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GRÜNE kämpfen weiter für die Steigerwaldbahn

BEG muss Berechnungsmethodik der umstrittenen Studie offenlegen

WIESENTHEIT/SCHWEINFURT - Die Grünen in Bayern kämpfen trotz des negativen Gutachtens der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) unverdrossen weiter für die Reaktivierung der Steigerwaldbahn. Bei einer Pressekonferenz auf dem Bahnhofsgelände in Wiesentheid im Landkreis Kitzingen kündigten der verkehrspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Markus Büchler (München) und sein Schweinfurter Kollege Paul Knoblach an, zunächst mit parlamentarischen Mitteln darauf zu drängen, dass Staatsregierung und BEG die Berechnungsmethodik des umstrittenen Gutachtens endlich offenlegen.

 

Überhaupt erst dann sei ein Vergleich mit den zwei schon vorhandenen Gutachten von Dr. Konrad Schliephake von der Uni Würzburg und der Kobra-Studie des Landkreises Schweinfurt möglich. Beide Studien haben im Gegensatz zur BEG das nötige Potenzial von deutlich über 1000 Fahrgästen pro Tag errechnet. „Vorher darf kein Gleis herausgerissen werden“, stellte Büchler klar. Die BEG werde von Steuerzahlenden finanziert, die deshalb ein „Anrecht haben zu erfahren, wie die Fahrgastzahlen berechnet wurden“, sagte Büchler. In anderen Bundesländern müsse man eine solche Forderung gar nicht stellen, weil die im Gegensatz zum Freistaat „moderner sind und ein Informationsfreiheitsgesetz haben“.

 

Auch Knoblach forderte die BEG dazu auf, die Karten endlich auf den Tisch zu legen und der Öffentlichkeit mitzuteilen, „wie sie auf ihre Prognose von lediglich 563 Personenkilometern/km auf der Bahnstrecke zwischen Schweinfurt und Kitzingen kommt“. Es dürfe nicht sein, dass eine weitgehend intakte Bahnstrecke irgendwelchen Grundstücksgeschäften oder mutmaßlicher politischer Einflussnahme zum Opfer fällt.

 

Der Grüne Kreisrat und engagierte Bahnfreund Thomas Vizl (Gerolzhofen) nannte die Reaktivierung der Bahnstrecke schnell und kostengünstig machbar. Die von Staatssekretär Gerhard Eck (CSU) ins Spiel gebrachte Idee autonom fahrender Busse sieht er skeptisch, weil „sehr viel ungeklärt ist“. Mit einer Machbarkeitsstudie könne man Bahn und autonomes Fahren „vergleichen, abwägen und dann entscheiden“. Vizl wiederholte auch sein Angebot zu einem Dialog mit der CSU, verhehlte aber auch nicht, dass er sich die E-Mover eher als Zubringer zur Bahnstrecke vorstellen könne. Er erinnerte schließlich noch daran, dass die BEG bei der Mainschleifenbahn auch zunächst nur 600 Personenkilometer prognostizierte, sich nach zwei Jahren aber auf die von Schliephake errechneten 1400 Personenkilometer korrigierte.

 

Für den Verkehrsclub Deutschland informierte Manfred Röder über das Ergebnis einer Umfrage, wonach sich in jedem Ort entlang der Strecke eine Mehrheit für die Wiedereröffnung der Bahn aussprach. Corinna Ullrich, Bundestagskandidatin der Grünen für den Wahlkreis Schweinfurt, weiß, dass immer mehr vor allem junge Menschen die Bahn als klimafreundliches Verkehrsmittel entdeckt haben. „Wir dürfen nicht zerstören, was wir in Zukunft brauchen“, sagte sie. Ähnlich äußerte sich die Bezirksvorsitzende Simone Artz aus Würzburg.

 

Foto 1: "Vor den Medien forderten am Bahnhof in Wiesentheid einmal mehr die Reaktivierung der Steigerwaldbahn (von links): MdL Paul Knoblach (Schweinfurt), Manfred Röder (VCD), Corinna Ullrich (Grüne Bundestagkandidatin Wahlkreis Schweinfurt), Kreisrat Thomas Vizl (Gerolzhofen), Bezirksvorsitzende Simone Artz (Würzburg) und MdL Dr. Markus Büchler (München). x Foto 2: "Vor den Medien forderten die Grünen am Bahnhof in Wiesentheid einmal mehr die Reaktivierung der Steigerwaldbahn. V.l.n.r.: Dr. Markus Büchler (verkehrspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion, München), Corinna Ullrich (Bundestagskandidatin Wahlkreis Schweinfurt), Paul Knobach (MdL, Schweinfurt) und Simone Artz (Bezirksvorsitzende, Würzburg). Fotos: Hannes Helferich"