die Stadt Würzburg die „Stoll“ mit 69 iPads über das Förderprogramm „Bayern digital II“ ausgerüstet. Dazu gehören fünf Ladekoffer, in denen die iPads geladen werden. 65 weitere Notebooks, die über das Förderprogramm „Leihgeräte für Schüler/innen“ bestellt wurden, werden noch geliefert. „Ich komme gerade von zuhause aus dem Unterricht“, berichtet Mathe-, Physik-, IT-Lehrer und der schulische Systembetreuer Thomas Schädel. „In der ersten Stunde hatte ich mit einer Klasse eine Online-Videokonferenz mit Präsentation, dazu habe ich über das Wochenende ein Video erstellt. In der zweiten Stunde gab ich den Schülerinnen und Schülern einen Arbeitsauftrag zur selbstständigen Bearbeitung, war aber ständig für Fragen erreichbar.“ Sobald die neuen iPads fertig eingerichtet sind, werden Schüler/innen sowie Lehrer/innen damit im Unterricht arbeiten können. „Größter Vorteil des Einsatzes der iPads ist: Ich kann die Schüler-iPads direkt steuern, bestimmte Inhalte freigeben oder sperren, ich benötige kein extra Netzwerk, ich kann den Bildschirm aller iPads teilen, korrigieren und besser als im analogen Unterricht sehen, was die Schüler arbeiten und schnell Feedback geben“, erklärt Thomas Schädel. Das iPad kann wie eine Tafel bedient werden, der Lehrer schreibt darauf, teilt diesen Bildschirm mit allen oder wirft ihn an die Wand. „So kann ich Wechselunterricht durchführen und parallel Schüler vor Ort und zuhause unterrichten. Ich kann die Hefteinträge als pdfs speichern, die ich allen zur Verfügung stelle“, erklärt Thomas Schädel. Die Schülerinnen und Schüler können mit dem Programm Hefte anlegen, filmen, schneiden, schreiben, zeichnen, rechnen, Word und Excel bedienen.

Weiterer positiver Effekt der fortschreitenden Digitalisierung in der Schule: „Tatsächlich erreichen wir mehr Eltern, die sonst nicht in die Schule kommen konnten, mit unseren digitalen Sprechtagen“, berichtet Schulleiter Röhrer. „Über die Eltern-Schüler-Informationssystems-App ESIS versenden wir Elternbriefe und Schulnachrichten. Eltern können Sprechstunden buchen, verpassten Unterrichtsstoff einsehen und Kinder krank melden.“ Ja, für die Lehrerinnen und Lehrer bringe das digitale Klassenzimmer Mehraufwand mit sich, wenn sie es gut machen möchten, gibt Schulleiter Röhrer zu. Doch die Schülerinnen und Schüler profitieren, denn das sichere Arbeiten mit allen digitalen Einsatzmöglichkeiten kann – so paradox es klingen mag - Lernen mit allen Sinnen eröffnen. Beispiel Geschichtsunterricht, Hausaufgabe zum Thema Alexander der Große: Ein Sechstklässler löste die Aufgabe mit einem selbst gedrehten Video mit Drohnenkamera und unterlegte die Bilder mit Fakten zum Leben Alexanders des Großen, den er selbst spielte. „Wenn das nicht im Gedächtnis bleibt …“, freut sich Schulbürgermeisterin Judith Jörg über so viel Kreativität.

BU: In der Jakob-Stoll-Realschule werden die von der Stadt Würzburg geleasten iPads bald intensiv im digitalen und analogen Unterricht genutzt werden können. Im Vordergrund steht einer von fünf Koffern, in denen die iPads aufgeladen werden. v.li: Bürgermeisterin und Stadtschulrätin Judith Jörg, Lehrer Thomas Schädel und Rektor Alexander Röhrer. Foto: Claudia Lother