München - Rom: Die KirchenVolksBewegungWir sind Kirche zieht ein gemischtes Fazit zum Abschluss der XVI. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode, über deren Schlussdokument heute abgestimmt wird, und fordert echte und konkrete Synodalität auf allen kirchlichen Ebenen.
Mit dem Synodalen Prozess mit weltweiter Beteiligung auch der Kirchenbasis hat Papst Franziskus eine kirchengeschichtliche Wende vollzogen, die auf der Taufwürde aller aufbaut, langfristig wirken und unumkehrbar sein wird. Doch auch bei dieser zweiten Sitzungsperiode ist es noch nicht gelungen, den eindeutigen Widerspruch zwischen der urchristlichen Botschaft von der Gleichheit aller Gläubigen („Equality“) und der jetzigen dogmatisch verfestigten kirchlichen Machtstruktur aufzulösen. Dies betrifft besonders den Ausschluss von Frauen, die in der Urkirche eine zentrale Rolle hatten, von allen Weiheämtern.
Ungelöste „Frauenfrage“ zeigt das Machtproblem der Männerkirche
Der weltweit offenbar gewordene geistliche und sexuelle Missbrauch von Macht und dessen Vertuschung hat die katholische Kirche in eine tiefe Existenzkrise geführt. Die römisch-katholische Kirche befindet sich aber auch in einer Verfassungskrise, weil nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil das Recht des Bischofsamts überbetont und das Recht des Kirchenvolkes unterbetont wurde und Frauenrechte nicht anerkannt werden. Auch das traditionelle christliche Menschenbild der katholischen Kirche überzeugt nicht mehr. Es wird nicht ausreichen, die Rolle von Frauen nur innerhalb des bestehenden Kirchenrechts zu stärken, wenn weiterhin nur Männer die Rolle von Frauen definieren.
Das höchst intransparente Vorgehen des Papstes und des neuen Präfekts des Dikasterium für die Glaubenslehre, Kardinal Víctor Manuel Fernández in der „Frauenfrage“ ist unsynodal und hat viel Vertrauen verspielt, aber auch großen Widerspruch der Synodalen ausgelöst. Die bleibende Diskriminierung der Frauen zeigt, wie wenig die Taufwürde der Frauen geachtet und statt dessen an den traditionellen männerdominierten Machtstrukturen festgehalten wird. Die Hypotheken der Vorgängerpäpste „Inter Insignores“ (1976), „Mulieris dignitatem“ (1988) und „Ordinatio Sacerdotalis“ (1994) belasten die Kirche auch heute noch sehr.
Ab jetzt Synodalität auf allen kirchlichen Ebenen konkret praktizieren!
Für die Synodalen waren die beiden Versammlungen in Rom ein intensiver Lernprozess, der ab jetzt in Rom und in den einzelnen Ortskirchen mutig umgesetzt und später auch evaluiert werden muss.
- Ab jetzt sind Missbrauchsaufarbeitung und Prävention sexualisierter Gewalt überall zur „Chefsache“ zu machen.
- Ab jetzt ist das Kirchenvolk auf den jeweiligen Ebenen in alle wesentlichen Entscheidungen verantwortlich einzubinden. Transparenz und Rechenschaftspflicht gelten nicht nur gegenüber dem Papst, sondern gegenüber allen Gläubigen.
- Ab jetzt sind synodale Strukturen auf Länder- und Kontinental-Ebene zu schaffen, so wie es bereits erfolgreich in Lateinamerika und Asien praktiziert wird. Hier hat gerade Europa großen Nachholbedarf.
- Ab jetzt sind dezentrale Lösungen in allen pastoralen Fragen zuzulassen, die dem jeweiligen kulturellen Kontext entsprechen und für eine Inkulturation des Glaubens unabdingbar sind.
- Ab jetzt müssen die römischen Studiengruppen den bisherigen theologischen Forschungsstand in transparenter Weise rezipieren sowie die aktuellen pastoralen Anforderungen einbeziehen
- Ab jetzt muss der Synodale Weg in Deutschland, der durch die Beratungen in Rom Rückenwind erfahren hat, ungebremst weitergeführt werden.
- Ab jetzt muss das diakonische Wirken der Kirche in der Nachfolge Jesu in den Mittelpunkt gerückt werden. Dies betrifft alle, Männer wie Frauen.
- Ab jetzt darf die Kirche sich nicht nur mit sich selbst beschäftigen. Sie muss sich ändern, weil sie eine Aufgabe in der Welt hat (vgl. Konzilsdekret „Gaudium et spe“).
Zweite Konzilsversammlung am 16. November 2024 in Stuttgart
Wir sind Kirche hat den synodalen Weg in Deutschland wie auch den weltweiten Synodalen Prozess von Anfang an kritisch begleitet. Wir sind Kirche sieht es als Erfolg, dass die nach dem Wiener Missbrauchsskandal um Kardinal Hans Hermann Groër 1995 in Österreich formulierten Reformthemen Partizipation, Frauenämter, Freistellung des Zölibats und Sexuallehre jetzt sowohl in Deutschland wie in Rom endlich offen behandelt werden.
„Mit brennnender UnGeduld“ ist der Titel der zweiten Konzilsversammlung, zu der pro concilio e.V., die Aktionsgemeinschaft Rottenburg von Priestern und Diakonen (AGR) und Wir sind Kirche am 16. November 2024 nach Stuttgart einladen. Anmeldung bis 31. Oktober 2024 erbeten! Mehr: www.pro-concilio.de

