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MdB Hümpfer: Homeoffice spart keine Energie im Winter

Berlin: Derzeit überlegen nicht nur Unternehmen und Verwaltungen, sondern zunehmend auch Universitäten, mit Homeoffice und Distanzlehre den Energieverbrauch zu senken. Doch zumindest im Winter ist das Gegenteil der Fall: der Verbrauch steigt. Der einzige Effekt ist eine Verlagerung der Kosten hin zu den Privathaushalten.

"Es gibt viele gute Gründe für Homeoffice-Regeln, darunter Flexibilität und Infektionsschutz. Energiesparen ist aber keiner", so Markus Hümpfer. "Studierende oder Mitarbeitende im Winter ins Homeoffice zu schicken ist doppelt unsolidarisch. Erstens werden die Energiekosten privatisiert und zweitens erhöht sich der Verbrauch insgesamt. Am Ende wird es also für alle teurer."

Denn auch der heimische Arbeitsplatz muss im Winter beheizt werden. Ein Büro mit mehreren Menschen ist allerdings grundsätzlich energieeffizienter als mehrere separate Arbeitszimmer oder Wohneinheiten. Dieser Effekt verändert sich zwar, wenn mehrere Personen zu Hause sind. Aber bei über 40 Prozent Singlehaushalten in Deutschland ist das statistisch selten der Fall. Es muss sich also um eine sehr weite Pendeldistanz mit dem Auto handeln, damit sich das lohnt. Und selbst dann müsste man das Benzin mit dem Öl und Gas der Heizung verrechnen. Der Verzicht auf eine Fahrt mit dem Zug oder Rad spart hingegen gar kein Strom, Gas oder Benzin.

Deswegen zeigen Studien , dass man zwischen Sommer und Winter sowie Anfahrt mit dem Auto oder dem ÖPNV oder Rad unterscheiden muss. Die Arbeit im heimischen Wohnzimmer spart Ressourcen, wenn man auf lange Autofahrten im Sommer verzichten kann. Im Winter aber erhöht sich der Energieverbrauch teils dramatisch. Das gilt insbesondere im städtischen Bereich, wenn die Menschen mit ÖPNV, dem Rad oder zu Fuß zur Arbeit gelangen. "Und das ist bei Studierenden an Universitäten regelmäßig der Fall", so Hümpfer. Außerdem kann die Arbeit im Homeoffice auch nur dann den Energieverbrauch senken, wenn das Büro oder der Hörsaal kalt bleiben. "Halbvolle Büros und gleichzeitig beheizte Wohnungen sind zum Energiesparen der schlechteste Zustand", so Hümpfer.

Hümpfer appelliert an die Arbeitgeber, Verwaltungen und Universitäten von diesen Vorhaben abzusehen und verspricht gleichzeitig Unterstützung: "Ich verstehe, aus welcher Not diese Überlegungen entstanden sind. Deswegen müssen und werden wir als Bundesregierung alles dafür tun, damit die Energiekosten weiterhin bezahlbar bleiben und nicht an die jeweils Schwächeren weitergereicht werden."

Markus Hümpfer ist Bundestagsabgeordneter der SPD für Schweinfurt und Kitzingen und Mitglied im Ausschuss für Klimaschutz und Energie. Er ist Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion unter anderem für Stromnetze und gesicherte Leistung.

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Foto: by Fionn Grosse