Würzburg: Mit dem Auszug der „Postfiliale 632“ aus dem halbrunden Gebäude auf dem Zellerauer Marktplätzle entstand ein kleiner Leerstand im Herzen des Stadtteils, der aufgrund der prominenten Lage schnell zu Ideen für alternative Nutzungen führte Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern des Quartiersmanagements (Sozialdienst katholischer Frauen Würzburg e.V.), des Literaturhaus Würzburg e.V. sowie dem Finanz-, Sozial- und Kulturreferat führten zur Entwicklung eines gemeinsamen Nutzungskonzeptes, das Angebot des Literaturhauses (kleine Veranstaltungen und Workshops) und des SkF (Angebote des Quartiersmanagements und des Familienstützpunkts) vorsieht. Ziel ist die Schaffung eines Ortes in zentraler Lage im Stadtteil Zellerau, der soziale und kulturelle Aspekte vereint und von dem nicht nur die Zellerauer Bürgerschaft, sondern die ganze Stadtgesellschaft profitieren kann.
Doch die bauliche Bestandsaufnahme brachte zwischenzeitlich Ernüchterung. Der Sanierungsaufwand - beispielsweise für neue Heizungstechnik und eine energetisch ertüchtigte Außenhülle - ist erheblich. Dieses Geld steht aktuell nicht im städtischen Haushalt zur Verfügung, aber durch gemeinsame Anstrengungen der Leitungen des Finanz-, Sozial- sowie Kulturreferates konnte nun eine Lösung für eine kleine Sanierung für eine sinnvolle Zwischennutzung gefunden werden, für die es nun grünes Licht im Hauptausschuss gab.
Mit rund 70.000 € Haushaltsresten aus dem letzten Jahr sollen die dringlichsten Herausforderungen schnell angegangen werden, um Leben in die ehemalige Postfiliale zu bringen. Die vorgesehenen Maßnahmen umfassen im Wesentlichen die Ertüchtigung der Elektrik, den Einbau einer barrierearmen Toilette, Neuanstrich von Wänden und Decken sowie das Verlegen eines neuen Bodenbelags und die Einhaltung von Auflagen und Anforderungen im Bereich Brandschutz und Denkmalschutz.
Im Ausschuss signalisierte Kulturreferent Benedikt Stegmayer, dass die Umsetzung schnell beginnen soll und bereits Nutzungen im zweiten Halbjahr angestrebt werden: „Durch ein öffentliches soziales und kulturelles Angebot wird das bestehende Ensemble aus Gastronomie, Gewerbe und weiteren Dienstleistungen am Standort um einen wesentlichen Aspekt bereichert, der vielen Bürgerinnen und Bürgern dort bisher gefehlt hat.“
Nach der Sitzung des Hauptausschusses bekräftigt Elena Riedel, Sprecherin des Literaturhaus Würzburg e.V.: „Wir freuen uns sehr, dass das Literaturhaus nun ein Zuhause findet und wir einen Raum für Buchclubs und Lesungen für regionale Autorinnen und Autoren bereitstellen können. In Kombination mit der Quartiersarbeit können wir die ehemalige Postfiliale wieder mit Leben füllen. Danke an alle Partner und die Unterstützung durch die Stadt Würzburg“,
Die Sozialreferentin Eva von Vietinghoff-Scheel ergänzt: „Mit der jetzt beschlossenen „kleinen Sanierung“ der Postfiliale bietet sich die einmalige Chance für den Stadtteil, mit einer sozialen und kulturellen Nutzung dem Grundgedanken der Gestaltung und Förderung des Platzes im Rahmen des Bundesprogramms „Soziale Stadt" zwischen 2007 und 2019 gerecht zu werden“.
Das Quartiersmanagement wird den Raum für offene Treffs, Versammlungen von Vereinen aus dem Stadtteil, Beratung, Informationsweitergabe und Bewerbung von stadtteilinternen Veranstaltungen und zur Planung und Umsetzung von Projekten im Stadtteil nutzen. Von Vorteil ist auch die Nähe zu vielen Einrichtungen des Trägers des Quartiersmanagements, des SkF, was künftig für noch mehr Synergien im Stadtteil sorgen wird.
Die große Lösung will man dennoch nicht aus dem Blick verlieren. Im Jahr 2028 erfolgt eine erneute Bewertung, der dann etablierten Nutzungen und der Entwicklungen im Stadtbezirk. Der Stadtrat soll dann ein überarbeitetes Konzept präsentiert bekommen inklusive der entsprechenden Förderkulisse. Diese Vorgehensweise fand im Ausschuss viel Zuspruch und eine einstimmige Mehrheit bei der Abstimmung.

