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Gefäße fürs weihnachtliche Licht

Zu Lichtmess gab es in St. Johannis Schweinfurt einen außergewöhnlichen Gottesdienst mit Silberschmiedin Juliane Schölß

SCHWEINFURT - Am Vorabend von Lichtmess, dem traditionellen Ende der Weihnachtszeit, lud das Dekanat Schweinfurt zu einem außergewöhnlichen, lichtdurchwirkten Gottesdienst in die Schweinfurter St. Johanniskirche ein.

 

Die auf Abstand im Kreis gestellten Stühle in der Vierung waren schnell besetzt, so dass das Sicherheitsteam einigen Besuchern Plätze in den Kirchenbänken relativ weit weg vom Geschehen zuweisen musste. Doch auch aus der Ferne spürte man die besondere Wirkung der papierenen Gefäße, die Silberschmiedin Juliane Schölß mitgebracht und mit Kerzen illuminiert hatte.

 

Diese Papiergefäße sind eigentlich nur Modelle für spätere Kelche aus Silber. Sie dienen dazu, den ersten Entwurf in der Dreidimensionalität zu überprüfen. Doch in ihrer Leichtigkeit und durch die Durchlässigkeit für das Kerzenlicht wirken sie selbst als kleine Kunstwerke. Schon 2015 hingen viele davon anlässlich der Triennale über dem Taufstein von St. Johannis.

 

Dekan Oliver Bruckmann begrüßte die Anwesenden und wies auf das Fest „Lichtmess“ hin. „Das Licht aus dieser festlichen Zeit soll geschirmt sein und weiterleuchten in die Welt“.

 

Juliane Schölß selbst führte in ihre Arbeit ein und beschrieb, wie sie sich in kleinsten Änderungen von Modell zu Modell dem endgültigen Entwurf annähert. Die Beschäftigung mit dem Licht habe auch ihr selbst noch einmal eine neue Perspektive auf die Modelle gegeben und sie angeregt, diese quasi von innen zu betrachten.

 

Auf einem Tisch im Zentrum hatte sie auch vier Kelche aus echtem Silber aufgestellt, die die Verschiedenheit des Metalls aufzeigten: Neben zwei „normalen“ Silberkelchen standen ein geschwärzter und ein vergoldeter. Auch im Metall zeige sich viel Lichtspiel. Das dünne Material – in diesem Fall gerade mal 0,3 Millimeter – sei zudem spontan, charmant, reagiere auf ihre Hände.

 

Pfarrerin Gisela Bruckmann fragte in ihrer Ansprache: Was bleibt von Weihnachten? Die Lichter seien ein Zeichen dafür: Etwas bleibt. So, wie man sich vielleicht einmal in der Nacht verläuft und dann das rettende Licht eines Hauses sieht, so ist auch Gottes Licht selbst dann da, wenn wir es gerade nicht sehen können.

 

Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von Kirchenmusikdirektorin Andrea Balzer (Orgel), Elena Hermann (Querflöte) und einem coronabedingt sehr kleinen Gesangsensemble.

 

Nach etwa einer Dreiviertelstunde gingen die Gottesdienstteilnehmenden berührt von Licht, Musik und wärmenden, lichtvollen Gedanken wieder nach Hause.

 

Der Gottesdienst war Teil der Initiative „Hoffnung. Leben. Licht“ der bayerischen Landeskirche zur Unterstützung von freischaffenden Künstlerinnen und Künstlern. An vielen Orten in Bayern fanden dazu rund um Lichtmess Gottesdienste statt.

BU (01): Ein Papiermodell auf dem Taufstein, von innen erleuchtet. (02): Zu Lichtmess ist auch der Weihnachtsbaum noch beleuchtet. (03): Dekan Oliver Bruckmann: „Gefäße für das Licht“ (04): papierene Licht-Gefäße auf den Treppenstufen (05): Der Hochaltar von St. Johannis neu beleuchtet (06): Der Hochaltar von St. Johannis neu beleuchtet (07): Licht-Gefäß auf dem Altar (08): Die zwei silbernen Kelche schmiegen sich aneinander. (09): Die Künstlerin Juliane Schölß (10). Dekan Oliver Bruckmann und Juliane Schölß im Gespräch. Im Vodergrund die Silberkelche auf einem Tisch. Fotos: Heiko Kuschel