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Die GEW Unterfranken ruft GEW-Mitglieder und Bürgerschaft zu Gegenprotesten gegen eine AfD-Kundgebung auf:

Am 09.11. um 15.00 Uhr sollen am Marktplatz in Würzburg die AfD-MdBs Hansjörg Müller und Dirk Spaniel, sowie der Kreisvorsitzende Silvio Kante, sein Stellvertreter Mario Cerdini und der Schatzmeister Titus Hay sprechen.

 

Jörg Nellen, Vorsitzender des GEW-Bezirks Unterfranken: Damit stehen die neuen Nazis in der Tradition der alten Nazis: Seit 1933 war der 09.11. einer von drei nationalsozialistischen Feiertagen (u.a. dem Geburtstag Hitlers). In der Tradition der Niederlage des Kaiserreichs 1918 und der Niederlage der Nazis beim gescheiterten Putschversuch 1923 führte dieser NS-Feiertag direkt in das Novemberpogrom 1938: Göbbels stachelte seine Parteigenossen in München auf, die im auch in Würzburg anlässlich des Nazifeiertags beisammen saßen.

 

Auszug aus der GEW-Lesung aus Landgerichtsakten „Beruhige dich nur, es soll ja brennen“ zur Pogromnacht 09./10. November 1938: N.S.D.A.P., 10. November 1938. Ortsgruppe Würzburg-Süd:

An alle Parteigenossen! Befehl zum sofortigen Antreten am Donnerstag, den 10. November 1938, vormittags 7 Uhr auf dem Kickersplatz, Randesackerer Strasse, zellenweise. Entschuldigungen sind ausgeschlossen. Bei etwaigem Fernbleiben vom privatem Dienst wollen Sie Ihre Dienst- oder Arbeitsstelle sofort benachrichtigen. Heil Hitler, gezeichnet M. Neff, Ortsgruppenleiter

 

Protokoll der Verhandlung vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Würzburg am Montag, 09. Januar 1950. Dr. Ernst Seifert, Rektor der Universität Würzburg, geb. am 9. November 1887 in Würzburg:

Ich wohnte damals Keesburgstraße 45. Gegen 9 Uhr wurde ich angerufen. Ich war der Meinung, dass der Standartenarzt Dr. v. Öttingen angerufen hat. Ich fragte noch, ob ich Uniform anziehen soll, es wurde mir jedoch gesagt, dass das nicht notwendig sei. Bei Hemmerlein saß man an Biertischen in einer trägen Unterhaltung. Es waren fast lauter unbekannte Leute. Ich sah u.a. Schug und Dr. Wahl. Dr. Hacker und Dr. v. Öttingen habe ich nicht gesehen. Ich schätze, dass vielleicht 25 – 30 Personen da saßen. Es war jedenfalls gut besetzt. Ich habe mich zu einer Gruppe von Leuten hingesetzt. Um zu fragen, was los sei, begab ich mich nach einigem Warten zu Schug, der mir jedoch eine ungenügende Auskunft gab. Plötzlich ist man aufgestanden und draußen wurde angetreten. Man hat sich formiert in 5er Reihen und ist abmarschiert. Ich habe nicht gesehen, dass Leute mit Beilen und Pickeln ausgerüstet dabei waren. Ich bin vorne etwa in der 3. Reihe marschiert. Wir sind bis zum Residenzplatz marschiert. Bei einem meiner Nebenleute frug ich noch, warum wir nicht singen, weil mir dass einem Propagandamarsch zugehörig schien. Am Residenzplatz sind wir ohne anzuhalten abgeschwenkt in die Hofstraße und weitermarschiert bis in die Domstraße. Zum erstemal hielten wir in der Mitte zwischen Dom und Rathaus. Nun trat plötzlich von hinten ein Mann mit 8 – 10 weiteren mit Eisenstangen bewaffneten Leuten hervor. Ich habe diese Leute vorher nicht gesehen. Auf das Kommando eines scheinbaren Anführers – es könnte Wahl gewesen sein –schlugen diese 10 Mann mit ihren Eisenstangen die Glasscheiben ein, drangen dann in das Haus durch die Fenster ein und zerstörten Gegenstände, was man von außen durch die inzwischen aufleuchtenden Lampen sehen konnte. Ich dachte mir gleich, dass ich da nicht hergehöre. Schug war in der Nähe gestanden. Er hatte die ganze Sache vom Hemmerlein ab geleitet.

 

Die Gewerkschafter*innen werden jeder Geschichtsklitterung entgegentreten.